2. LA: "Jax: Warrior Lover" (Inka Loreen Minden)

Dass die Produktion von Büchern, die immer mehr auf Massenkonsum geeicht ist, negative Auswirkungen auf so manchen literarischen Teilbereich hat, dürfte inzwischen kein Geheimnis mehr sein. Persönlich spüre ich es besonders stark, wenn ich nach einer neuen Fantasylektüre suche – das Genre aber, das es meiner Meinung nach wohl am schwierigsten hat, ist die Erotik. Trotz dem einen oder anderen Hype und einer ganzen Reihe Negativbeispielen bin ich mir sicher, dass es theoretisch machbar sein müsste, eine Geschichte niederzuschreiben, die konsistent und erotisch ist – ohne dabei an allen Ecken und Enden Kürzungen vorzunehmen. Was soll ich sagen – „Jax: Warrior Lover“ ist definitiv keiner dieser theoretisch machbaren Romane.

Spoiler: Es gibt Spoiler.

 

Bevor ich zum Inhalt komme, möchte ich kurz meine Kritik zum Cover loswerden. Am prominentesten platziert sind zwei Models, die die beiden Protagonisten verkörpern sollen. Etwas verwirrt bin ich davon, dass die Frau dominant zu sein scheint und der Mann eher so wirkt, als wäre er angewiesen worden, sinnlich die Augen zu schließen und nach unten zu schauen, während er tatsächlich eher wie ein besonders theatralischer Mensch wirkt, der demonstrativ seinen Kopf hängen lässt.

Am unteren Ende des Covers finden wir die klassische futuristische Stadt mit ein paar nett aussehenden Lichteffekten. Futuristisch ist die Stadt dabei eher in dem Sinne, als dass sie praktisch ausschließlich aus Wolkenkratzern zu bestehen scheint. Ein wenig vermisse ich fliegende Autos oder Privatjets, aber der dramatische Hintergrund, der ein Wolken-Sonnenlicht-Wirrwarr zeigt, lenkt fürs Erste genug von diesem Mangel ab.

 

Genug aber vom bebilderten E-Book-Deckel, wenden wir uns dem Inhaltlichen zu. Da die Leseprobe auf neobooks keine Seiten angibt und diese ebenso wie bei einem ePub variabel sind, werde ich bei den jeweiligen Zitaten lediglich die Kapitelzahl angeben und die Nummer des Absatzes hinzufügen.

Da das jetzt aus dem Weg ist, wenden wir uns dem Kapitel „Presse“ zu, das ein Zitat von einem gewissen DarkReader bereithält, der – Plottwist! – die Fähigkeiten der Autorin in den Himmel lobt. Nach einer zehnminütigen Internetrecherche habe ich eine Rezension von genau diesem/dieser LeserIn gefunden, die bei ebook.de eine der vier Fünf-Sterne-Rezensionen ist, die unter der Beschreibung angezeigt wird. Den zitierten Satz konnte ich in dieser Rezension zwar nicht finden, aber das heißt ja nicht, dass dieselbe Person nicht zu einem späteren Buch der Reihe eine Meinung abgegeben und darin diesen Satz verwendet hat, der gleich für die ganze Reihe vermarktet wird. Gut, auf ebook.de ist das die einzige Rezension dieser Person zur Warrior-Lover-Reihe. Vielleicht ist der/die RezensentIn ja auf eine andere Plattform umgestiegen.

Es folgt eine Auflistung der bis 2014 erschienen Titel der Reihe, was in dem Buch so aussieht: „Die Warrior Lover Reihe im Überblick:“ („Presse“, 2. Absatz). Dass der Reihentitel nicht kursiv oder anderweitig hervorgehoben wird macht klar, dass der erste orthographische Fehler gefunden ist, noch bevor die eigentliche Geschichte losgegangen ist.

 

Das erste Kapitel trägt den Namen „Ich bin eine Sklavin“ und lässt mich bereits durch diese vier Worte einen Vorgeschmack auf die Komplexität des Romans erhaschen. Die ersten zwei Sätze, mit denen das Buch eröffnet wird, wirken, als wären sie aus der Mitte eines Kapitels entnommen und an den Anfang verpflanzt worden, ohne sie irgendwie anzupassen. Auch wird mit dem Nomen „Serva“ der Trend weitergeführt, der bereits im Titel seinen Anfang genommen hat und darauf hinweist, das so ungefähr alles cooler klingt als die deutsche Sprache, denn die … Berufsbezeichnung, die hier verwendet wird, ist einfach das deutsche Wort „Sklavin“ übersetzt in die lateinische Sprache und durch die Autorin gleich wieder zurückübersetzt, damit es wirklich jeder versteht.

Der Absatz endet mit dem Versuch einer Emotionsbeschreibung und leitet über zu Absatz zwei, der sich darum bemüht, die Räumlichkeiten möglichst nebenbei zu erläutern und mich dabei ausgesprochen verwirrt zurücklässt. Es wird etabliert, dass die Frauen und Männer, die als Sklaven fungieren, „halbnackt“ („Kapitel 1 – Ich bin eine Sklavin“, Absatz 2) vor einer Halle mit einer Menge Menschen und einem Kommentator stehen, wobei sie diesen Zuschauern den Rücken zuwenden. Kurz darauf wird spezifiziert, dass die Sklaven lediglich einen Stringtanga tragen, die Frauen zusätzlich ein Brustband, das aber so schmal sein dürfte, dass es eher als halbherzige Imitation durchgehen dürfte.

