Mammutversion: "Erellgorh: Geheime Mächte" von Matthias Teut (6. RW)

Dieser Auftakt einer High-Fantasy-Reihe war praktisch ein Blindkauf. Ich habe nur ein paar wenige Zeilen gelesen und war ansonsten fasziniert davon, wie viel Mühe sich der Autor mit seiner Webseite – genauer der Karte – gegeben hatte und was diese für bestaunenswerte Orte bereitzuhalten versprach. Die Tatsache, dass der Roman bisher keine einzige Ein- oder Zwei-Stern-Rezension bekommen hat, hätte mir allerdings eine Warnung sein sollen.

Atharu, ein angehender Heiler, wird von seiner verstorbenen Lehrmeisterin angewiesen, nach Tyklahr zum Nebelsee zu reisen. Selana, eine Küchenmagd, bekommt einen ähnlichen Auftrag von ihrer Ziehmutter. Pitu muss sich bis etwa zur Hälfte des Buches gedulden, bis auch er an die Reihe kommt. Jeder von ihnen spielt eine besondere Rolle in der Prophezeiung, die über das Wohl aller Völker entscheiden wird.

 

Bereits nach wenigen Zeilen fallen die Fehler in den Bereichen Grammatik und Satzzeichen auf. Besonders beliebt sind sie bei Anführungszeichen – die falsch herum gesetzt werden –, Zeiten, Zahlen – die nicht immer ausgeschrieben werden –, Rufzeichen und Punkten, die der Situation nicht angemessen verwendet werden, und doppelte oder fehlende Worte. Mein Lieblingssatz hat durch zwei doppelte Wörter einen interessanten Rhythmus, der von einem Füllwort am Ende abgebrundet wird:

„Sie setzte sich auf und und [sic] starrte Selana an, ohne dass sie sie wirklich zu erkennen schien.“ (S. 234)

 

Der Schreibstil ist dominiert von eher kurzen Sätzen, wobei sich die Länge gegen Ende etwas bessert, und von ungeschickt gewählten Worten, die nicht so recht zur Situation passen wollen und gehäuft am Anfang des Romans vorkommen. Durch das schnelle Erzähltempo – welches sich ebenfalls gegen Ende bessert – bleiben viele Beschreibungen nur oberflächlich und bekommen nicht den Raum, sich zu entfalten. Besonders auffällig ist das bei dem pazifistischen Gedankengang Atharus gegen Ende des Buches – wenn man mal davon absieht, dass nicht genug auf das Gefühlsleben eingegangen wird, damit dieser Abschnitt glaubwürdig ist.

Dieser Mangel an Gefühlsbeschreibungen zieht sich durch den gesamten Roman und ist einer der Hindernisse, die mich davon abhalten, mit den Charakteren mitzufühlen. Ein weiteres Beispiel, auf das ich unten noch einmal eingehen werde, ist die Zurechtweisung Atharus durch eine der ranghöchsten Personen des Landes. Ein zweites ist das Verhältnis Pitus zu seinen Eltern – der plötzliche Ausbruch beim Ältesten Malin wirkt eher routiniert und nicht so, als ginge es hier um einen Konflikt, der Pitus gesamtes Leben geprägt und begleitet hat.

Auffällig sind außerdem die Beschreibungen von Schmerzen, die besonders einfältig und repetitiv wirken. Gerade bei Szenen wie der, bei der Pitu das Bein aufgeschnitten wird, sticht dieser Mangel ins Auge.

Zu Beginn des Romans sind die Umgebungsbeschreibungen überwiegend so gering gehalten, dass man sich weder die Umwelt noch die Atmosphäre wirklich vorstellen kann. Im weiteren Verlauf bessert sich beides etwas, sodass man wenigstens ein grobes Bild des Handlungsortes vor Augen hat – aber die Ruhe des Nebelsees, die Vitalität der Stadt und des Hafens sind nur zwei Beispiele, die jedweder Atmosphäre entbehren. Details werden prinzipiell ausgespart, was mich insofern gestört hat, als dass ich auf genau diese gehofft hatte.

Im Gegensatz zu diesen Baustellen gestalten sich die Beschreibungen der Handlung gut und nachvollziehbar. Hier gibt es zu kritisieren, dass einige Verhaltensweisen – Sprechpausen, kurzes Warten, Gesten und Ähnliches, falls sie mehr als nur genannt werden – eindeutig dazu da waren, die Spannung zu erhöhen und so nicht im realen Leben stattgefunden hätten.

Ebenfalls eher erklärt als erzählt werden einige der Beziehungen zwischen den Charakteren, im Speziellen die von Aria und Selana. Hinzu kommen gestellt wirkende Dialoge – hier allerdings in unterschiedlichen Abstufungen; einige konnte ich den Charakteren fast abkaufen, andere wirkten nur noch steif und unnatürlich – und eine kleine Portion Lautmalerei („plock“ für ein Pfeil, der auf Holz trifft, beispielweise).

Positiv anzumerken ist, dass sich der Roman schnell liest, was an der kaum sehr hohen Sprache liegen dürfte. An einigen Stellen stolpert man über unschöne Wortwiederholungen und über die oben angesprochenen Fehler in puncto Grammatik, Interpunktion und Wortdoppelungen, ansonsten gibt es aber keine großen Hürden zu überwinden, um in einen Lesefluss zu kommen.

