3. Minute: Was Texträuber über Leser verraten

Von Filmpiraterie werden die Meisten bereits etwas gehört haben – genauer gesagt alle, die schon mal eine DVD ansehen wollten und davor freundlicherweise darauf hingewiesen wurden, dass dies ein urheberrechtlich geschütztes Werk ist. Dass der Diebstahl eines solchen nicht nur Filme, sondern auch Romane betrifft, ist nicht ganz so bekannt.

Konkret habe ich bisher einmal davon gelesen, und das nicht in Zeitschriften oder anderen Medien, sondern auf der Webseite eines Autors, der dargelegt hat, weshalb das billige Anbieten und Vertreiben von Büchern, an denen man keine Rechte hat, kontraproduktiv und respektlos ist. (Mal wieder weiß ich nicht, welcher Autor das war und kann ihn daher auch nicht verlinken. Sollte sich das ändern, wird das angepasst werden.)

Mit diesem Text möchte ich die Aufmerksamkeit meiner Leser auf Ähnliches lenken, aber ich möchte dabei nicht nur auf die Räuber selbst, sondern auch auf diejenigen, die diesen Raub unterstützen, und auf die rechtliche Problematik eingehen. Da das Thema also etwas ausschweifender ist, gibt es eine kurze Übersicht, wie der Text gegliedert ist.

 

Kleine Inhaltsangabe:

Wovon rede ich überhaupt?

1. Von Respekt, enthusiastischen Lesern und Kapitalismus

2. Ist offenbar doch nicht so wild

3. Mit zwei fest zugedrückten Augen

Fazit

 

Wovon rede ich überhaupt?

Da es nie eine schlechte Idee ist, erst einmal zu klären, worüber man genau spricht, bevor man sich über das Thema unterhält, möchte ich genau das machen, bevor ich mich in den eigentlichen Text stürze.

Dieser dreht sich um den Raub von Texten – konkreter gesagt um den Raub von Romanen. Dabei ist hier nicht von gedruckten Exemplaren die Rede, sondern von digitalen. Diese werden auf einigen Seiten zu Spottpreisen angeboten, ohne dass der Urheber oder irgendjemand, der am Entstehungsprozess beteiligt war, auch nur einen Cent davon sieht.

Das Problem betrifft inzwischen nicht nur Bestseller, bei denen ein dementsprechend großer finanzieller Schaden entsteht, sondern auch Kleinstromane, mit denen der Urheber bestenfalls ein kleines Taschengeld dazuverdient. Kurzum: Fast jeder Autor ist mit einer großen Wahrscheinlichkeit von diesem Thema betroffen, nur eben mit unterschiedlich ausgeprägten (finanziellen) Folgen.

 

1. Von Respekt, enthusiastischen Lesern und Kapitalismus

Bevor die folgenden Absätze fehlinterpretiert werden: Es geht hier nicht darum, dass ich meine Leser volljammere, wie viel Arbeit ich (und jeder andere Autor) doch zu erledigen habe und wie arm ich doch dran bin. Es geht mehr darum, den Umstand zu verdeutlichen, dass Urheber Arbeit investieren, bevor sie ein Werk vervollständigen und zum Kauf anbieten.

Diese Tatsache scheint vielen Lesern nicht bewusst zu sein. Ich selbst kann nur von meinen Erfahrungen sprechen, da ich als Selfpublisherin vollkommen ohne den Verlagshäusern auskomme und dementsprechend nicht für diese mitsprechen kann – ich wage aber zu spekulieren, dass die Arbeitsschritte dort ähnlich aussehen werden, zumal das Endprodukt in beiden Fällen gewisse Parallelen aufweisen.