Dass ein solche Beschreibung nicht auf das deskriptive Wort „halbnackt“ zutrifft, dürfte jedem klar sein, der schon mal eine der kostenlosen Tageszeitungen in der Hand gehalten und auf der ersten Doppelseite eine „halbnackte“ Frau bestaunen durfte, die nur deswegen nicht vom Jugendschutz zensiert worden sein dürfte, weil sie eben noch einen winzigen Fetzen Stoffimitat an ihre Haut drückt. (Zumindest habe ich mir sagen lassen, dass das der Grund ist, weswegen Nacktheit offenbar in Tageszeitungen weit weniger wild ist als … in praktisch jedem anderen Medium, das mir auf die Schnelle einfällt.)

Bereits auf dieser ersten Seite haben wir also etabliert, dass die Protagonistin, die entweder Samantha oder Nummer 13 heißt – wobei ich in Kombination mit dem Kapiteltitel „Ich bin eine Sklavin“ dabei praktisch sofort an „Ich bin Nummer Vier“ denken muss, gefolgt von dem Running Gag aus Lars Golenias „werbung-gesehen“ „Aber ich bin nur eine Kamera“ –, nackt vor dem Publikum steht und das nicht freiwillig tut.

Ich weiß ja nicht, wie es erfahrenen Erotiklesern geht, aber ich halte eine Ausgangssituation, in der die Menschenwürde mit Füßen getreten wird und die Zustimmung der handelnden Personen eindeutig nicht gegeben ist, für alles andere als erotisch. Eher für menschenverachtend und vielleicht sogar die gerade genannten Umstände verharmlosend.

Im fünften Absatz gelingt es Samantha-13 zu sehen, wie hinter ihr das Publikum Transparente schwenkt, während sie gleichzeitig nach vorne sieht, und erläutert dem Leser dabei, dass gleich zwanzig „Warriors“ in die Halle schreiten werden. Weil „Krieger“ offenkundig zu uncool ist. Gleich darauf wird etabliert, dass diese zwanzig Krieger die Grenzen der Stadt zusammen mit ihren Kollegen mit ihrem Leben verteidigen – also, ich weiß auch nicht, ihren verdammten Job machen –, dabei die besten der besten der besten sind und mit einer Gesamtzahl von mehr als einhundert alle Bedrohungen übernehmen, die die automatisierten Waffensysteme nicht in den Griff bekommen.

… und es wäre nicht einfacher, ein paar Drohnen von einer sicheren Kommandozentrale aus zu steuern und die jede dieser Bedrohungen übernehmen zu lassen, anstatt offenkundig hochtrainierte und ausgesprochen fähige Menschen dem Risiko des plötzlichen Ablebens auszusetzen?

Absatz sechs fährt in der Ausführung fort, dass alle drei Tage ein Medienspektakel aus der Heimkehr von zwanzig Kriegern gemacht wird. Wenig später wird klar, dass dieses Heimkehren dadurch so besonders ist, dass Verurteilte von diesen ehrenvollen Kriegern vergewaltigt werden, und das … schauen sich die Leute gerne an. Ich werde später nochmal auf die Verwerflichkeit dieser Tatsache eingehen, daher frage ich an der Stelle lieber, inwiefern das etwas Besonderes ist, wenn es alle drei Tage stattfindet. Ich glaube nicht, dass es viele Dinge gibt, denen die Massen entgegenfiebern, wenn sie so häufig vorkommen – sind das doch rund einhundertzwanzig Medienspektakel im Jahr, die allein für gesellschaftlich akzeptierte Vergewaltigungen draufgehen.

Derselbe Absatz demonstriert uns, dass Zahlen bis zwölf eben doch nur ausgeschrieben werden, wenn das Buch gerade Bock drauf hat, und belohnt den noch durchhaltenden Leser mit einer netten Stilblüte, die umschreibt, wie die Servae in die Halle gehen: „Als wir hier einmarschiert sind, habe ich sie nach ihrem Namen gefragt.“ („Kapitel 1 – Ich bin eine Sklavin“, Absatz 6).

Noch bevor das Schmunzeln vergangen ist, werden wir damit konfrontiert, dass die „Highlights“ der letzten Vergewaltigungsrunde gezeigt werden und darunter auch die im obigen Zitat mit „sie“ bezeichnete Sklavin in diesen zu finden ist, die bereits vor drei Tagen vergewaltigt wurde. Von demselben Mann. Der in Schichten arbeitet und eigentlich nicht zweimal hintereinander in der Lage sein sollte, Teil des Medienspektakels zu sein. Unter Berücksichtigung der wenige Zeilen zuvor etablierten Tatsache, dass Samantha-13 eine Verurteilte ist und die Todesstrafe vollzogen worden wäre, hätte sie sich der traditionellen Vergewaltigung nicht angeschlossen, und dass sie, sollte sie nicht von den Kriegern gewählt werden, nach drei weiteren Tagen hingerichtet werden wird, frage ich mich, wie dieses System funktioniert.

Wenn man gewählt wird, bleibt man eine Sklavin/ein Sklave, bis man mal nicht gewählt wird? Jede dieser gesellschaftlich befürworteten Gewaltverbrechen erhöht die eigene Lebensdauer also um … drei Tage und die Zeit, die man beim Krieger verbringt, wie lange das auch immer sein mag. Dass Samantha-13 die Nummer dreizehn eintätowiert bekommen hat, zeugt allerdings davon, dass es die Tradition noch nicht lange geben kann oder immer dann, wenn eine Nummer frei wird, da die Todesstrafe ihr Ding durchgezogen hat, diese nochmal vergeben wird, was für mich nach unnötig viel Aufwand klingt.

