Ein Schild in der Dunkelheit

Ihre Schritte hallten durch die stummen Tunnel. Einige kamen als Echo zurück und erschwerten es, die Position der einzelnen Personen zu bestimmen. Alvar ging voran, die Kerze in der Hand. Hinter ihm waren drei weitere entzündet worden, damit niemand verloren ging.

Unruhig betrachtete der junge Mann die gewölbte Decke. In einem unregelmäßigen Muster durchzogen Rillen diese, die sich bis zu den Wänden fortsetzten, wo sie in fast parallel verlaufende, flache Linien übergingen.

Er war nicht zum ersten Mal in dem Tunnelsystem. Mehrmals hatte er es benutzt und war unbeschadet herausgekommen. Die Unruhe wollte dennoch nicht weichen. Am Rande seines Bewusstseins schien ein durchgehendes Summen zu sein, von dem er wusste, dass bestenfalls die Magier unter den Anwesenden es wahrnehmen würden.

Das Schweigen hinter ihm machte ihm dieses beiläufige Summen bewusster. Mehrmals warf er Blicke in alle Richtungen, aus denen potenzielle Angreifer kommen könnten. Bisher war er nie angegriffen worden, aber er hatte sich nur wenige Minuten bis eine Stunde in den Tunneln aufgehalten.

Der Boden war eben und glatt, als hätte jemand Jahrzehnte damit verbracht, ihn so angenehm zu begehen wie nur möglich zu machen. Alvar war sich sicher, dass dieses Ziel weder für ihn noch für seine Begleiter erreicht worden war.

Als hätte er seine Gedanken verbalisiert, hörte er Schritte, die sich ihm näherten, bis er im flackernden Kerzenschein eine junge Frau ausmachen konnte. Das Licht der kleinen Flamme war nicht stark genug, um ihm genauer zu zeigen, wie sie aussah, aber ihre Haut war deutlich dunkler als seine weiße und schwarze Locken umrahmten ihren Kopf.

„Und du weißt sicher, wo wir hier sind?“, fragte sie unvermittelt in die Stille hinein, nachdem sie ihn einige Sekunden starr angesehen hatte. Ihre Stimme warf Echos und unterbrach das Schweigen ebenso brutal wie ein Fuß, der auf einen dünnen Knochen trat und ihn zum Bersten brachte.

Ihr Blick zuckte kurz zu dem Weg vor ihnen, der in Dunkelheit gehüllt war, die von den vier Kerzen nicht ansatzweise vertrieben werden konnte. Als wäre vor ihnen eine Mauer aus Schwärze, die sich mit ihrem Fortschreiten weiter nach hinten verschob, nur um direkt hinter ihnen nachzurücken.

„Ja“, antwortete Alvar deutlich leiser. Die Tunnel warfen seine Antwort lauter zurück, als es ihm angenehm war, und er konnte es sich nicht verkneifen, sich unruhig umzusehen.

 

„Und woher?“, fragte Ali weiter, wenn auch mit gedämpfterer Stimme. Die Konversation war für die Schlusslichter deutlich zu hören, was Alvar beunruhigte. Aber dann hören wir auch andere, die sich uns nähern, nicht nur umgekehrt, bemühte er sich um einen positiven Blickwinkel.

Aus: "Wellenflügel: Der Sog der Kälte"


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