Fantasysetting vs. reales Setting | xmaswritingchallenge

Heute ausnahmsweise ein kleiner Blogbeitrag statt eines Tweets, da ich mir zu dem Thema bereits Gedanken gemacht habe und sie bei der Gelegenheit teilen wollte.


Die Frage zu Tag sieben der xmaswritingchallenge lautet: Findest du Fantasy oder reale Geschichten (also ohne fantastische Elemente) schwieriger zu schreiben?

Persönlich liegen mir fantastische Geschichten mehr, was wahrscheinlich viel damit zu tun hat, dass ich sie am liebsten lese und sie am meisten schreibe. Ich vertrete aber nicht die Meinung, das eine sei inherent anspruchsvoller als das andere.


Fantasy (und SF) erlauben es mir, alles zu schreiben, was ich möchte. Als fantastische Genres haben sie den Ruf, vollkommen frei zu sein, grenzenlos. Das mag bis zu einem gewissen Grad stimmen - die Schwierigkeiten liegen aber bei zwei Punkten: die Detailvielfalt und die Regeln. Mit ersterem meine ich, dass man sich zwar auf wenige Aspekte der eigenen Welt beschränken kann, aber je nachdem, welche Geschichte man erzählen will, braucht man mehr als ein Land, das man geographisch definiert hat, ein oder zwei kulturelle Details und ein Magiesystem. Weltenbau kann wesentlich mehr umfassen - Politik, Plattentektonik, Kampfstile und Waffen, Ökosysteme, Wirtschaft, Stars und Sternchen, bekannte Lieder, Bilder, Bücher, Sport, und noch wesentlich mehr. Umfasst die eigene Welt auch noch mehr als ein Land, erreicht man schnell eine Detailvielfalt, die nicht leicht zu stemmen ist.

Auf der anderen Seite stehen Regeln und Bedingungen. Geschichten brauchen Konflikte. Wenn ich eine Welt erfinde, in der alles relativ einfach möglich ist, raube ich mir jede Möglichkeit, eine interessante Geschichte zu erfinden. Auch Fantasywelten müssen nach inherenten Regeln funktionieren (Ausnahmen sind möglich, wie immer), und diese Regeln sollten nicht gebogen und gebrochen werden, weil man die Protagonisten in eine unlösbare Situation manövriert hat. Tut man das dennoch, gab es im Grunde nie einen Konflikt, denn ich löse ihn für meine Protas ja sofort auf, wenn es ernst wird, und damit ist die Geschichte in meinen Augen nicht gelungen.


Reale Settings, ob nun in der aktuellen Zeit oder in einer vergangenen, sind aus einem anderen Grund anstrengend, denn sie benötigen Recherche. (Unter der Annahme, dass ich meinen Lesern keinen kompletten Unfug erzählen und wissen will, wo genau ich mir meine kreativen Freiheiten nehme.) Persönlich habe ich schlicht nicht den Nerv, ewig lang vor einem Projekt zu recherchieren, weswegen ich mich nur in Settings bewege, mit denen ich mich schon ziemlich gut auskenne.


Andere Autoren finden aber das Recherchieren einfacher als das Erfinden ganzer Welten, und umgekehrt. Die Anforderungen sind nicht mehr oder weniger, sondern anders, und benötigen unterschiedliche Anstrengungen, um zum selben Ziel zu gelangen - eine gute Geschichte zu erzählen.