Negativ stechen die runden Klammern hervor, in denen die Übersetzungen zur Elbensprache stehen – ich weiß, dass es bei E-Books mit Fußnoten schwierig ist, aber zumindest einen Anhang mit den Übersetzungen hätte man einfügen können, statt den Fließtext zu opfern. Umgekehrt ist die eine Fußnote, die es gibt, vollkommen überflüssig und hätte genauso gut in die Erzählung integriert werden können.

„Erellgorh: Geheime Mächte“ setzt die Tradition englischer Wörter und Maßeinheiten, die ich bereits bei „Horizon: Aufbruch ins Ungewisse“ wenig erfreulich fand, fort. Hier ist von Füßen und Puzzles die Rede, als wollte der Roman ein amerikanisches Original mimen. Um … ja, wieso eigentlich? Um professioneller zu wirken? Oder cooler?

Gerade die englischen Wörter passen nicht in die Welt. Sie ist eindeutig nicht die unsere, wie soll also das Englische Kontakt mit dieser Sprache gehabt haben, die die Charaktere sprechen?

Zuletzt noch zu den kurzen Kapiteln, die etwa zehn Seiten lang sind, oftmals mit einem Cliffhanger enden und dann erst nach zwei weiteren Kapiteln fortgesetzt werden, da jeder der Protagonisten Selana, Atharu und Pitu abwechselnd zu Wort kommt. Ich empfinde dieses System als nervig und kontraproduktiv, da es jedes Mal am Anfang des Kapitels ein Ratespiel ist, was nochmal gerade passiert ist, und sich das ausgesprochen negativ auf die Spannung auswirkt, die sich sonst vernünftig hätte entfalten können.

 

Die Handlung weist den Vorteil auf, dass nicht jeder Schritt vorhersehbar ist – in erster Linie deswegen, weil alle drei Handlungsstränge als „planloses Umherirren“ beschrieben werden können. Am beeindruckendsten waren noch die Enthüllungen rund um bekannte Charaktere, die plötzlich wieder auftauchen, ansonsten war nicht sehr viel Aufregendes dabei.

Dafür gibt es einen besonders großen Haufen Handlungsfehler, die ich wie auch schon bei „Squids“ nicht alle nennen werde, sondern nur diejenigen, die mir am sauersten aufgestoßen sind. Einige davon könnten bereits zur Charakteridiotie gerechnet werden, aber da ich auch zu dem Thema einiges zu schreiben habe, führe ich diese Mischfälle hier an. Meine Kritikpunkte sind in der chronologischen Reihenfolge geordnet, in der sie im Buch zu finden sind.

Fangen wir mal mit dem Thema Männerdominanz an, das ich auch später noch einmal ansprechen werde. Im Großen und Ganzen haben die Männer das Sagen, übernehmen das Kämpfen, Arbeiten und Schleppen und die Frauen das Kochen. Letztere müssen auch damit rechnen, vergewaltigt zu werden, ohne dass das irgendwelche Konsequenzen nach sich zieht. Das bekommt Selana am Anfang des Romans zu spüren, und wenn man mal davon absieht, dass das Thema ausgesprochen unsensibel und unreflektiert behandelt wird, ist es außerdem in sich nicht logisch.

Beispielweise locken Korrel und Osse Aria, Selanas Freundin, weg, damit Osse Selana vergewaltigen kann. Wieso auch immer das notwendig ist, wenn es gesellschaftlich akzeptiert ist und die Männer das Sagen haben. Auch suspekt ist mir, dass beide junge Frauen genauso zu Vergewaltigungen stehen wie die meisten Menschen, die ich kenne – obwohl sie in einer Gesellschaft großgezogen wurden, in der die Männerdominanz allgegenwärtig sein sollte. Das Problem ist hierbei, dass entweder die meisten Teile einer Gesellschaft diesen Umstand akzeptieren oder die wenigsten, und dass sowohl Aria als auch Selana die Ausnahmen von der Regel sind, die sich gegen ihre Erziehung stemmen können, ist verdammt zufällig.

Als ebenfalls überzogen empfinde ich die Reaktion der umstehenden Männer, als Korrel und Osse Aria und Selana zurechtweisen, die ihre Meinung zum Thema Vergewaltigung preisgeben. Nachdem die beiden Männer ihre Macht mit Worten demonstriert haben, applaudieren die Männer, die zugehört haben, als wäre das irgendetwas besonders Tolles, das unterstützt werden müsste. Wenn sexuelle Übergriffe in dieser Gesellschaft akzeptiert sind, sollte das aber eher so sein, als würde ein Elternteil sein Kind zurechtweisen – würde da irgendjemand applaudieren?

Das Thema Magie werde ich noch weiter unten auswälzen, aber an dieser Stelle erwähnen möchte ich die Wärme, die Pitus Stein wegen der Magie in den Kristallen abgibt. Zur Erklärung: Er trägt diesen Stein immer über der Brust und unter der Kleidung. Offenbar zählt die Wärme des Steins als Beweis, dass dieser magisch ist, wenn ich auch eher glaube, dass es ein Beweis von Thermodynamik ist.

Wieder zurück auf Selana und Aria kommend möchte ich festhalten, dass es sehr zufällig ist, dass genau dann, wenn die beiden über eine Bedrohung reden, diese Bedrohung ihnen über den Weg rennt: Zuerst ein Dokabulle, dann eine Gruppe Gellwicks. „Verschreien“ sich die beiden ständig den Weg oder wie darf ich mir das erklären?

