Im Ewigen Reich (Torsten Weitze) | Verlagsgast

Stufe 1: Geringe Spoiler
Stufe 1: Geringe Spoiler

Dreizehn Bücher sollen es werden, sieben sind erschienen – und damit hat die Saga um den dreizehnten Paladin so gut wie Halbzeit. Dieses Mal muss kein Paladin gefunden, sondern erreicht werden – und damit begeben sich Ahren und Khara ins Herz des Reiches, aus dem Khara Jahre zuvor geflohen ist.

 

Nicht nur in der Geschichte sind Jahre seit dem ersten Buch vergangen, auch wenn sich der Schreibstil nicht großartig verändert hat. Das Korrektorat hat erfreulicherweise gegriffen, und dass auch ein Lektorat durchgeführt wurde, kaufe ich dem Impressum sogar ab. Dennoch bleiben einige meiner Kritikpunkte aus früheren Rezensionen erhalten: Es gibt noch ein wenig GEBRÜLLE (persönlich halte ich durchgehende Großschreibung für ebenso sinnvoll wie durchgehende Kleinschreibung) und der Erzähler kaut noch immer einiges vor und wieder, was sich der Leser auch selbst hätte denken können.

Neu ist das Problem der emotionalen Szenen und Entwicklungen. „Im Ewigen Reich“ deckt eine Zeitspanne von mehreren Monaten ab, in der wirklich viel passiert, weswegen ebenso viel mit Zeitraffern gearbeitet werden muss, um keinen tausendseitigen Schinken zu bekommen. Für gewöhnlich funktionieren die auch gut, aber insbesondere bei Kharas (emotionalem) Training und Ahrens Alter Ego bleibt eine entsprechende Wirkung beim Leser auf der Strecke. Ich behaupte nicht, dass die Szenen gar nicht funktionieren oder die Entwicklungen nicht nachvollziehbar wären – sie sind aber der eine wunde Punkt, der von mehr Weile in der Eile enorm profitiert hätte.

Dieses Mal gibt es auch einige Abschnitte, die nicht von Ahren erzählt werden – abzüglich der kurzen Szenen der Antagonisten, versteht sich. Culhen und Khara bekommen eigene Handlungs- und über einige Kapitel auch Erzählstränge. Während mir Kharas nach wie vor relativ egal ist, ist Culhens Perspektive sehr gut gelungen.

 

Erfreulicherweise ist „Im Ewigen Reich“ wieder etwas besser durchdacht als „Der Kampf um Hjalgar“, sodass es keine Probleme mit dem Plot gibt, die ausschließlich aufgrund der Dummheit eines gewissen Protagonisten entstehen. Die Problematik mit den emotionalen Szenen habe ich bereits angesprochen, und an der Stelle möchte ich noch eines festhalten: Wenn Ahren seinem Vorsatz am Ende dieses Buches folgend ernsthaft hunderte von Seiten lang rein passiv bleibt und sich wie ein Sack Kartoffeln durch halb Jorath schleppen lässt, wird das ein sehr anstrengendes nächstes Buch werden.

 

Ahren ist weiterhin ein sympathischer Protagonist und leistet sich dieses Mal keine dümmlichen Schnitzer – wenn auch Schnitzer anderer Art. Er und Khara werden sich immer ähnlicher – in gewisser Weise nachvollziehbar, da sie ein Paar sind und beide Stärken haben, die der jeweils andere ebenfalls haben will, aber wenn ich bei Kharas Trainingsszenen ohne Probleme Ahrens Namen einsetzen kann und ihre Handlungen genauso stimmig wirken, geht mir diese Annäherung zu weit.

Die Sache mit Ahrens Alter Ego ist zwar ein interessanter Plot Point, aber … naja, etwas phantastisch. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Trauma so nicht funktioniert, und wenn dann noch Vergleiche mit einem magisch vergifteten Garten gezogen werden …

Mit Khara hatte ich in vergangenen Büchern so meine Probleme. Ironischerweise werden viele ihrer Schwächen, die zum Arschloch-Image beitragen, behoben. Hätte ich sie in dem Zustand kennen gelernt, in dem sie am Ende des Romans ist, hätte ich sie wahrscheinlich gemocht. Da hier eine enorme Charakterentwicklung jedoch verhältnismäßig rasch abgehandelt wird, kommt wieder das oben beschriebene Problem zum Vorschein: Ich kaufe dem Buch die Entwicklung ab, ja. Aber sie hat nicht die Wirkkraft auf mich, die sie hätte haben können, wären die vielen Wochen des Trainings gemächlicher abgehandelt worden.

Was nicht heißen soll, dass ich mit keinem der Charaktere dieses Buches etwas anfangen kann: Die Ewige Kaiserin ist erstaunlich mehrdimensional und meiner Meinung nach ein sehr gelungener Charakter, der zwar extrem mächtig und gerissen ist, aber dennoch seine Schwächen hat. Ebenso sind die Nebencharaktere gut entwickelt, wie auch schon in den vergangenen Romanen.

 

Vom Weltenbau her steht das Ewige Reich im Zentrum, das sehr gut durchdacht ist – beispielweise das Zaubernetz oder die Kultur, die die Kaiserin aufgebaut hat. Zudem passt alles schön mit dem Ziel, das sie damit verfolgt, zusammen – und warum sie sich so sehr auch von anderen Magiern und Paladinen abschottet.

 

Alles in allem ist auch „Das Ewige Reich“ ein Roman, der viel Lesespaß bereithält, mit einem sympathischen Protagonisten punkten kann und ein sehr glaubwürdiges, interessantes Setting parat hält. Vereinzelte Probleme – die fehlende Wirkkraft emotionaler Entwicklungen, dass Khara und Ahren immer mehr zum selben Charakter werden – vermögen das Tempo der Erzählung dabei nur wenig abzubremsen.

Details zum Roman:

Titel: Im Ewigen Reich: Der dreizehnte Paladin

Autor: Torsten Weitze

Verlag: Bene Bücher

Erscheinungsjahr: 2019

ISBN: 978-3-947515-77-6

Genre: High-Fantasy

Preis: 15,99€ (s. Datum)

Seiten: 469

Reihe: 7 von 13 (s. Datum)

Bewertung: 4 von 5 Sternen (s. Datum)

Stand: 04.02.2020