Was ich alles zu erledigen habe, bevor ein eher dünneres Buch von etwa dreihundert Normseiten im Handel erscheint, ist hier kurz zusammengefasst:

  1. Das Schreiben des Buches, das im Sonderfall lediglich eine Woche dauert, meistens aber drei oder vier Monate, da ich nicht Vollzeit an meinen Romanen arbeiten kann. Bereits in diesem Schritt investiere ich eine nicht unbedeutende Menge an Zeit, Nachdenken, Kreativität und Nerven.
  2. Die Grobüberarbeitung, die ich am liebsten in einem Zug mache und die etwa eine Woche dauert – hier spreche ich aber quasi von einer Vollzeitarbeit. Ich ordne die Szenen, lösche einige, schreibe andere um oder füge welche hinzu – damit investiere ich vor allem Zeit und Nerven, teils auch Kreativität in diesen Arbeitsschritt.
  3. Füllwörter herausstreichen, was Vollzeit ebenfalls etwa eine Woche dauert und daraus besteht, dass ich eine Liste von etwa einhundert Wörtern Wort für Wort in die Suchfunktion eingebe und bei jedem Treffer überprüfe, ob er berechtigt ist oder ob er weg soll.
  4. Die Feinüberarbeitung, ebenfalls eine Vollzeitwoche beanspruchend, besteht darin, dass ich die geordneten Szenen noch einmal durchlese, umformuliere und anpasse, wegstreiche und hinzufüge, was auf der Ebene von Absätzen, Sätzen und Wörtern umformuliert, angepasst, weggestrichen und hinzugefügt gehört.
  5. Das Korrektorat/Lektorat, das eine andere Person für mich übernimmt und das die letzten Fehler herauspicken soll – ein Schritt, der für mich in erster Linie eine finanzielle Belastung darstellt.
  6. Das Sichten des Korrektorats/Lektorats bedeutet so viel wie „Übernehmen der meisten Korrekturen und Aussparen einiger weniger“ und kostet lediglich ein paar Stunden.
  7. Der finale Kontrollgang, bei dem ich das E-Book in den Editor übertrage, der mir das Ganze ins ePub-Format umwandelt. Anschließend lese ich mir den Roman noch einmal durch und markiere die verbleibenden Stilblüten und Fehler, die auch durch die Übertragung entstehen können.
  8. Die im letzten Schritt markierten Fehler ausbessern – das dauert ein paar Stunden.

 

Die obigen acht Punkte sind die Arbeit, die ich in den Text investiere – hinzu kommt das Verfassen und Überarbeiten des Klappentextes, das Erfinden eines passenden und interessanten Titels, das Schnipseln am Cover (oder die Bezahlung von jemandem, der das für mich übernimmt), die Überlegungen bezüglich des Marketings, also diverser Preisaktionen, Bewerbungen, der Tags und allem anderen, das sonst noch dazu gehört.

Die obigen Punkte inkludieren vor allem die leicht messbaren Investitionen, nämlich Zeit und Geld – hinzu kommen aber noch Faktoren, die wesentlich irrationaler sind: Herzblut, Engagement und oft genug auch ein Stückchen Liebe, den eigenen Roman wachsen und gedeihen zu sehen, ihn auf Hochglanz zu polieren und ihn so herzurichten, dass er dem Leser in Bestform präsentiert wird. Diese Hingabe kann so weit gehen, dass ich bereits mehrere Autoren von ihren Werken habe sprechen hören, als ob sie ihre Kinder wären – was nicht sonderlich überraschend sein sollte, denn im Regelfall wird viel Messbares und Persönliches in einen Roman investiert, bevor der Leser auch nur das Cover zu Gesicht bekommt.

Was hoffentlich etwas klarer geworden ist, ist die Tatsache, dass unabhängig von der Zahl der Personen, die investieren, verdammt viel investiert wird, bevor der Roman mehr als ein paar Testleser erreicht hat – und selbst dieser Schritt wird bei weitem nicht von allen gemacht und erfordert erneut Zeit und Nerven für die Anwerbung von Lesern und Auswertung der Daten.