Zum Doka gibt es noch zu sagen, dass mehrmals über sein dampfendes Fell geschrieben wird. Gut, es ist kalt draußen und es regnet, aber solange diese ochsenähnliche Kreatur nicht direkt aus einem kuschelig warmen Stall kommt, ist das Dampfen ein schlechtes Zeichen. Sofern siebzig oder achtzig Grad Felltemperatur ein schlechtes Zeichen sind, heißt das – eine andere Möglichkeit, wie das Fell dampfen kann, sehe ich nämlich nicht.

Als nächstes die Schwimmweste mit Pelengobohnen, die Pitu (wahrscheinlich) das Leben rettet. Pelengobohnen schwimmen auf dem Wasser, weswegen einer der Charaktere auf die Idee gekommen ist, sie in Kleidung einzunähen mit dem Gedanken, dass sie einen dann über Wasser halten können.

Was ich als Dokamist empfinde. Ich weiß zwar nicht, wie viel Pitu genau wiegt, und da er eher klein ist, gehe ich mal von niedrig angesetzten fünfzig Kilo aus. Ist der Auftrieb von ein paar Bohnen wirklich stark genug, um fünfzig Kilo – tendenziell mehr – über Wasser zu halten, und das auch noch während eines ausgewachsenen Sturms? Ich bin mir ziemlich sicher, die Antwort darauf lautet „nein“.

Pitu ist auch derjenige, der die Magie in seinem Stein pulsieren spüren soll. Nur spürt er so lange nichts, bis er seine Finger fest um den Stein schließt. An der Stelle habe ich darauf gehofft, dass Matthias Teut darauf hinaus will, dass die ganze Magie ein Hirngespinst der Menschen ist und er aufzeigen möchte, wie leicht sich Leute manipulieren lassen – denn dieses Pulsieren ist in etwa so glaubwürdig wie die Behauptung, man könne in Muscheln das Meer rauschen hören.

Kommen wir nun zum Reiten, das bei Atharu eine größere Rolle spielt. Persönlich kenne ich mich mit Pferden kaum aus, aber da ich glücklicherweise eine Freundin habe, bei der das anders aussieht, kann ich auch hier wild mit der Kreide rumfuchteln.

Das beginnt damit, dass sich Atharu nach einem Tag Reiterfahrung mitten im Galopp nach vorne beugt und seinem Pferd sanft ins Ohr flüstert. Das wäre dann wohl eher sanft ins Ohr schreien, denn mit dem Gegenwind dürfte das Flüstern nicht sehr lange reichen. Hinzu kommt noch, dass das Erreichen des Kopfes ab einer Widerristhöhe von etwa einem Meter sechzig (oder, für Fans englischer Maßeinheiten in deutschsprachigen Büchern, fünf Fuß fünfundzwanzig) schwierig werden wird – zum Vergleich: ab einem Meter achtundvierzig (vier Fuß fünfundachtzig) rechnet man das Pferd als „Großpferd“, das man wohl noch am ehesten zum schnellen Reiten verwenden wird.

Apropos schnelles Reiten: Auch da gibt es ein paar Stolperfallen. Zum einen ist es nicht nur für Atharu schwierig, mehr als eine Stunde im Sattel zu bleiben, sondern auch für speziell darauf trainierte Reiter, da mehrere Stunden schneller Galopp die Bandscheiben mehr als nur ein wenig beanspruchen. Zum anderen werden die Pferde nicht länger als eine Stunde mitmachen, da sie dann lahmen, erschöpft sind oder schlicht streiken – und ich weiß, dass die Pferde bei einigen Gaststätten gewechselt werden, ich bin mir aber ziemlich sicher, dass mehr als eine Stunde durchgeritten wird.

Nachdem dieses Thema abgehakt ist, kommen wir wieder zurück zu Pitu, der auf das Geheiß des Ältesten der Urdas hin nach Tyklahr reisen soll – allein, wohlgemerkt. Mit dem Wissen, dass Gellwicks in dem Land wüten. Und all die anderen Gefahren existieren, die einem so in die Quere kommen könnten. Immer berücksichtigend, dass Pitu eine wichtige Rolle in der Prophezeiung spielt.

Der Älteste muss ein Genie sein, anders kann ich mir nicht erklären, dass das für mich keinen Sinn ergibt.

Ebenso sinnlos sind Atharus Symptome, nachdem er von zwei Pfeilen getroffen wird, wobei beide in den Rücken eindringen und keiner die Wirbelsäule verletzt. Statt – ich weiß auch nicht – Atemprobleme zu haben oder Gefahr zu laufen zu verbluten, kann er sich nicht bewegen – und zwar gar nichts –, nichts fühlen und ist doch bei Bewusstsein. Für mich klingt das noch am ehesten nach dem Locked-in-Syndrom, das aber laut DocCheck eher etwas mit dem Hirnstamm zu tun hat, kleine Bewegungen der Augen zulässt und vor allem motorische Neurone betrifft, also solche, die Bewegungen vom Hirn zu den Muskeln übermitteln. Anders gesagt: Ich habe keine Ahnung, was Atharu hat, wieso er es hat oder gar in welchem Paralleluniversum das irgendeinen Sinn ergibt. Atmen, Schlucken und so weiter kann er ja offenbar, wenn man mal davon absieht, dass sowohl motorische als auch sensorische Nerven ohne erkennbare Ursache angeblich beschädigt sein sollen, aber gut.