Noch bevor Absatz sechs zu Ende ist, wird außerdem eine Regel aufgestellt – die Servae dürfen sich nicht bewegen, sonst werden sie erschossen –, die in den folgenden Absätzen regelmäßig gebrochen werden wird.

Absatz sieben bricht eine weitere Behauptung, die von Samantha-13 aufgestellt worden ist – in Absatz sechs –, nämlich die, in der erläutert wird, dass die „Highlights“ der letzten „Sendung“ gezeigt werden, worunter bisher die Glorifizierung von Vergewaltigungen verstanden wurde. Jetzt wird aber auch gezeigt, wie einer der Krieger einem „Outsider“ den Kopf wegpustet und dabei in klischeehafter Manier diabolisch grinst.

Lasst mich das herunterbrechen. Eine Regel wird aufgestellt und einen Absatz später gebrochen – in der aktuellen Literatur ja leider nichts Ungewöhnliches. Die ehrenvollen Krieger, die den ach so harten Job an der Grenze der Stadt übernehmen, sind natürlich allesamt Sadisten und offenkundig auch alle Männer. Gott bewahre, dass eine Frau mal eine Stadtgrenze verteidigt, da wird sie aber von den Outsidern so richtig outgesidet. Und ja, das ist meine letzte Anmerkung: „Außenseiter“. Um mich dem Stil des Buches etwas anzupassen: You’re not even trying!

Samantha-13 spekuliert außerdem, allwissend, wie sie ist, dass Außenseiter Jetzt-ohne-Kopf sicher nur Medikamente oder Wasser aus der Stadt wollte. Ist das der harte Job, von dem hier ständig geredet wird? Entkräftete, kranke und ausgegrenzte Menschen niederzumetzeln? Oh ja, das muss definitiv gefeiert werden und ist nicht einmal ansatzweise verwerflich – wenn man mal sämtliche Werte über den Haufen rennt, die in den letzten Jahrzehnten mühsam erkämpf worden sind, heißt das.

Absatz acht und neun lassen in keiner Weise nach, denn die in Absatz sechs etablierte Regel, dass die Sklaven sich nicht bewegen sollen, wird gleich zweimal großzügig ignoriert, indem sie einmal miteinander plaudern und einmal zusammenzucken – beides Bewegungen und zumindest ersteres etwas, das ihnen schon fast etwas Menschliches gibt und damit definitiv ein Versehen war.

Im nächsten Absatz betreten die Krieger die Halle und das wird begleitet von – na, wer kommt drauf? – Rockmusik. Es gibt nichts Männlicheres als Rockmusik, merkt euch das. Ebenfalls wird in diesem Absatz geschildert, dass es einige männliche Sklaven gibt und, dass die meisten Männer angeblich lieber sterben, als sich den Haien zum Fraß vorzuwerfen. Was mich zu der Frage bringt, ob das bei den Frauen etwa anders aussehe, denn die Aussicht, komplett entwürdigt und mit physischer und psychischer Gewalt einem abstoßenden gesellschaftlichen Ritual geopfert zu werden, das ebenso abstoßende Krieger und deren Gewalttaten glorifiziert, klingt in meinen Ohren nicht allzu verlockend – zumal alle Beteiligten wissen, auf was sie sich einlassen.

Absatz dreizehn bemüht sich erneut um Gefühlsbeschreibungen und geht darauf ein, wie geil die gesamte Stadt nach der traditionellen Vergewaltigung ist – anstatt das Verhalten der Zuschauer einfach zu beschreiben und diese Offensichtlichkeit nicht dem Leser vorzukauen. Gleich darauf wird betont, dass Samantha-13 das alles an das Prinzip „Brot und Spiele“ erinnert.

Zwei Dinge. Zunächst: Wenn jemand will, dass die Leser eine Referenz mitbekommen, baut man das nicht in den Gedankengang seines Protagonisten ein, sondern versteckt Anspielungen in der Geschichte und traut seinen Lesern etwas mehr geschichtliches Allgemeinwissen zu als dem eigenen Kleiderschrank. Möchte man hingegen vermeiden, dass die Leser einen Sachverhalten mit einem anderen in Verbindung bringen, belegt man diesen Unterschied im Laufe seines Buches und erwähnt den Vergleich nicht noch extra, um anschließend sagen zu können, dass das total offensichtlich sei und man doch kein so großes Fass aufmachen solle.

Zweitens bezieht sich „Brot und Spiele“ auf eine Taktik der höchsten gesellschaftlichen Schicht und/oder der Politiker einer Gesellschaft, mit der das eigene Volk zufrieden gehalten werden soll. Das würde bedeuten, dass diese alle drei Tage stattfindende Medienspektakel nicht etwa das Produkt einer Nachfrage-Angebot-Angleichung sind, sondern ein politisches Manöver. Im Klappentext wird aber dargelegt, dass der Pöbel gar nicht in die Stadt darf.

Zieht man die Definition im Duden von „Pöbel“ heran, so wird damit die gesellschaftliche Unterschicht bezeichnet, die ungebildet ist, unkultiviert und in der Masse gewaltbereit. Vor allem die letzten beiden Aspekte möchte ich betonen, denn sie treffen genau auf die Menschen zu, die die Krieger, die den Pöbel fernhalten sollen, so glorifizieren. Das wiederum bringt mich zu der Frage, ob die Zufriedenheit dieser Mittelschicht es wirklich wert ist, alle drei Tage die Produktivität deutlich in den Hintergrund zu stellen.