Die Investitionen vervielfachen sich mit steigender Länge des Buches, wie nicht allzu schwer zu begreifen sein dürfte, und wer sich nach Preisforderungen von Korrektoren, Lektoren und Coverdesignern umsieht, dürfte ein ungefähres Bild davon haben, wie viel oder wenig rein finanzieller Aufwand tatsächlich in einem einzigen Roman steckt.

 

Persönlich darf ich nicht darauf hoffen, trotz dieses Aufwands mehr als ein Taschengeld mit dem Verkauf meiner Romane zu verdienen, und das aus diversen Gründen, die sich wiederum nur mit deutlich größeren Investitionen beseitigen lassen. Andere Autoren haben den Schritt zum Hauptberuf geschafft und brauchen die Einnahmen, um ihr Leben zu finanzieren – sprich: Miete, Nahrung, Kleidung, Gas- und Wasserkosten, um mal ein paar grundlegende Aspekte zu nennen. Hinzu kommen Korrektoren, Lektoren, Verlage, Marketingpersonen, Coverdesigner und wie die Berufsgruppen alle genannt werden, bei denen das ähnlich aussieht wie bei den Autoren.

 

Ich möchte niemandem eine Meinung darüber aufzwängen, was für ein E-Book ein angemessener Preis ist oder nicht, aber beachtet man diese teils enormen Investitionen, wirken 3,99€ plötzlich nicht mehr ganz so viel und 0,99€ ausgesprochen billig. Natürlich gibt es auch einige Angebote, die deutlich zu hoch sind – meine Schmerzgrenze liegt bei zehn Euro, ab etwa sieben wäge ich ab, ob es das wirklich wert ist – ich habe aber schon genug Leute kennengelernt, deren Investitionsbereitschaft deutlich nach oben oder nach unten variiert.

Die logische Konsequenz beim Erreichen dieser selbstgesteckten Preisgrenze sollte eine von diesen beiden sein: a) ich kaufe das Buch einfach nicht, da ich nicht erwarte, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt; oder ich warte b) auf eine Preisaktion oder ein anderweitig kostengünstiges Exemplar, sollte ich mich wirklich auf das Buch freuen und dennoch nicht bereit sein, zwanzig Euro für ein E-Book zu zahlen. (In einigen Fällen kommt noch die Option c) hinzu, nämlich einfach die gedruckte Version kaufen, die in den meisten solcher Fällen preiswerter ist als die digitale Auflage.)

Für genug Leser scheinen diese Möglichkeiten nicht zu reichen – wenn das E-Book, das ja wirklich nicht mehr als ein großer Haufen Wörter nebeneinander ist, mehr als ein Euro kostet, dann hackt’s aber beim Händler! Sowas ist nur Unterhaltung für ein paar Stunden und überhaupt ist das ja keine Arbeit in dem Sinne, sondern eher Abzocke der Leser, dass sie für Kunst und Kultur etwas zahlen müssen! Gerade diese beiden Aspekte sind durch den Kapitalismus verzerrt worden …!

 

Dass der Kapitalismus teils besorgniserregende Auswüchse annimmt, bestreite ich nicht und will ich auch nicht bestreiten. Vier oder fünf Euro für ein Buch als Abzocke zu bezeichnen hat aber kaum etwas mit Kapitalismus zu tun – zumindest keinem vonseiten der Händler. Autoren leben – und Vorsicht, diese Erkenntnis könnte vielleicht schockieren – in derselben Welt wie alle anderen Menschen auch, müssen sich ebenso mit Miete und Rechnungen befassen wie ein KFZ-Mechaniker und müssen ebenso darauf vertrauen, dass ihre Kunden zahlen werden, wie ein Reisebüro.

Dass sie etwas machen, das andere als Hobby haben, ist dabei kein Grund, einen Schritt von der Realität wegzugehen und zu sagen, sie sollen doch lieber etwas Anständiges machen und dafür Geld verlangen. Wie oben bereits zur Genüge ausgeführt, ist der Entstehungsprozess der mehrstündigen Unterhaltung keine Sache, die über Nacht und ohne irgendwelche Anstrengungen passiert; und ja, ich gehe davon aus, dass die meisten Autoren Spaß am Schreiben oder am Überarbeiten haben, ebenso wie ich davon ausgehe, dass ein Lehrer keine Kinder hasst und ein Arzt keine Kranken verabscheut.