Weiter geht’s mit einem Paar neuer Charaktere, nämlich Lysa und ihre Tante, deren Gruppe von Gellwicks angegriffen wird. Sie sind die einzigen Überlebenden, wobei nur die Tante eine Verletzung aufweist – obwohl sonst immer etabliert wird, dass die Gellwicks praktisch nie Überlebende zurücklassen. Soll ich den beiden etwa abkaufen, dass sie als einzige den Ort gefunden haben, bei dem die Gellwicks nicht nochmal nachsehen, ob da nicht noch jemand zu ermorden ist? Sie sind jedenfalls sicher nicht die einzigen, die sich versteckt haben, und dennoch die einzigen, die überlebt haben.

Damit komme ich zum letzten Punkt, der einen Charakter betrifft, der in dem Roman gar keinen Auftritt hat und der dafür verantwortlich ist, dass unsere drei Protagonisten die Bruchstücke des Amuletts zusammentragen müssen. Dieser Charakter vertraut nämlich darauf – anstatt zu wissen, wo die Bruchstücke sind, oder diese anderweitig sorgfältig aufzubewahren –, dass das Schicksal schon dafür sorgen wird, dass sich die Bruchstücke wiederfinden werden.

Mit Verlaub, aber das ist eine der dümmsten und bescheuertsten Annahmen, die ich in diesem Roman gefunden habe – und ich formuliere es mal so, es gab da die eine oder andere Konkurrenz. Das Wohl oder Übel Millionen von Menschen, Zwergen und Elben sowie aller anderen Kreaturen auf diesem Kontinenten davon abhängig zu machen, dass zufälligerweise zur rechten Zeit alles am rechten Ort sein wird, ist etwas, das man sich lediglich in Fantasyromanen leisten kann, da es sonst so gut wie nie funktioniert. (Aus gutem Grund, wie ich anfügen möchte. Wahrscheinlichkeiten sind letztlich nur dann ein Garant für ein Ereignis, wenn sie eins betragen.)

 

Damit verlasse ich diese Fallgrube an Ungereimtheiten und stürze mich in die nächste: die Charaktere. Die Protagonisten weisen allesamt die erstaunliche Eigenschaft auf, dass man die meiste Zeit über ihre Namen zufällig vertauschen könnte und sie nicht von ihrem sonstigen Verhalten abweichen würden.

Pitu fällt mir noch am leichtesten zu beschreiben – er ist selbstmitleidig, wehleidig, eingebildet und manchmal auch jähzornig. Rüberkommen soll er wahrscheinlich als der taffe Typ, der ohne Eltern auf der Straße aufgewachsen ist – oder als der weichherzige Typ, der trotz schwerer Schicksalsschläge noch Freude am Leben hat – oder als … um ehrlich zu sein habe ich keine Ahnung, wie er rüberkommen soll. Ich kaufe ihm weder seine Geschichte noch seinen Charakter ab.

Hinzu kommt noch, dass er jede Zweckgemeinschaft gleich als Freundschaft bezeichnet – die mit Velbert, der ihm die Pelengobohnen-Schwimmweste gibt, und die mit Fludo, die aber noch eher glaubwürdig ist –, und dass er seinen Charakter am Ende des Buches auf einen Schlag komplett ändert.

Zuerst ist er der gute alte egozentrische Pitu, dann findet er die Hinterlassenschaften der Gellwicks und ich habe ihn durchgehend mit Atharu verwechselt, da beide exakt gleich reagieren, und dann findet er Lysa. Plötzlich ist er fürsorglich, kann gut mit Kindern umgehen und ist auch sonst eine fast schon perfekte Vaterfigur.

Kurzum: Pitu hat keinen Charakter. Keinen, den er den ganzen Roman beibehalten würde, heißt das.

Selana, das unbedarfte Küchenmädchen, ist dumm. Und sie hat ein erstaunlich gutes Gefühl, was sie zu welcher Zeit machen oder sagen muss, um an ihr Ziel zu kommen, obwohl doch alles so neu für sie ist. Mehr kann ich zu ihr nicht schreiben, denn viel mehr gibt es nicht zu erzählen.

Atharu war mir noch das kleinste Übel, obwohl er respektlos gegenüber Höherrangigen ist und sämtliche seiner Gefühlsausbrüche ebenso glaubwürdig sind wie die seiner Kollegen – was eher am Schreibstil liegt, aber das macht es mir auch nicht leichter, mit irgendeinem von diesen überwiegend eindimensionalen und flachen Charakteren mitzufühlen.

Ich weiß nicht, was sie im Leben erreichen wollen, welche Ziele sie haben, welche Hoffnungen und welche Ängste, was sie in der Nacht wachhält und was sie lächeln lässt, worauf sie sich freuen oder wie sie zu diversen Ereignissen stehen. Sie sind die Protagonisten, und der eine ist der, der seinen Charakter wechselt, die andere ist die, die ein spitzen Bauchgefühl hat und der letzte ist der, der noch am meisten Wissen mitbringt. Mehr lässt sich nicht zu ihnen schreiben.