Auch möchte ich betonen, dass es bereits zu Zeiten der ursprünglichen „Brot und Spiele“ Menschen gab, die diese Tradition nicht so toll fanden. Abgesehen von den Sklaven selbst scheint es solche Menschen aber in dieser Geschichte nicht zu geben – bereist jetzt, zur Erinnerung: Absatz dreizehn des ersten Buches einer recht langen Reihe, haben wir also die erste große Stigmatisierung einer anonymen Menschenmasse.

Im selben Absatz wird bestätigt, dass die Arbeiter, die ja offenkundig nicht so unfassbar viel zu tun haben können, zufriedengestellt werden sollen, und dass nicht nur praktisch alle Geschlechtskrankheiten ausgerottet sind, sondern dass es außerdem unmöglich ist, ungewollt schwanger zu werden und das die Bevölkerung dazu bringt, weniger feste Beziehungen einzugehen und nicht mehr zu wissen, was Treue und Vertrauen sein sollen.

Und erneut muss ich den Absatz hier zerlegen. Fangen wir mit den Geschlechtskrankheiten an, die ja fast alle ausgerottet sind. Kurze Frage: Wie? Nicht, dass ich auch nur in meinen hoffnungsvollsten Träumen ernsthaft davon ausgehen würde, dass diese Frage im Roman tatsächlich beantwortet wird, aber das ist eine dieser pauschalen Aussagen, die so dämlich einfach klingen, dass ich mich an Eskapismus erinnert fühle. Innerhalb von fünf Sekunden habe ich eine Liste mit neunundzwanzig Geschlechtskrankheiten gefunden, unter denen auch Krätze und Filzläuse sind. Fügt man dem noch hinzu, dass es beispielweise gegen Läuse kein einziges Mittel gibt, das einhundert Prozent der Läuse bei einem Befall abtötet, möchte ich meine Frage beantwortet bekommen, denn was auch immer die Antwort ist, sie muss zukunftsweisend sein.

Dann noch die Sache mit den unkontrollierten Schwangerschaften. Dass das Adjektiv „ungewollt“ erwähnt wird, ist wiederum sicher nicht ungewollt, betont es doch, dass gewollte Schwangerschaften – logischerweise – sehr wohl möglich sind. Eine Sterilisation, die sicherste aller Verhütungsmethoden, ist dementsprechend ausgeschlossen.

Nur gibt’s keine andere Methode, die eine Schwangerschaft garantiert verhindert. Die sichersten sind meist diejenigen, die auf Hormonen basieren, und die sicherste – das Hormonimplantat – hat einen Pearlindex von 0 bis 0,08. Übersetzt heißt das, dass innerhalb eines Jahres keine bis acht von zehntausend Frauen schwanger geworden ist/sind, wenn sie diese Methode verwendet/verwenden – was sehr wenig ist, aber auch klar aufzeigt, dass jedes noch so gute Verhütungsmittel mal versagen kann.

Dann zu dem, dass dank dieser beiden Tatsachen die Gesellschaft außer Rand und Band gerät. Ich wage einfach mal zu behaupten, dass sowohl Männer als auch Frauen bei kurzfristigen sexuellen Beziehungen davon ausgehen, dass ein Kondom als Schutz ausreicht und die Sicherheit, sich mit nichts anzustecken, bereits so schon sehr hoch ist. Den einzigen großartigen Auftrieb an solchen Beziehungen könnte ich mir dadurch erklären, dass auf das Gummi verzichtet werden kann, aber selbst diesen Effekt wage ich gering einzuschätzen. Selbiges gilt für die Geburtenkontrolle, die durch die Anti-Baby-Pille noch zusätzlich gestärkt wird.

Im Übrigen hatte diese verbesserte Geburtenkontrolle, die etwa 1960 mit der Einführung der Anti-Baby-Pille zu einem Rückgang der Geburten geführt hat, nicht zu einem sofortigen Absturz der Eheschließungen geführt, wie hier von der Statistik Austria belegt wird. Zwar hat es ab den Sechzigern einen allmählichen Rückgang der Eheschließungen gegeben, aber wesentlich wichtiger war in diesem Zusammenhang das liebe Geld.

Wohlgemerkt mündet nicht jede feste Beziehung in eine Ehe, sodass die Zahl dieser meiner Einschätzung nach nicht wesentlich abgenommen haben dürfte. In der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts gab es nämlich neben Verhütungsmethoden noch eine ganze Palette an gesellschaftlichen Entwicklungen, die es einfacher und gesellschaftlich anerkannter gemacht haben, auch ohne offizielle Dokumente eine feste Beziehung zu führen.

Und zuletzt noch die Aussage, Treue und Vertrauen wären Fremdwörter geworden. Ich weiß gar nicht, welche Interpretationsweise ich dabei als verstörender empfinde – die, bei der sich diese These lediglich auf die sexuelle Ebene bezieht, oder die, bei der das allgemein gemeint ist. Ersteres würde bedeuten, dass man keinen Vertrauen zu seinem Sexualpartner hat – eine wenig kluge Angelegenheit, bedenkt man mal kurz, dass gerade Fesselspielchen, auf die die Arbeiter scheinbar stehen, jede Menge Vertrauen einfordern. Oder zumindest einfordern sollten, wenn man sich sicher sein will, dass das Gegenüber die eigene Hilflosigkeit nicht missbraucht, was ein Ende des Spaßes und der Beginn eines noch lange nachwirkenden Traumas nach sich ziehen würde.

