1. Minute: Ein Appell für lesbare Indie-Romane

Habt ihr schon mal darüber nachgedacht, wie ähnlich sich Nudelsalate und Romane sind? Zugegeben, man kann Bücher nicht essen, aber man kann sie konsumieren. Das Grundgerüst - die Worte, die Nudeln - ist immer dasselbe, aber die Zutaten sind andere, die Gewürze unterscheiden sich, oft genug auch die Art der Nudeln an sich. Ebenso wie beim Salat gibt es bei der Literatur einen ganz wesentlichen, selbstverständlichen Schritt, den besonders viele Indie-Autoren zu vergessen scheinen: Bevor man den Salat zubereitet, sollte man das Wasser aus dem Kochtopf absieben.

Dass Selbstverleger im Literaturbereich nicht den besten Ruf haben, dürfte den meisten Autoren und auch Lesern bekannt sein, die sich etwas mit dem Thema beschäftigt haben. Ich habe mich gefragt, woran das liegt – im Bereich der Spiele- oder Musikindustrie sind Indies nicht zwangsläufig negativ assoziiert, in der Literatur hingegen fast ausschließlich.

 

Kleine Inhaltsangabe:

1. Einleitung

2. Tipps für das Finden eines guten Korrektors

3. Gründe für die Investition in ein Korrektorat

4. Welche Konsequenzen ich aus der aktuellen Situation ziehe (neue Bewertungsregel)

 

Des Rätsels Lösung kenne ich nicht in all seinen Facetten, aber ich denke, das Hauptproblem ist eine Lappalie – eine, die auch in Verlagsbüchern allmählich zu spüren ist, aber eben noch lange nicht in dem Umfang, den viele Indie-Autoren zu bieten haben. Beim Schreiben eines Romans kann vieles schiefgehen – passive, unliebsame Charaktere, wandelnde Klischees, vorhersehbare Plottwists, komische Namen, schlecht durchdachte Welten und Weltenregeln, ein stakkatoähnlicher Schreibstil, nicht vorhandene Kreativität.

Woran es aber in vielen Fällen scheitert, sind die Regeln der deutschen Sprache. Zugegeben, es gibt sehr viele Indie-Romane – gerade im Fantasybereich –, die ausgelutschte Konzepte hernehmen, noch etwas daran nuckeln und das dann als Buch zum Verkauf stellen. Das ist aber kein Problem, das sich auf die Selbstverleger beschränkt – der verlagsdominierte Buchmarkt leidet etwa gleich stark daran, ergo kann das nicht der Hauptgrund für den schlechten Ruf sein.

 

Der zweite große Grund, in den aber noch wesentlich öfter investiert wird als in den der Rechtschreibung und Grammatik, ist der des Covers. Wenn man selbst alles bezahlen muss und nicht viel ausgeben will, kann es schon mal passieren, dass „simpel“ noch ein euphemistischer Begriff für das Werbebild ist.

Gleichzeitig scheint es die Tendenz zu geben, dass Indie-Autoren lieber ein paar Hunderter für ein schönes Bild als für ein angenehm zu lesendes Buch ausgeben. Warum liegt auf der Hand: Solange im Titel und Klappentext die Fehler nicht zu leicht zu finden sind, lassen sich Leser wesentlich leichter von Bildern verzaubern als von richtig geschriebenen Wörtern.

Zumal ich den starken Eindruck habe, dass einer Menge Leser die Masse an Fehlern nicht auffällt. Ich weiß, dass meine eigenen Kenntnisse in Richtung Grammatik überdurchschnittlich sind, aber solche simplen Sachen wie „Nebensätze werden mit Beistrichen vom Hauptsatz getrennt“, „vor dass kommt ein Beistrich“ und „Zahlen werden bis zwölf ausgeschrieben“ sollten doch zumindest ein wenig Aufmerksamkeit bekommen.