Den Antagonisten geht es kein Stück besser. Wenn man mal davon absieht, dass es keinen klaren, eindeutigen Gegner gibt, lassen sich drei Gruppen als Bösewichte nennen: die Gellwicks, die Schatten und Osse. (Ja, der zählt als Gruppe.)

Die Gellwicks sind kein Fantasyvolk, wie ich fälschlicherweise auf Twitter behauptet hatte, sondern ausgestoßene Schwerverbrecher, denen man die Zunge herausgeschnitten hat und die mordend und plündernd durch die Lande ziehen. Das wirft zwei Fragen auf. Erstens: Wieso hat man sie nicht gehenkt? In einer Gesellschaft, die das Herausschneiden von Zungen als nicht so wild ansieht, glaube ich nicht, dass man bei Mord ohne Todesstrafe davonkommt. Zweitens: Es fehlt mir der Hintergrund, um diese Erklärung für die Gräueltaten zu glauben. Jeder einzelne Gellwick hat ebenfalls eine Geschichte, in der er der Protagonist ist und in der wir mehr über seinen Hintergrund erfahren könnten. Dass die Gellwicks also als homogene Masse menschenverachtender Widerlinge dargestellt werden, die alle Spaß am morden, vergewaltigen und niederbrennen haben, kann für mich nicht damit entschuldigt werden, dass sie ja ganz böse Leute sind.

Über die Schatten weiß man praktisch nichts, aber soweit ich das mitbekommen habe, konsumieren sie Magie, weil sie sie zum Überleben brauchen.

Osse hingegen ist der typische 08/15-Antagonist ohne Hintergrund, ohne Geschichte und ohne irgendein Anzeichen von Feingefühl. Er ist hässlich, er ist pädophil und er mag es, Frauen zu vergewaltigen. Was für ein gut durchdachter Charakter!

Noch erwähnen möchte ich Malin und Semje, beide Nebencharaktere, die den Protagonisten helfen. Zunächst Malin, der Älteste der Urda. Er pflastert Pitu mit Möchtegern-Weisheiten zu (beispielweise in allen Worten ist etwas Wahres, auch wenn sie uns in die Irre führen sollen, was bedeuten würde, dass in den Worten „Ich liebe Malins Weisheiten!“ etwas Wahres ist), ist aber nicht bereit, das Wort „Artefakt“ kurz zu erklären, als Pitu damit nichts anfangen kann. Das ist im Übrigen das einzige Mal, dass Pitu ein Wort nicht versteht, ansonsten hat er keine Probleme mit irgendetwas.

Ich denke, ich brauche an der Stelle nicht weiter auszuführen, dass Malin die klassische und furchtbar ausgeführte Rolle des weisen alten Mannes übernimmt – wir haben sogar kurz auch eine weise alte Frau, nämlich Ondara, die aber am Anfang des Buches stirbt.

Dann noch Semje, ein Zwerg, der Selana und Aria hilft, nach Tyklahr zu kommen. Ich kann es nicht anders beschreiben: Er ist dumm. Er lässt sich von so offenkundigen Manipulations- und Schleimereiversuchen einlullen, dass er die beiden einfach so mitnimmt. Seine Weichherzigkeit hätte ihn in so einer Welt längst umbringen sollen – ansonsten war er mir wahrscheinlich noch der liebste Charakter, und hätte er nicht diesen einen großen, irrationalen und bescheuerten Charakterfehler, würde ich ihn glatt als „nette Figur“ bezeichnen.

Ich habe mir noch einige Ungereimtheiten aufgeschrieben – beispielweise, dass Atharu trotz seiner Respektlosigkeit gegenüber Magistern und Königen genau einmal zurechtgewiesen wird, oder dass Selana und Aria so dumm sind, ihre einzigen Waffen wegzuschleudern, oder dass Selana, nachdem sie einmal nicht trifft (was davor nie ein Problem war) sofort verzweifelt –, aber ich denke, ich habe bereits genug ausgeführt, dass die Charaktere überwiegend unlogisch handeln, den Begriff „Charakter“ kaum verdient haben und nicht sonderlich sympathisch sind.

 

Nun zu der Welt, bei der ich mit dem Doka im Raum anfangen werde: der Magie.

Etwa die Hälfte meiner Kritikpunkte zum Thema „Welt und Ideen“ haben mit ihr zu tun, was entweder daran liegt, dass die Magie nicht richtig durchdacht wurde, dass sie nicht vernünftig erklärt wurde, dass ich sie falsch verstanden habe oder dass ich sie (noch) gar nicht richtig verstehen soll. Da ich leider nicht weiß, welche dieser Möglichkeiten zutrifft, werde ich einfach mal alle Punkte nennen, die mich so an ihr stören.

Ich beginne mit den zwei harmloseren Sachen. Einmal die Tatsache, dass ich noch immer nicht weiß, was das Amulett, das die Protagonisten mit sich herumschleppen, jetzt eigentlich macht oder wozu es gut sein soll. Es hat irgendetwas mit diesem einen Ort zu tun, bei dem das magische Wasser in die Erde fließt, aber was genau, habe ich nicht verstanden.

Dann noch die Frage, was genau am Zukunftssehen eine „empathische Fähigkeit“ sein soll. Ich habe extra noch einmal nachgeschlagen, was „empathisch“ bedeutet, um sicherzugehen, dass es nicht noch eine zweite Bedeutung gibt, die ich nicht kenne, aber offenbar übersetzt sich das wirklich ausschließlich zu „einfühlsam“. Also: Was ist an Vorhersagerei einfühlsam? Der Vorhersagende gegenüber den Kunden, die er abzocken möchte?