 

Was mich besonders irritiert, ist die Verwendung der Wortkombination „enthusiastischer Leser“, wenn sie auf Texträuber bezogen wird. Die gerade (zur Erinnerung: Stand Ende 2016) aktuelle Seite, die mir ins Auge gestochen ist, behauptet von ihrem Team nämlich genau das – dass sie enthusiastische Leser seien, also per Definition Leute, die gerne, leidenschaftlich und begeistert mehrere Stunden vor ein paar Pixeln hocken, um in andere Welten zu verschwinden.

Verwirrend finde ich hier, dass die enorme Begeisterung offenbar nicht weit genug reicht, um diese Pixel auch wertzuschätzen. Ich würde beispielweise nie sagen: „Also diese Kaffeemaschinen find' ich schon super, die sind echt praktisch, aber fünfzig Euro für ein einfaches Modell, das dann mehrere Jahre lang benutzt werden kann, sind wirklich eine Unverschämtheit. Ich produziere die gleiche jetzt einfach selbst und biete sie dann für zwei Euro an! Ich bin so begeistert von diesem Produkt, dass ich es einfach selbst verkaufe und dem eigentlichen Produzenten keinen Cent abgebe – sonst denkt der noch, er hätte was Tolles gemacht …“

Der Diebstahl eines Produkts oder einer Produktgruppe, die ich wertschätze, entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn ich gleichzeitig behaupte, ich würde mich für dieses Produkt begeistern und es mögen – nur will ich eben stehlen und genau an dem, was ich mag, schmarotzen, um selbst Geld zu machen.

 

2. Ist offenbar doch nicht so wild

Dass Seiten, die ohne Erlaubnis oder gar Gewinnbeteiligung der Urheber deren Werke vertreiben, illegal handeln, sollte nicht allzu schwer zu erraten sein. Natürlich behaupten die jeweiligen Seitenbetreiber, dass es sich um eine rechtliche Grauzone handelt – was mir als Kunde zu denken geben würde, sofern ich weiß, dass Diebstahl illegal ist.

Stellt sich also die Frage: Wieso kann es solche Anbieter überhaupt längere Zeit geben, wenn sie doch widerrechtlich handeln und auch große Verlage finanzielle Verluste hinnehmen müssen? Um ehrlich zu sein weiß ich das selbst nicht; die aktuellste Seite wurde 2013 gegründet und ist der Nachfolger einer anderen, die etwa zwei Jahre online war, ehe sie aus dem Netz verschwand.

Die rechtlichen Schwierigkeiten könnten damit etwas zu tun haben, dass die Server natürlich nicht in Europa stehen, dass es natürlich kein Impressum und keine Kontaktmöglichkeit außer dem Kundensupport oder Ähnliches gibt, über das man die Köpfe hinter der Seite zurückverfolgen könnte. Für jemanden, der sich so sicher ist, dass er lediglich in einer rechtlichen Grauzone handelt, sind das erstaunlich viele (teils an sich illegale) Vorsichtsmaßnahmen.

Es könnte daran liegen, dass die Frage, welches Recht bei solchen internationalen Angelegenheiten anzuwenden sei, nicht restlos geklärt oder vollkommen unumstritten ist. Ebenfalls möglich wäre, dass das Rechtssystem nicht gerade dafür bekannt ist, Anklagen innerhalb von einem Monat zu verhandeln.

Was auch immer der genaue Grund sein mag – rechtlich gegen solche Webseiten und deren Betreiber vorzugehen, ist eine zähe Angelegenheit.

Hier der obligatorische Hinweis darauf, dass ich für rechtliche Aussagen keine Haftung übernehme und logischerweise ein Anwalt eine deutlich sicherere Informationsquelle darstellt.