 

Tatsächlich bekommen sie die – nur eben von den Leuten, die sich tatsächlich um so Feinheiten wie Grammatikregeln kümmern. Zugegeben, meine Statistik, die besagt, dass einhundert Prozent meiner gelesenen Indie-Romane einfache Regeln nicht auf die Reihe bekommen, ist nicht sehr aussagekräftig – ich spreche hier von vier Büchern, was weit von den mindestens einhundert entfernt ist, ab dem eine Prozentzahl tatsächlich etwas zu sagen hat.

Aber die Tendenz ist eindeutig und ich habe bereits jetzt die Schnauze voll davon, dass durch die schiere Zahl der Fehler nicht nur der Ruf des einen Buches, des einen Autors, des einen Händlers oder Distributors nach unten gedrückt wird, sondern der Ruf aller Indie-Autoren.

 

Ein Korrektorat – und ich spreche hier in dem Wissen, dass ein Lektorat meistens noch mal einen gewissen Mehrwert mit sich bringt, von einem Korrektorat – ist teuer, das bestreitet niemand. Mit ein bis vier Euro pro Normseite muss gerechnet werden – die Normseite wiederum wird unterschiedlich berechnet, aber meistens umfasst sie 1600 Zeichen inklusive Leerzeichen.

Für einen dreihundertseitigen und damit eher kürzeren Roman ergeben sich damit Kosten von dreihundert bis zwölfhundert Euro – definitiv nichts, das man einfach so leichten Gewissens ausgibt, wenn man nicht gerade ein monatliches Einkommen von sechstausend Euro hat.

Dennoch möchte ich hier dafür appellieren, und zwar an alle Indie-Autoren, vollkommen egal, ob sie Romane oder Sachbücher schreiben, Kurzprosa oder Lyrik, Dramen oder Biographien, dass diese mehreren hundert Euro pro Buch nicht ins Optische investiert werden, sondern darin, wo es mehr bringt als eine kleine Schönheitsoperation. Gleichzeitig ist mir bewusst, dass das eine Menge Geld ist – und ich möchte Indie-Autoren, die investieren würden, wenn sie sich sicher wären, dass sie nicht über den Tisch gezogen werden, ein paar Tipps mit auf den Weg geben, mit denen sie sich vielleicht etwas sicherer fühlen werden.

Wohlgemerkt: Ich kann keine Garantie dafür geben, dass diese Tipps tatsächlich helfen und niemand einen schlechten Korrektor erwischt, wenn er sich an sie hält. Ich denke aber, dass sich die Wahrscheinlichkeit dafür auf ein überschaubares Maß beschränken wird.

 

Tipps für das Finden eines guten Korrektors

Ich hatte mit meiner Korrektorin Glück – bevor ich ihr meinen Roman anvertraut habe, habe ich sie von einer Person empfohlen bekommen, von der ich mit Sicherheit weiß, dass sie eine Ahnung von dem hat, wovon sie spricht, und ich ihrem Urteil vertrauen kann. Da nicht jeder solche Empfehlenden in seinem Bekanntenkreis hat und ich auch nicht damit gerechnet hatte, dass ich solches Glück haben würde, ist hier mein Schlachtplan, um sich in den Tiefen des Internets nicht so leicht abzocken zu lassen.

 

1. Anwärter finden: Es gibt einige Seiten, auf denen Korrektoren ihre Dienste anbieten und die als Vermittler fungieren können. Sucht euch diejenigen heraus, die in eurem Genre beheimatet sind und gegen die sonst nichts spricht – und sorgt dafür, dass die Liste lang wird, denn es werden in den folgenden Schritten viele Anwärter rausfliegen.

2. Preisrahmen festlegen: Wie viel das Korrektorat genau kostet, lässt sich vorher nicht sagen, und dass jeder Korrektor anders abrechnet, ist auch keine Hilfe. Die meisten geben aber eine grobe Richtlinie an – wenn ihr nicht bereit seid, 2000 Euro für euer Buch zu überweisen, solltet ihr Korrektoren, die wahrscheinlich in diesem Bereich arbeiten werden, von der Liste streichen.