Jetzt zum Kern des Problems. Magie wird in „Erellgorh: Geheime Mächte“ als der Funke des Lebens bezeichnet, was zwar ein interessanter Gedanke ist, aber auch bedeutet, dass theoretisch jeder zaubern können müsste. Ich beziehe hier nicht mit ein, ob diese Magie irgendwie erzählenswert oder kontrolliert ist, aber theoretisch müsste es möglich sein.

Dann kommt die Gleichung „viel Magie ist gleich viel Leben ist gleich viele Fähigkeiten“ ins Spiel. Zunächst frage ich mich, wie etwas mehr leben kann als etwas Anderes – Leben ist so eine Sache, die ist entweder da oder nicht, und wenn sie nicht da ist, nennt man das gemeinhin „Tod“. Es gibt sehr wohl Unterschiede, wie lebendig etwas wirkt – also ob es sich viel bewegt, hibbelig ist, schön grüne Blätter hat oder nur herumliegt und in den Himmel starrt. Wir reden hier aber, soweit ich das verstanden habe, vom Leben selbst, das aus biologischer Sicht einige Punkte erfüllen muss, um als solches zu gelten, und wenn diese Punkte eingehalten werden, ist es lebendig, und wenn nicht, ist es tot.

Daher meine Frage – wenn etwas mehr Leben sein kann als etwas Anderes – ist ein Regenwurm lebendiger als ein Faultier? Oder eine Gurke lebendiger als eine Amöbe? Ein Fliegenpilz lebendiger als ein Fingerhut? (Nicht das Teil aus Metall, das Ding, das man in den Alpen finden kann.)

Dann noch der letzte Teil: „mehr Fähigkeiten“. Wenn ich also mehr Leben in mir habe, habe ich automatisch verschiedene neue Fähigkeiten? Wie viel muss ich denn bekommen, damit ich zum Mathegenie werde? Wäre es nicht logischer, wenn die vorhandenen Fähigkeiten unterstützt werden würden? Dass man schneller rennen kann, beispielweise. Das hätte tatsächlich mal einen nennenswerten Vorteil.

Dieser Grundsatz – Magie ist Leben – wird im Laufe des Romans immer wieder vergessen. So hatte am Anfang offenbar nur das Volk der Elben Magie – war es das einzig Lebende, das existierte? Ansonsten ergibt das keinen Sinn, da ja jedes Lebewesen magisch ist. Im Übrigen wird Magie vom Wasser mitgenommen; offenbar löst es sich Kohlenstoffdioxid oder Salzen ähnlich auf und wird dann abtransportiert.

Die logische Konsequenz daraus: Jedes Lebewesen verliert Leben, wenn es sich erleichtert. Was keinen Sinn ergibt, denn es muss ja auch Wasser zu sich nehmen, und da wir hier von einem Kreislauf der Magie sprechen – da an den Kreislauf des Wassers gekoppelt –, müsste in etwa dieselbe Menge Leben durch das Trinken wieder dem Körper zugefügt werden.

Der Unterschied zwischen magischem Leben – was sich ja so verhalten müsste wie „weißer Schimmel“ oder „nasses Wasser“ – und nicht-magischem Leben („schwarzer Schimmel“? „trockenes Wasser“?) ist übrigens der, dass magisches nicht so schnell Magie – also Leben – an das Wasser abgibt. Wie man aber zu so einem magisch-magischen Leben wird, wird nicht erklärt – offenbar sind fast nur Magister Magier, also ist es eine genetische Sache? Regulieren ein paar Gene den Magiehaushalt, also den Lebenshaushalt? – Nicht, dass das einen Sinn ergeben würde. Leben bedeutet unter anderem Stoffwechsel, Wachstum und Ähnliches; wäre Magie wie Salz oder organische Moleküle, also einfach nur ein Zusatzstoff, der beim Leben hilft, wäre das etwas Anderes. (Und etwas, über das ich gerne lesen würde.)

Der Grundkonflikt des Buches ist, dass Magie, die ja in einem Kreislauf ist, zu viel an der Oberfläche vorhanden ist, gespeichert in den magisch-magischen Wesen, die wenig Magie abgeben. Ich wüsste zwar nicht, wieso das ein Problem sein sollte – es ist auch mal mehr Wasser in Gletschern und den Polarregionen „gelagert“ und mehr Kohlenstoff in Pflanzen –, aber gleich darauf heißt es wieder, das eigentliche Problem sei, dass es zu viel freie Magie (freies Leben) gibt, weswegen sich Schatten vermehren würden, die diese konsumieren.

So ganz sicher, was das Problem ist, scheint man sich jedenfalls nicht zu sein. Um die freie Magie einzufangen, werden Diamanten bearbeitet – nur wurde zuvor etabliert, dass solche Behälter die Magie langsam wieder an ihre Umgebung abgeben. War das also eher eine kurzfristige Lösung?

Und wenn sich Magie in Wasser löst (was keinen Sinn ergibt, da das bedeuten würde, Leben würde sich in Wasser lösen), müsste diese freie Magie dann nicht mit der Luftfeuchtigkeit fortgespült werden? Wie in einem Kreislauf eben.

