Kurzfassung: "Die Glasbrecherin" von Irene Euler (2. RW)

Erdree ist eine Glasbrecherin, das heißt, dass sie eine unerträgliche Stimme hat und Glas zersprengen kann, schwach und krankheitsanfällig ist. Ausgerechnet sie soll Generalin Ulante helfen, gegen die Ronn, menschenähnlichen Feinden, zu siegen – und deckt dabei zusammen mit dem Bogenschützen Wiralin mehrere Verbrechen auf.

Der Schreibstil ist solide und beschreibt sowohl die Umgebungen als auch die Emotionen der Charaktere gut bis herausragend; kaum eine Stilblüte trübt ihn und so vermag er in die Geschichte zu führen und den Leser zu fesseln. Er könnte zwar noch etwas komplexere Sätze hervorbringen, ist aber insgesamt recht ausgewogen und wechselt zwischen abgehackt-kurzen und elegant-langen Konstruktionen.

 

Die Handlung gestaltet sich an einigen Stellen etwas vorhersehbar und am Ende gibt es in erster Linie auszusetzen, dass es etwas zu happy ist, aber die kleineren Entbehrungen werden von überraschenden Wendungen wettgemacht, die das Schicksal der Protagonisten Erdree und Wiralin immer wieder in eine neue Richtung schleudert.

 

Die beiden Hauptcharaktere warten mit etwas auf, das in der modernen Fantasyliteratur etwas verkommen ist: Sie haben ihre Geschichte, sie haben ihre Konflikte, sie haben ihre Schwächen und Erfahrungen, die sie überwinden und richtig nutzen müssen. Die Antagonistin Ulante scheint an einigen Stellen etwas zu simpel zu sein, aber gerade durch Wiralins Perspektive wird dem Leser präsentiert, wie rasch sich die Ansicht, wer wessen Feind ist, verändern kann.

 

„Die Glasbrecherin“ glänzt mit einer gut durchdachten Welt, deren Sprachen, Politik, Religion und Alltagsleben zwar nicht vollständig aufgedeckt, aber sehr gut beleuchtet werden und die Platz für faszinierende Phänomene bietet. Ebenso verweigert sie sich einem simplen Gut-Böse-Schwarz-Weiß-Schema, das durch die sich verändernden Perspektiven Erdrees und Wiralins gut zur Geltung gebracht wird.

 

Der größte Kritikpunkt betrifft die fehlenden Absätze, die das Lesen an einigen Stellen erschweren, und die sprachlichen Fehler, die besonders häufig bei der Zeichensetzung der direkten Rede auftreten („Yyy,“ xxx statt „Yyy“, xxx), aber auch bei Nebensätzen nach „als“ und „wie“ manchmal zu finden sind und die in einem Roman dieser Güteklasse nichts zu suchen haben.

 

Wen diese Fehler nicht schrecken, dem sei „Die Glasbrecherin“ wärmstens empfohlen – es wartet eine faszinierende Welt mit dreidimensionalen Charakteren, die von ihren Konflikten geprägt sind, und die mit einigen Wendungen des gewohnten Handlungsverlaufs aufwarten kann auf jeden, der sich in den Roman vertieft.

 

Details zum Roman:

Titel: Die Glasbrecherin

Autorin: Irene Euler

Veröffentlicht über: neobooks

Erscheinungsjahr: 2016

ISBN: 978-3-7380-5683-9

Genre: Fantasy

Preis: 3,99€ (s. Datum)

Seiten: 328

Reihe: nein (s. Datum)

Bewertung: 4 von 5 Sternen (s. Datum)

Stand: 31.07.2016

 

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