3. Bereits korrigierte Werke finden: Die meisten Korrektoren haben eine eigene Webseite, auf der sie oftmals die Bücher auflisten, an denen sie bereits gearbeitet haben. Persönlich habe ich alle, die keine angegeben haben, von der Liste gestrichen. Idealerweise habt ihr pro Korrektor mehr als drei Bücher gefunden.

4. Rezensionen abklappern: Selbst, wenn ihr nicht sehr gut in der Grammatik bewandert seid, können es andere Leser sehr wohl sein. Sucht bei den großen Händlern und in den Internetsuchmaschinen nach Rezensionen und überfliegt sie. Persönlich habe ich festgelegt, dass bei zwei Klagen, im Buch seien Fehler vorhanden, der dazugehörige Korrektor aus dem Spiel ist.

5. Leseproben abklappern: Sucht euch zu jedem Korrektor, der jetzt noch übrig ist, ein oder zwei Leseproben heraus, versorgt euch mit einem Duden und lest hinein. Wenn ihr euch nicht sicher seid, ob ihr einen Fehler gefunden habt oder nicht, schlagt es nach – nicht nur lernt ihr dadurch etwas, aber vielleicht entdeckt ihr bereits im Vorfeld Fehler, die die meisten Leser ignoriert haben. Persönlich würde ich wieder die Zwei-Fehler-Quote einführen – ein Fehler kann mal passieren, auch auf den ersten Seiten, aber wesentlich mehr sollten es nicht sein.

6. Probekorrektorat verlangen: Viele Korrektoren bieten an, dass sie entweder gratis oder zu einem sehr geringen Preis die ersten paar Seiten des Manuskripts korrigieren. Solltet ihr noch immer viele Anwärter haben, erstellt eine Rangfolge und arbeitet die ab. Wenn das Korrektorat zurückkommt, vergleicht es mit dem Original, aber auch mit den anderen Korrektoraten. Im Zweifelsfall wendet ihr euch wieder an den Duden eures Vertrauens.

7. Auswahl treffen: Wenn ihr alle sechs Schritte eingehalten habt, halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass ihr einen schlechten Korrektor erwischt. Gerade Schritt sechs kann hier eure beste Option herausfiltern. Jetzt geht es darum, den genaueren Preis herauszufinden und diesen in der Tasche zu haben, wenn die Zeit dafür gekommen ist.

 

Gründe für die Investition in ein Korrektorat

Sicher, der erste Eindruck ist wichtig, damit sich ein Buch verkauft. Der erste Eindruck ist aber einer, der sich gerade im E-Book-Bereich quasi jederzeit verändern lässt. Wenn es um die Frage geht, ob lieber sechshundert Euro für ein Cover oder für ein Korrektorat ausgegeben werden sollten, weise ich darauf hin, dass ein Bild nicht über massenweise Fehler hinwegtäuschen kann.

 

1. Die Konkurrenz ist groß, die Fehlerzahl sollte es aber nicht sein. Wenn es auch viele Leser geben mag, denen falsch gesetzte Nebensatz-Beistriche nicht auffallen, gibt es genug, die das vom Kauf des Buches abschrecken wird. Gerade in Genres wie der Fantasy, in der es monatlich mehr Neuerscheinungen gibt, als ein durchschnittlicher Leser in einem Jahr lesen kann, ist es wichtig, sich von den anderen abzuheben.

2. Seriös sollen nicht nur die Korrektoren, sondern auch die Autoren sein. Zusätzlich zu der Konkurrenz der Indies gibt es noch die Verlage – die meist deutlich weniger Fehler in ihren Büchern finden als Indie-Autoren. Zeigt den Lesern und Rezensenten, dass ihr euer Buch ebenso ernst nehmt, wie das bei Verlagen der Fall ist!