Als nächstes möchte ich kurz die sehr klassische Verteilung der Tiere ansprechen. Es gibt ein paar, die gerne als böse dargestellt werden, und ein paar, die oft als gut porträtiert werden. In „Erellgorh: Geheime Mächte“ wird auf Innovation in diesem Kontext verzichtet. Krähen sind die Brieftauben der bösen Gellwicks und Crullmahr – Wasserschlangen – sind so etwas wie Teufelswesen, da den Schatten irgendwie ähnlich.

Mal ganz davon abgesehen, dass sie giftig sind und es mir mit Bibelanspielungen allmählich reicht, kommt noch hinzu, dass sie als glitschig bezeichnet werden. Schleim wird von Fischen und Amphibien abgesondert; Reptilien haben sich jedoch an Land angesiedelt und diese Schleimproduktion eingestellt. Einige wenige sind wieder zurück ins Wasser gegangen, aber schleimig sollten sie nicht sein, da dieses Merkmal zuvor keinen Überlebens- oder Reproduktionsvorteil gebracht hat, ergo Energieverschwendung war.

Als nächstes die klassischen Geschlechterrollen und das Thema Vergewaltigung. Erstere werden immer wieder etabliert – oftmals von den Protagonisten selbst –, aber ich habe keine wirkliche Gegendarstellung erkennen können, keine Reflexion, die dieses Weltbild relativieren würde. Das einzige in die Richtung, das mir einfällt, ist Arias Treffsicherheit mit Messern – aber auch dieser Charakter schwärmt von einem Liebhaber, der sie beschützen kann.

Vergewaltigungen sind in dem Roman immer wieder ein Thema, wobei ich dazu sagen muss, dass ich sie gegen Ende als besser behandelt empfunden habe als am Anfang. In erster Linie fehlt mir die Empathie für die Opfer – zweimal Selana, um genau zu sein. Das ist teilweise ein Problem des Schreibstils, der sich von den Emotionen seiner Protagonisten so fern wie möglich hält, teilweise aber auch einfach ein Problem der Recherche.

Selana wurde nicht vergewaltigt, ist dem aber sehr knapp entronnen und hätte Spuren davontragen müssen – psychische und emotionale, um genau zu sein. So kann ich dem Roman nur zugutehalten, dass er sexuelle Übergriffe wenigstens nicht glorifiziert, aber für so ein ernstes und wichtiges Thema wurde sich erstaunlich wenig Mühe gegeben.

Kleiner Tipp: Google kann ein Freund sein.

Zugutehalten kann ich der Welt nur, dass sich Matthias Teut sattelfest in dieser zurechtfindet – der Leser leider nicht so sehr, was den Namen geschuldet ist. Ich bin mir auch hier nicht sicher, ob es an mir liegt oder auch viele andere so empfinden, aber ich konnte mir die Mehrheit der Charakter- und Ortsnamen nicht bis schwer merken. „Selana“, „Osse“ und „Semje“ waren in Ordnung, aber spätestens bei den Erklärungen gegen Ende bin ich endgültig ausgestiegen:

„Zugegebenermaßen die Heimat der Eskrindarh. Aber eben auch die des Hauses Azhark. Und obgleich die Elbenstadt Nunahzhar viel weiter östlich lag, brachte Fenkorh die Iljamoi gegen die Zwerge auf.“ (S. 431)

Ich habe bereits sehr viele High-Fantasy-Bücher gelesen und hatte bisher nie so große Probleme, mir die erfundenen Namen zu merken. Da ich auch das für eine Leistung halte, erwähne ich sie hier – zumal ich während der meisten Zeit darauf vertraut habe, dass meine Autokorrektur mir den Titel des Buches schon richtig schreiben wird.

Es gibt noch andere Unklarheiten, die ziemlich eindeutig zeigen, dass mehr als geographisch gesprochen nicht viele Gedanken in die Welt geflossen sein dürften, darunter: Welche Sprachen werden gesprochen? Gibt es nur die der Gellwicks, die der Elben und die, die alle anderen sprechen? Haben die Zwerge keine eigene? Die Tangoris, zu denen Atharu gehört? Die Urda, zu denen Pitu gehört? Gibt es zumindest verschiedene Dialekte? Und wie passt das Englische hinein?

Warum hat jeder einzelne Charakter denselben Glauben? Wie kann das sein, wenn man sich mal überlegt, wie viele verschiedene Religionen es auf unserer Welt gibt? Gibt es keine Sekten, keine anderen Glaubensgemeinschaften, keine Atheisten oder Agnostiker? Gibt es Gotteshäuser, Rituale, die zur Religion gehören, oder irgendetwas Anderes, das sich außerhalb von ein oder zwei Redewendungen manifestiert?

Wie sieht es mit dem Rechtssystem aus? Wieso wird Mördern die Zunge herausgeschnitten? Was passiert, wenn man etwas stiehlt? Ist Ehebruch strafbar? Wie sieht es mit Scheidungen aus? Wie steht es um die Stellung der Frau vor Gericht? Gibt es überhaupt Richter oder wird das auch von Geistlichen übernommen? Wer macht die Gesetze und wie?

Wieso geht es der Wirtschaft so schlecht? – Ich vermute zumindest, dass der gesamte Kontinent in einer Krise steckt, denn auf den Handelswegen sind nur ab und an ein paar Flüchtlinge unterwegs, sonst gibt es niemanden, der den Protagonisten entgegenkommt – außer Militärs und Semje, heißt das.