Zweiteres würde bedeuten, dass die Gesellschaft brach liegt und jeden Moment implodieren könnte. Ich vertraue bereits jemandem, wenn ich ihm Geld dafür zahle, dass er mir mein Essen gibt, denn er könnte es ja vergiftet haben. Ich vertraue jemandem, wenn ich mit ihm zusammenlebe, und sei es nur, dass ich ihm vertraue, dass er mich nicht im Schlaf ermorden wird. Die meisten Kinder vertrauen ihren Eltern und die Bevölkerung vertraut den automatisierten Waffensystemen und einer Handvoll Krieger, die sich durch die Gegend bumsen, dass sie die eigenen Grenzen beschützen werden. Kurzum: Entweder hat ein gewisses Buch seine Hausaufgaben nicht gemacht oder Protalein übertreibt maßlos, und das im dreizehnten Absatz. Glänzend.

Absatz fünfzehn widerlegt erneut die These, dass die Sklaven erschossen werden, wenn sie sich rühren – oder Zittern, Zusammenzucken und Reden sind neuerdings keine Bewegungen mehr, und Absatz sechzehn legt nochmal einen drauf. Wir bekommen bestätigt, dass scheinbar die gesamte Mittelschicht sadistisch ist und keine Hemmungen hat, diesen Sadismus auszuleben, und wir bekommen bestätigt, dass „Screener“ einfach cooler klingt als „Bildschirm“. Ernsthaft, wer kauft heute noch Bildschirme? Voll out, die Dinger.

Der Absatz schließt mit der rhetorisch gemeinten Frage, wie Protalein die rituelle Vergewaltigung und der Umgang der Gesellschaft damit in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten ausgehalten hat, worauf ich sogar eine Antwort habe. Die wiederum mit der Aussage von vor ein paar Zeilen, dass die Leute entweder nicht bemerken, was mit der Gesellschaft (sie meinte da allerdings das mit der Treue und dem Vertrauen) los ist, oder es nicht wahrhaben wollen, perfekt übereinstimmt.

Also, liebe Samantha-13, du konntest die rituelle Vergewaltigung deswegen so gut vertragen, weil du entweder nicht mitbekommen hast, dass hier so ungefähr alle Werte, die du offenbar vertrittst, mit Füßen getreten werden, oder du einfach weggeschaut und nichts gemacht hast, dich jetzt aber darüber beklagst, dass die paar Leute, die es theoretisch geben müsste und die gegen diese ganze Sache sind, genauso wie du nichts machen und lieber wegschauen, als ihren Unmut zu äußern.

War doch nicht so schwer zu verstehen, oder?

Im siebzehnten Absatz wird die Sklavin, mit der Samantha-13 vorhin gesprochen hat, noch immer nicht erschossen, obwohl sie inzwischen schwankt, und ich glaube allmählich, dass die Sache mit der Todesdrohung eher halbherzig gemeint war. Einen Absatz später frage ich mich, ob es wirklich so eine gute Idee ist, jemandem eine Betäubungsspritze in den Hals zu rammen und welches ominöse Mittel das sein soll, das offenbar so leichtfertig verwendet werden kann – ohne Risiken, dass, ich weiß auch nicht, die Atmung aussetzt oder andere vollkommen unrealistische Sachen passieren, die garantiert noch nie in der Realität geschehen sind.

Im neunzehnten Absatz gibt es erneut einen Anflug von Emotionen – und damit den dritten Versuch, das Ganze nicht in Pornographie abdriften zu lassen. Drei Absätze später wird von der Ich-Erzählerin betont, dass alle Krieger muskulös sind und Oberkörper wie Stahl haben und ich weite gerade erstaunt meine Augen, als mir klar wird, dass die männlichen Männer männlich sind und dem männlich-schönen Männerideal auf eine männliche Art und Weise entsprechen.

Absatz dreiundzwanzig beginnt und zeigt mir gleich zu Beginn den Stinkefinger. Protalein entspricht nämlich nicht dem gängigen Schönheitsideal, denn: „Meine Brüste sind zu groß, mein Hintern zu rund und ich wirke wenig burschikos.“ („Kapitel 1 – Ich bin eine Sklavin“, Absatz 23). Ich sollte vielleicht noch erwähnen, dass zuvor etabliert wurde, dass sie lange Haare hat.

Ich denke, dass ich dazu nicht viel sagen muss – wir haben hier eine faule Ausrede, dass Samantha-13 ja voll das hässliche Entlein ist, und gleichzeitig ist sie für unsere Maßstäbe entweder wie fürs Modeln oder für Qualitätssender inklusive Dokusoaps gemacht, wenn man sich rein am Äußeren orientiert, was ebenfalls falsch ist, bei diesem Satz aber nun mal der Fall ist.

Besonders fehl am Platz wirkt in diesem Satz jedoch das Wort „burschikos“. Wörter wie dieses – beispielweise „autark“ einige Absätze später – verleiten mich zu der Annahme, dass der Text unbedingt als hochwertig und gebildet rüberkommen will, ja sogar Bestrebungen hat, eine intelligente Dystopie zu zeichnen, die der Menschheit einen Spiegel vor die Augen hält und trotzdem Sex enthält. Die einzige Wirkung, die solche unerwarteten Wörter haben, ist jedoch die, dass sie grotesk und entstellt im Vergleich zu ihren Artgenossen wirken, die die tatsächliche Qualität des Romans wesentlich aussagekräftiger widerspiegeln.

