Kurzfassung: "Squids: Aus der Tiefe des Alls" von Leo Aldan (3. RW)

Der Astrophysiker Jake Forrester wird von Aliens entführt und auf ihrem Planeten zu einer Menschenkolonie gebracht, in der strikte Regeln und Überwachung den Alltag dominieren. In dem Bestreben, zurück zur Erde zu kommen, zieht er die Aufmerksamkeit seiner Entführer auf sich – zusätzlich nähert sich auch noch eine Katastrophe, die bereits mehrere Sterne und Planeten auf dem Gewissen hat.

Von der ersten Seite an drängt die aufgebaute Spannung den Leser dazu, die Seiten immer weiter umzublättern. Diese wird jedoch nicht durch atmosphärisches Beschreiben, sondern durch kurze Sätze und ein rasendes Erzähltempo verursacht, das keinen Platz für Beschreibungen von Umgebungen, Charakteren, Emotionen, Handlungen oder der Welt lässt. Auf den letzten Dekaden Seiten bessert sich der Stil und es gibt öfter anspruchsvollere Sätze; unterm Strich ist er aber sehr einfach gehalten und setzt einzig auf Spannung.

Abkürzungen, vereinzelte Stilblüten und ein wenig GEBRÜLLE trüben den Roman zusätzlich, angepasste Redewendungen lassen die Welt hingegen authentischer wirken. Hätte man sich die Seiten genommen, vernünftig zu beschreiben und auch mal Ruhepausen einzulegen, hätte der Plot wahrscheinlich drei Bände füllen können.

 

Zunächst ist die Handlung nur schwer vorhersehbar, aber etwa ab dem Zeitpunkt, zu dem sich Jake in der neuen Welt so halbwegs auskennt, sind die meisten Wendungen bereits Seiten zuvor erkennbar. Dutzende Logikfehler unterschiedlicher Ausmaße prägen den Plot und der Zufall wird einen Tick zu oft bemüht. Ungelenk eingebaute Flashbacks helfen kaum, Sympathie oder Verständnis für die schwammigen Charaktere zu entwickeln und ebenso auffällig ist, dass nebst der weisen, alten Dame keine einzige hässliche Frau im Roman zu existieren scheint.

 

Oft werden die Handelnden von anderen Figuren direkt charakterisiert, ohne, dass ich diese Eigenschaften nachvollziehen kann. Viele der Protagonisten halten das, was ihnen zugeschrieben wird, nicht durch und ändern ihre Eigenschaften, wie es gerade für die Handlung notwendig ist. Die Protagonisten haben kaum einen Makel und im Falle von Wate und Jake kann ich ihren Charakter kaum in Worte kleiden, so schwammig wirkt er auf mich, während die Antagonisten sadistisch, arrogant und böse sind, jedoch nicht die Hintergrundgeschichte bekommen, die sie zu halbwegs brauchbaren Bösewichten machen würde. Auch weisen sie so gut wie keine positiven Eigenschaften auf, was ebenfalls für das simple Schwarz-Weiß-System des Romans spricht.

 

Durch das rasende Erzähltempo kommt die Welt zu kurz, gerade die der Aliens, sodass die Tiefe und die Kritik, die im Ansatz vorhanden sind, keine Chance zur Entwicklung haben. Politik, Wirtschaft, Intelligenzfragen bleiben angedeutet, aber unbeachtet. Zusätzlich zieren jede Menge sprachlicher Fehler wie bei der Zeichensetzung und Formatierungsfehler rund um die kursive Schrift den gesamten Roman, sodass die Grenze zwischen Fehler und Absicht verschwimmt.

 

„Squids: Aus der Tiefe des Alls“ ist eine seichte Lektüre, die von ihrer Spannung lebt und zusammengehalten wird, gerade aber durch deren Aufbau sämtliches Potenzial an die Umstehenden verschenkt. Für die nächste Überarbeitung würde ich dringend einen Korrektor und einen großen Haufen Betaleser empfehlen, um die peinlichsten Fehler rauszufischen. Die drei Sterne bekommt der Roman lediglich deswegen, weil das Lesen selbst unterhaltsam war, wenn auch nicht immer so wie ursprünglich geplant.

 

Details zum Roman:

Titel: Squids: Aus der Tiefe des Alls

Autor: Leo Aldan

Veröffentlicht über: Belle Époque Verlag*

Erscheinungsjahr: 2016

ISBN: 978-3-945796-52-8

Genre: Science-Fiction

Preis: 16,99€ (s. Datum)

Seiten: 508

Reihe: nein (s. Datum)

Bewertung: 3 von 5 Sternen (s. Datum)

Stand: 05.09.2016

 

 

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*: Der Verlag bezeichnet seine Autoren als Selfpublisher. Da das E-Book parallel auf BookRix angeboten wird, schließe ich mich dieser Behauptung an.

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