Und wie wird Ziegenschnaps hergestellt? Ich habe mir ja immer vorgestellt, wie eine Ziege destilliert wird.

Es gibt noch ein paar Kleinigkeiten anzumerken – etwa dass sich die Gellwicks tatsächlich die Zeit nehmen, ihre Opfer zu Leichenstapeln aufzutürmen, oder dass, sollte dieser Seelenfluss wirklich ins Innerste des Planeten fließen, dessen Magnetfeld dezent nicht vorhanden sein sollte und dementsprechend alle ziemlich tot sein sollten –, aber im Großen und Ganzen war es das.

Ich möchte noch anmerken, dass ich es Matthias Teut hoch anrechne, dass Pitu offenbar kein Scheltar ist – ich bin mir aber gleichzeitig auch sehr sicher, dass das dadurch erschaffene Konfliktpotenzial in oberflächliches Anmotzen ausarten wird, sofern sich der Schreibstil nicht endlich mit Gefühlen anfreundet.

 

Zuletzt möchte ich noch – reif, wie ich bin – anmerken, dass dieses ständige Druckgefühl im Bauch, das im Roman immer mit Magie assoziiert wird, lustiger gewesen wäre, hätte sich herausgestellt, dass das einfach nur die ersten Anzeichen von Durchfall waren.

Ansonsten frage ich mich noch, wieso Schriftgröße vierzehn für die Elbensprache verwendet wird, zumal die einzelnen Worte ohnehin kursiv geschrieben sind. Die Tatsache, dass die Worte eindeutig kein Deutsch sind, wäre für die meisten Leser schon Hinweis genug gewesen, dass es sich hierbei nicht um … welche Sprache die Charakter auch immer sprechen handelt.

 

Zusammenfassend steckt „Erellgorh: Geheime Mächte“ auf den ersten Blick voller Potenzial, das aber bei der erstbesten Gelegenheit verschenkt wird. Der Schreibstil reift mit den Seiten des Buches, geht aber zu wenig ins Detail und bleibt oberflächlich; die Handlung ist von Fehlern gespickt; die Charaktere sind unglaubwürdig und eindimensional; die Welt ist nur geographisch recht gut durchdacht und weist ansonsten eine ganze Menge Fehler auf, wobei ich das Gefühl habe, dass ich bezüglich dieser mehr recherchiert habe als Matthias Teut selbst. Hinzu kommen jede Menge Grammatik- und Interpunktionsfehler kombiniert mit Wortfehlgriffen und Schriftgröße vierzehn.

 

Tatsächlich hat der Autor selbst unabsichtlich sein Werk in einem Satz zusammengefasst - der perfekt widerspiegelt, wie grobe, teils einfach zu vermeidende Fehler das Potenzial zu überschatten vermögen: „Jeder Mensch Trug [sic] Verantwortung – hatte ein Recht auf Verantwortung.“ (S. 267)

 

Details zum Roman:

Titel: Erellgorh: Geheime Mächte

AutorMatthias Teut

Veröffentlicht über: Amazon CreateSpace

Erscheinungsjahr: 2016

ISBN: 978-1533580160

Genre: Fantasy

Preis: 12,95€ (s. Datum)

Seiten: 461

Reihe: ja, Band 1 von 3* (s. Datum)

Bewertung: 1 von 5 Sternen (s. Datum)

Stand: 20.12.2016

 

*: Ich vermute, dass es eine Trilogie werden soll, habe dazu aber keine Bestätigung von Seiten des Autors gefunden.

 


Nachtrag:

Ich weiß, die Rezension ist schon lang genug, aber ich möchte noch eine stilistische Sache anmerken. Da sie nichts mit dem Lesen selbst zu tun hat, habe ich sie in den Nachtrag gepackt und nicht in die Rezension integriert, aber es stört mich genug, um sie nicht zu ignorieren.

Ich bin kein großer Fan der extra-billig produzierten Taschenbüchern mit dieser Klebebindung, die man entweder nach einigen Seiten nicht mehr richtig öffnen kann oder so lange aufbiegt, bis man sie praktisch mit der Hand gebügelt hat, um sie endlich lesen zu können. „Erellgorh“ ist dabei bei weitem nicht der einzige Vertreter dieser Art des Buchdrucks, aber dadurch, dass ich es „gebügelt“ habe, ist mir noch deutlicher aufgefallen, dass etwas mit den Bildern nicht stimmt.

An jedem Kapitelanfang gibt es ein Schwarzweiß-Bild, das von dem Handlungsstrang abhängt, den das Kapitel wiedergibt. Die ersten paar Bilder bedecken die gesamte Breite der Seite, aber der Großteil endet einen halben Zentimeter vorher, wie unten an den dunklen Strichen am Buchrücken erkennbar ist.

Ich frage mich, wie es dazu gekommen ist, dass die Bildbreite nicht einheitlich ist, aber es sieht eher bescheiden aus. (Und damit endet die Rezension endgültig.)

Am rechten Rand gehen die Bilder (als dunkle Striche zu sehen) deutlich näher zum Buchrücken als weiter links.
Am rechten Rand gehen die Bilder (als dunkle Striche zu sehen) deutlich näher zum Buchrücken als weiter links.

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