Im selben Absatz wird betont, dass Samantha-13 intelligent ist und deswegen Ärztin werden konnte. Zunächst mal: Bitte eine Runde slow claps für die Tatsache, dass diese Gesellschaft nicht vollkommen aufs Äußere fixiert ist. Dann wiederum könnt ihr euch das sparen, denn die Formulierung impliziert, dass es genug Fälle gibt, in denen die Leute deswegen so überflüssige Berufe wie Arzt ergreifen können, weil sie halt irgendwie geil aussehen.

Der Moment, in dem mir der Absatz den Mittelfinger aber richtig ins Gesicht drückt, ist erst das Ende desselben Satzes. Hier wird das, was wir zuvor noch als Mittelschicht und Arbeiter etabliert haben, als „Unterschicht“ bezeichnet. Sollte es sich bei diesen Arbeitern tatsächlich um die Unterschicht handeln, treffen aber die wichtigsten Kriterien für die Bezeichnung „Pöbel“ zu, und warum das problematisch ist, steht im ersten Satz des Klappentextes. Ach ja, und Stigmatisierung einer ganzen Bevölkerungsschicht. Bingo!

Spätestens Absatz neunundzwanzig fügt dem Ganzen Chaos noch hinzu, dass Samantha-13 natürlich die blütenweißeste Weste hat, die jemals jemand gehabt hat, und sie vollkommen zu Unrecht Qualen durchleiden muss. Wie käme man auch auf die Idee, seinen Lesern tatsächlich etwas zuzutrauen und einen Charakter ins Rampenlicht zu rücken, der nicht die korrekteste Person auf dem ganzen Planeten ist?

Im selben Absatz kommt Samantha-13 aber dann doch noch drauf, dass sie ihre rhetorische Frage, die ich ihr bereits vorhin beantwortet hatte, selbst beantworten kann und sie kommt sogar zum selben Ergebnis wie ich. Damit wäre ein erster Charaktermakel gefunden, und gleichzeitig ist das ein sehr fauler – seien wir mal ehrlich, dass man sich nicht unbedingt dem Tod stellt, um seine Werte zu verteidigen, kann man kaum einem Protalein zum Vorwurf machen, nicht wahr?

Auch lustig finde ich, wie die Außenwelt – also alles außerhalb der Stadt, die übrigens „White City“ heißt – beschrieben wird: „Vor den Stadttoren zu leben ist höllisch, dort ist man der krebserregenden Sonne und der atomaren Verstrahlung ausgesetzt.“ („Kapitel 1 – Ich bin eine Sklavin“, Absatz 29) Da hat wohl ein gewisses Buch ganz unabsichtlich physikalische Tatsachen der verhassten Außenwelt ausformuliert. Ups?

Und wenn diese beiden Faktoren wesentlich stärker ausgebildet sind, als das bei uns der Fall ist, habe ich keine Ahnung, wieso die Außenseiter irgendein Problem sein sollten. Atomare Strahlung plus ultraviolettem Sonnenlicht in besonders hohem Maße stelle ich mir nicht wie etwas vor, das man lange gut überlebt. Es mag sein, dass es sehr wohl Außenseiter gibt und die eine Gesellschaft außerhalb der Stadtgrenzen aufbauen können, aber besonders bedrohlich kann die nicht werden.

Ach ja, und Wasser und Luft sind auch verseucht. Da steht einer erfüllten Rebellion natürlich nichts mehr im Wege.

Absatz dreißig meint aber, dass die Regierung der Stadt ja voll viel für die Außenseiter tut. Immerhin einmal pro Woche gibt es sauberes Wasser – bei einer so großzügigen Gabe verfliegt natürlich der gesamte Ärger. Und ab und an gibt’s Medikamente. Wenn die Stadt nicht angegriffen wird.

Um das mal herunterzubrechen: Weiße Stadt hat automatisierte Waffensysteme und über hundert Gary Stus, die sich um die Verteidigung der Stadt kümmern, was ein voll harter Job ist. Atomare Strahlung, eine wahrscheinlich nicht mehr vorhandene Ozonschicht, verseuchtes Wasser und verseuchte Luft setzen den Außenseitern aber nicht genug zu, dass sie sich nicht zusammenschließen, um die Städte anzugreifen? Und was ist mit den Waffensystemen? Wozu muss die Regierung die Außenseiter überhaupt ruhig halten, wenn sie sie einfach – ich weiß auch nicht – töten könnte, wenn sie der Stadt zu nahe kommen? Und wieso versucht sie dieses Ruhighalten auch noch mit so lächerlich geringen Mengen, dass es sich dabei bestenfalls um eine Aufbesserung des Images für die eigene Bevölkerung handeln kann – ihr wisst schon, der gute Pöbel?

Absatz vierunddreißig bis sechsunddreißig etablieren dann, dass der letzte der Krieger, die sich etwas zum Begatten aussuchen dürfen, nochmal gary-stuiger ist als seine Kollegen, quasi der Alpha-Stu. Er ignoriert nämlich das Publikum und kommt sogar dreckig in die Halle und ist natürlich derjenige, dessen Bruder Samantha-13 umgebracht haben soll, weil Plot.