3. Die Masse profitiert davon – der Einzelne profitiert davon. Sicher, wenn auf tausend fehlerhafte Indie-Romane nur ein korrigierter kommt, macht das noch keinen großen Unterschied. Sollte sich dieses Verhältnis aber umkehren, profitiert davon nicht nur der Selbstverleger-Ruf im Allgemeinen, sondern auch der einzelne Indie-Autor – schlicht deswegen, weil das Vertrauen allen gegenüber größer geworden ist.

4. Wenn du es schon nicht für dich machst, mach es für die Leser. Indie-Romane sind meist billiger als Verlagsromane, wohl auch deswegen, weil das Ansehen vergleichsweise niedrig ist. Viele nicht korrigierte Bücher mit vielen Lesern, die es selbst nicht besser wissen, führt zu mehr Lesern, die den Fehler für richtig halten. Gerade im Kinder- und Jugendbuchbereich ist das ein Teufelskreis, der alles andere als hilfreich ist, wenn nicht verantwortungslos.

 

Welche Konsequenzen ich aus der aktuellen Situation ziehe

Wie in den obigen Absätzen lang und breit ausgeführt wurde, ist es um die Grammatik in den meisten Indie-Romanen sehr schlecht bestellt, obwohl das einer der Punkte sein sollte, die selbstverständlich beachtet werden - so, wie kein Koch auf die Idee kommen würde, das Wasser der gekochten Nudeln in die Salatschüssel zu kippen. Meine bisherige Reaktion war recht sanft: Ich habe keine fünf Sterne vergeben, egal, wie gut mir das Buch sonst gefallen hat.

Und obwohl ich die Fehler durchaus in die Wertung miteinbezogen habe, waren sie weniger wert als ein schlechter Schreibstil. Wie aber soll man diesem Trend, der die einfachsten Regeln über den Haufen rennt, entgegenstehen, wenn die einzigen Autoren, die davon wirklich etwas zu spüren bekommen, diejenigen sind, die meiner Meinung nach ohnehin schon sehr gut unterwegs sind? Vier Sterne sind nicht wirklich eine Beleidigung.

Deswegen führe ich ab jetzt eine neue Sterneregelung ein: Sobald ein Roman – das gilt auch für Verlagsromane, aber die werden (noch) nicht davon betroffen sein – mehr Fehler hat, als ich ihm zugestehe, ziehe ich einen Stern ab. Ich empfinde es als unfair gegenüber den wenigen Indie-Autoren, die Geld für ein Korrektorat ausgeben, einfach nur die Höchstwertung zu blockieren.

Unten ist die Liste, wie viele Fehler pro Seiten ich zulasse, ehe ich einen Stern abziehe. Ich gehe danach, dass ein Fehler alle zehntausend Wörter das Maximum sein sollte. Die angegebenen Fehler wiederum gehen bereits von dem nächsten Zehntausenderschritt aus, deswegen halte ich das definitiv nicht für zu streng. Die Seitenangaben sind Taschenbuchseiten, keine Normseiten.

 

Seiten             Fehler

350                  9

450                  12

550                  15

650                  18

750                  21

850                  24

950                  27

1050                30

 

Außerdem werde ich die Fehler nicht mehr zuletzt, bevor mein Fazit kommt, festhalten, sondern gleich nach der Inhaltsangabe, und das auch nicht zu knapp.

Diese neue Sterneregelung ist gültig ab dem fünften RW. Die ersten vier Bewertungen sind dementsprechend fast alle verzerrt, aber da ich darauf abziele, diese Rezensionsreihe noch lange fortzuführen und mit der obigen Regelung wohl früher oder später ein paar Romane erwische, bei denen ich etwas strenger beurteile, sollte sich das über die Zeit hinweg etwa ausgleichen.

 

Ich kann es nur noch einmal betonen: Es sollte keine Ausnahme sein, dass auf Rechtschreibung und Grammatik geachtet wird, und ich sollte das nicht lobend erwähnen müssen - weswegen ich es nicht machen werde.


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