 

 

3. Mit zwei fest zugedrückten Augen

Das eigentliche Problem solcher Webseiten ist nur zu einem Teil bei der Seite selbst zu finden. Ist die eine endlich besiegt, kommt sofort die nächste, die einige Jahre ihr Unwesen treibt, bis sie ebenfalls offline genommen wird und deren  Nachfolgerin an den Start geht.

Es stellt sich die Frage: Wieso handelt es sich bei dieser Problematik um einen Teufelskreis, aus dem ein Entrinnen schwierig sein wird? Zu lasche Gesetze oder nicht genug Einsatz der Politik, das könnte es sein. Was es jedoch ohne jede Möglichkeitsform ist: die enthusiastische Beteiligung der Leser.

Um das kurz zu klären: Nicht alle Leser verwenden solche Seiten und es gibt genügend, die sie ebenso grundsätzlich ablehnen wie die meisten Autoren, Verlage und andere durch diesen Diebstahl primär Geschädigte. Problematischerweise gibt es aber genügend Leser, die genau ein solches Verhalten als akzeptabel ansehen – so akzeptabel, dass sie lieber dieses unterstützen statt der Urheber.

Dass es dadurch schwieriger wird, (anspruchsvolle) Literatur zu schaffen, sollte nicht schwer zu verstehen sein – weniger Einnahmen bedeutet einen größeren Druck, ein populäres Werk zu schaffen, und wenn das nicht ausreicht, muss man seine Zeit halt für eine lohnenswertere Arbeit aufwenden und hat weniger Energie, die in den Roman investiert werden kann – was in nicht existente Romane resultiert. Dass dabei letztlich alle verlieren - die Urheber des Werks, die weniger Umsatz machen, die Händler, die weniger Umsatz machen, die Leser, die weniger Unterhaltung haben und die Literaturkultur an sich, der eine weitere Hürde in den Weg geworfen wird – sollte somit ebenfalls klar sein.

An der Stelle sollte vielleicht noch die Buchpreisbindung erwähnt werden, die auf solchen illegalen Seiten natürlich nicht Anwendung findet. Die Buchpreisbindung wurde nicht erfunden, um Leser zu mobben, sondern um der Buchbranche als Ganzes zu helfen. Große Händler dürfen dank ihr keine Dumpingpreise verwenden, die kleinere Unternehmen ausstechen würde und die Urheber bekommen damit pro verkauftem Buch immer dasselbe und können dieses Geld dazu nutzen, sich selbst oder das neue Buch zu finanzieren.

Da das Grundproblem also nur bedingt bei den Webseiten selbst liegt, komme ich auf diejenigen zu sprechen, die dieses Geschäft erst so lukrativ werden lassen: die Kunden. Hier möchte ich erneut das Stichwort Kapitalismus heranziehen, denn genau dieses, das so gerne den Händlern, Autoren und Verlagen vorgeworfen wird, die ganze vier Euro für ein dünneres Buch verlangen, lässt sich am besten auf die Leser anwenden, die um jeden Preis den niedrigsten finden möchten.

Versteht mich nicht falsch – wenn man sparen kann, sollte man das auch machen, solange – und der Teil ist wichtiger als der Geldbeutel – das nicht auf den Kosten anderer zustande kommt. Richtig ist, dass irgendwer immer benachteiligt wird, aber hier geht es nicht um eine normale Konkurrenz zwischen zwei Büchern, Distributoren oder Verlagen, sondern um die Abzocke all jener, die am Roman gearbeitet haben.