Absatz neununddreißig erwähnt kurz eine weitere Sklavin und wie Samantha-13 ihren Kopf zu ihr dreht – ernsthaft, das mit dem Erschießen war eher ironisch gemeint, oder? Sie wird ebenso beschrieben wie die Ich-Erzählerin sich selbst beschreibt, nämlich mit großen Brüsten und rundem Po, was als sehr weiblich bezeichnet wird. Zuvor wurde jedoch etabliert, dass das nicht dem gängigen Schönheitsideal entspricht – also sollen die Frauen maskulin aussehen? Brüste sind also out?

Einen Absatz später wird geschrieben, wie die Frau, die soeben eingeführt wurde, eine Knarre an den Kopf gedrückt bekommt, weil sie Lonely Wolf ankreischt, er solle sie wählen – aber erschossen wird auch sie nicht. Wenn alle Ankündigungen in diesem Roman so konsequent durchgesetzt werden wie in diesem Beispiel, frage ich mich, wie es überhaupt zu irgendeiner abgeschlossenen Gerichtsverhandlung kommen konnte, denn offenbar sind alle Handelnden absolut unfähig, ihre eigenen Ansprüche zu erüllen.

Die folgenden Absätze bestätigen ebenso effizient wie ein Gentest, dass Gary Stu ein Gary Stu ist, und dass er ja durch die absolut tragische Geschichte des Ablebens seines Bruders noch unmenschlicher geworden ist, als er es vorher schon war, und dass er ein absolut uninspirierter Charakter ist, wie man ihn schon drölfzig Milliarden Mal gelesen hat.

Absatz siebenundvierzig erheitert mit der Phrase von sich verhakenden Blicken und zwei Absätze später wird uns geschildert, wie die gesamte Halle mit dem pöbelnden Pöbel (dem guten) plötzlich verstummt, nur weil Lonely Wolf sich seit drei Monaten kein Begattungsopfer mehr gegönnt hat und das jetzt doch wieder der Fall zu sein scheint.

Absatz fünfzig beschreibt die Reaktion Samantha-13s darauf, dass sie – überraschender Plottwist ist überraschend – von dem Typen, dem sie das Leben gerettet hat und der glaubt, dass sie seinen Bruder umgebracht hat, gewählt wird und wäre mir dieser Charakter nicht gänzlich egal, würde ich mir Sorgen darüber machen, dass die Magensäure ihre Zunge verätzt. Meines Wissens nach ist die Speiseröhre wesentlich empfindlicher als die Zunge und wenn man sich fast übergeben muss, ist das wohl der Teil des Verdauungstrakts, bei dem man das als erstes bestätigt –  aber hey, vielleicht fehlt den Menschen dieser voll realistischen Paralleldimension – oder welche Welt das auch immer sein mag, auf der wir uns befinden – einfach ein Haufen Schmerznerven in der Speiseröhre. Problem solved.

Im vorletzten Absatz des Kapitels flüstert die Sklavin, die von Lonely Wolf begattet werden wollte, Samantha-13 zu, dass sie es gut haben wird, weil der voll kalte und brutale Mörder bei dieser alle drei Tage stattfindenden zelebrierten Vergewaltigung noch nie einer Serva ein „Leid angetan“ („Kapitel 1 – Ich bin eine Sklavin“, Absatz 52) hat. Muss ich auf die Widersprüchlichkeit dieser Aussage hinweisen? Offenkundig, sonst hätte ich sie nie lesen müssen, also: Nö. Nö, hat er nicht.

 

Damit endet das erste Kapitel und ich lasse dieses LA ebenfalls zu einem Ende kommen. Dementsprechend möchte ich mich der ersten großen Frage zuwenden: Ist „Jax: Warrior Lover“ gewaltverherrlichend?

Obwohl ich von dem ganzen Konzept angewidert bin, denke ich das nicht. Einerseits wird speziell auf den ersten paar Seiten immer wieder erwähnt, dass die Erzählerin die gesamte Vergewaltigungssache ebenso anwidert wie mich, sie nicht freiwillig hier ist und dass sie es als nicht gut empfindet, zum Geschlechtsverkehr gezwungen zu werden. Damit hätte man eine Reflexion oder zumindest einen Kommentar, der darauf hinweist, dass das im Buch beschriebene gesellschaftliche Verhalten nicht okay ist und damit wäre es lediglich Gewaltdarstellung, nicht -verherrlichung.

Auf der anderen Seite wird ab Kapitel zwei immer wieder betont, dass die Protagonistin es ja schon gerne mit Jax treiben würde, weil er ja so unfassbar attraktiv ist. Und während das eine meiner Einschätzung nach sehr unrealistische Darstellung einer Vergewaltigungssituation ist, wird doch ständig herausgearbeitet, dass sie die gesamte Situation als alles andere als schön empfindet. Wenn sie nicht gerade scharf auf ihn ist, heißt das.

Ist es hingegen seltsam, dass diese Grundsituation des unfreiwilligen Geschlechtsverkehrs als Vorlage für die Unterhaltung der Leser genommen wird? Nicht in dem Kontext der Seltenheit, aber dass es verwerflich ist, dürfte nicht schwer zu erraten sein. Ich würde ja glatt behaupten, dass gerade durch dieses Verhalten Vergewaltigungen als nicht so wild angesehen werden, was wiederum komplett falsche Signale sendet, aber hey, einhundertsiebenunddreißig Fünf-Sterne-Bewertungen auf Amazon können ja nicht irren.