Die Mentalität, dass man alles sofort und kostenlos haben möchte und dafür auch bereit ist, die Zur-Verfügung-Stellung genau dieser Produkte zu gefährden, ist auf einen ungesunden Geiz zurückzuführen, der praktischerweise so gut wie nie sofort erkennbare negative Konsequenzen nach sich zieht. Immerhin ist nicht der Leser der Geschädigte, auch ist es nicht die Webseite, sondern es sind alle, die am Buch gearbeitet haben – so scheint es zumindest; dass die Romanentstehung den Leser beeinflusst und letztlich auch ihm schaden kann, wird gerne übersehen und ist dem einen oder anderen wohl nicht so präsent, wie das wünschenswert wäre.

 

Persönlich denke ich, dass es dementsprechend am effektivsten wäre, würden die Kunden solcher „Grauzonen“-Webseiten zur Verantwortung gezogen werden – zumal das Herunterladen von solchen Seiten zwischenzeitlich illegal geworden ist.* Eine andere Möglichkeit wäre, dass sich die betroffenen Leser von allein dazu entscheiden, legal einzukaufen und auch Literatur als Gut zu betrachten, für das man in den meisten Fällen etwas zahlen muss.

Damit das nochmals klar ist: Es spricht nichts dagegen, ein Buch zu kaufen, es schlecht zu finden und es nach dem Beenden gleich wieder weiterzuverkaufen. Es spricht auch nichts dagegen, einen Roman als unter aller Sau zu bewerten, und dass hier der Preis besonders sauer aufstößt, ist auch mir klar. Der Punkt ist nur, dass in diesem Machwerk viel Arbeit steckt. Ist es misslungen, wird es sich nicht am Markt durchsetzen; ist es überteuert, wird es sich nicht am Markt durchsetzen.

 

Fazit

Mir ist es schleierhaft, wie man die obigen Punkte vor sich rechtfertigen kann, ohne mit der Nase darauf zu stoßen, dass auf praktisch jeder Rechtfertigungsebene Doppelmoral und bewusstes Ausblenden der eigenen Verantwortung zu finden sind. Es ist mir ebenso schleierhaft, wieso man mit einer solchen Respektlosigkeit gegen jene vorgeht, die man doch angeblich so gut leiden kann und für die man sich so sehr begeistert.

Das ist auch letztlich das, das mich an der gesamten Situation am meisten stört: Die Existenz solcher und ähnlicher Seiten wird wohl kaum unterbunden werden können, aber sie könnten boykottiert werden – von den Lesern, denen die Bücher, die sie lesen, wirklich am Herzen liegen. Es ist schlicht und ergreifend respektlos, das Werk eines anderen zu nehmen, es praktisch herzuschenken, den anderen dabei nicht einmal um Erlaubnis gefragt zu haben und als Käufer mit diesem gesamten Prozess einverstanden zu sein.

So einverstanden, dass man ihn unterstützen möchte und damit die gesamte Maschinerie am Laufen und Verdienen hält. Letztlich kann sich am Markt nur durchsetzen, was von den Käufern gebilligt wird – und das, was sich zurzeit durchsetzt, ist ein Tritt in die Magengrube für jeden einzelnen Menschen, der in das illegal verkaufte Buch auch nur eine Sekunde seines Lebens investiert hat.

Natürlich habe ich Hypothesen, wie es zu solchen Auswüchsen kommen konnte, und die bauen hauptsächlich auf Egoismus und dem ersten Gesetz der Magie, wie es Terry Goodkinds definiert hat, auf. Abschließend möchte ich nur noch einmal betonen, dass nicht nur Verlage und Autoren von den Lesern abhängig sind, sondern auch Händler - inklusive derer, die sich nicht um jemand anderen als um sich selbst scheren.

Seid euch als Käufer eurer Verantwortung bewusst. Ihr seid Teil des Systems und ihr seid diejenigen, die es gemeinsam verändern könnt – zum Guten oder zum Schlechten.

 

Quellen

*: Zur Rechtslage beim Downloaden illegal angebotener Produkte: http://derstandard.at/2000016982394/Urheberrechtsnovelle-Downloads-von-illegalen-Seiten-verboten

Diplomarbeit zum Thema: http://www.law.tuwien.ac.at/DA_Loeffler.pdf


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