Zu befürchten ist hingegen, dass Samantha im weiteren Verlauf des Romans eine Liebesbeziehung mit Jax eingehen wird und das eine der unrealistischsten und bedauerlicherweise auch ausgelutschtesten Szenarien ist, die ich mir vorstellen kann.

Wenn wir aber mal von der Verwerflichkeit des Grundthemas absehen, bleibt die Frage, was mit den restlichen Aspekten des Romans ist. Der Schreibstil ist kein Überflieger, aber er ist komplexer als Nomen-Verb-Objekt und wenn man hartnäckig ignoriert, dass Zahlen bis zwölf nun mal ausgeschrieben werden, ist die Orthographie auch in Ordnung. Das Bisschen Handlung, das es in den ersten zwei Kapiteln gibt, ist sehr vorhersehbar und einfach gehalten und den Charakteren fehlt jedwede Komplexität, die das Interesse des Lesers wecken könnten. Die handelnden Figuren, die im Zentrum des Buches stehen, werden als gut dargestellt und ihre negativen Eigenschaften sind entweder nicht der Rede wert, werden weitestgehend ignoriert oder als nicht wirklich verwerflich dargestellt.

Der Roman wird unter Fantasy geführt, die wohl für ein exotisches Setting sorgen soll, was aber ordentlich nach hinten losgegangen ist. Eine Gesellschaft, die aus notgeilen Psychopathen besteht, sollte nicht einmal ansatzweise die Möglichkeit haben, lange genug zu überleben, um überhaupt eine Stadt aufzubauen. (Wie auch immer die letztlich aussehen mag, so wirklich beschrieben wird ja prinzipiell so wenig wie möglich.) Ich habe ein wenig den Eindruck, als hätte man die evilbösesten Antagonisten genommen, die der 08/15-Charaktere-Shop gerade im Angebot hatte, ihnen sämtliche positiven Resteigenschaften genommen, sie dauergeil gemacht, in eine mehr oder weniger dystopische Welt gesteckt und das dann als Worldbuildung getarnt, um für Konflikte sorgen zu können, ohne dabei auch nur ansatzweise darauf einzugehen, inwiefern die Gesellschaft realistisch oder dauerhaft stabil wäre – aber hey, so wirklich stimmig muss es nicht sein, es geht ja um etwas ganz Anderes, wie wir alle wissen.

Abschließend bleibt mir zu sagen, dass ich die Warrior Lover-Reihe über einen anderen Teil entdeckt habe, der immerhin so weit war, die sexuellen Beziehungen auf einer überwiegend freiwilligen Basis zu betreiben – es darf also auf eine Verbesserung der erfüllten Ansprüche im Laufe der Fortsetzungen gehofft werden. Wirklich respektvoll gehen die Leute natürlich noch immer nicht miteinander um und von den Klischees, Falschinformationen und Recherchelücken distanzieren wir uns auch nicht allzu sehr, aber man soll ja nehmen, was man kriegen kann.

 

Details zum Roman:

Titel: Jax: Warrior Lover

Autorin: Inka Loreen Minden

ISBN: 978-3-8476-4660-0

Genre: Fantasy, Science-Fiction*

Erscheinungsjahr: 2014 (neobooks)**

Erschienen über: neobooks (E-Book)

Preis: 2,99€

Teil einer Reihe: ja, 1 von 7

Links: E-Book1; Rezension von DarkReader2; Definition von „Pöbel“3; Liste der Geschlechtskrankheiten4; Verhütungsmethoden5; Eheschließungen – veröffentlicht von Statistik Austria6

Stand: 30.01.2017

 

*: So richtig scheint sich das Buch nicht entscheiden zu können, was es sein will, denn ich habe in der Leseprobe weder Fantasy noch Science-Fiction entdecken können, lediglich stupide Stadtnamen und ein unerklärtes Etwas, das als Worldbuildung getarnt wird. Es sollte aber erwähnt werden, dass sich der Roman noch am ehesten als Erotik bezeichnen lässt.

**: Im Impressum wird nicht die Nummer der Ausgabe genannt, sondern das Copyright mit 2013 angegeben, während neobooks selbst 2014 angibt.

1: https://www.neobooks.com/ebooks/inka-loreen-minden-jax-warrior-lover-ebook-neobooks-24269

2: http://www.ebook.de/de/product/21091362/inka_loreen_minden_jax_warrior_lover.html

3: http://www.duden.de/rechtschreibung/Poebel

4: http://www.chlamydien-info.de/therapie/liste-geschlechtskrankheiten

5: http://www.profamilia.de/erwachsene/verhuetung/pearl-index.html

6: http://www.statistik.at/wcm/idc/groups/b/documents/webobj/mdaw/mdiy/~edisp/022158.gif; entnommen von http://www.statistik.at/web_de/statistiken/menschen_und_gesellschaft/bevoelkerung/eheschliessungen/index.html

 

 

Sämtliche Zitate sind aus dem unter „Details zum Roman“ genannten Buch vom unter „Stand“ genannten Datum entnommen. In Ermangelung einer Seitenzahl wird die Nummer der Absätze zum Beleg herangezogen. Sämtliche andere Daten sowie Links beziehen sich ebenfalls auf das Datum, das unter „Stand“ genannt wird. Durch das Klicken auf „E-Book“ gelangt ihr zu der Leseprobe und den Angaben zum Buch, auf die ich mich beziehe. Die Links dienen nicht dazu, Einnahmen zu generieren, sondern zum Belegen meiner Aussagen.

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