Interview mit Moritz | Buchtausch

Halbzeit! Sowohl Moritz als auch ich sind mit unseren Büchern (zumindest) schon zur Hälfte durch. Pünktlich zur Fünfzig-Prozent-Marke – bei Moritz heißt das: bis und inklusive das Kapitel „Die Sterne“ – haben wir uns deswegen gegenseitig ein paar Fragen gestellt.

 

Wie gefällt dir „Die Vermessung der Welt“ bisher?

 

Moritz: Ich bin beeindruckt. Die Zeit, in der die Geschichte spielt ist interessanter als ich angenommen hatte. Obwohl beide Wissenschaftler bemerkenswert sind, bevorzuge ich Humboldts Geschichten. :P

 

Wenn es darum geht die Glaubwürdigkeit des Buches zu bewerten, hege ich Zweifel. Ich bin mir nicht ganz sicher, da ich weder über Humboldt noch über Gauß mehr weiß.

 

Ein klarer positiver Punkt am Buch ist die Vielzahl an Entdeckungen.

 

Mich haben diese so angefixt, dass ich ein Abo abgeschlossen habe, sodass ich in Zukunft über den aktuellen Stand der Wissenschaft lesen kann. Ähnlich den Zeitungen, in denen Humboldts Bruder Alexander für ihn Erkenntnisse veröffentlicht hat. Ich bin auf jeden Fall gespannt wie es weitergeht!

 

 

 

Was hältst du von der Art, wie die Dialoge präsentiert werden?

 

Moritz: Es gefällt mir sehr. Ich bin mir nicht sicher, ob es am Schreibstil des Autoren oder an dem damaligen Sprachgebrauch liegt. Heute würde man es höchst wahrscheinlich belächeln oder als arrogant werten, wenn jemand so spräche. Auf mich macht das einen gehobenen Eindruck. Ich erwische mich das ein oder andere Mal beim Nacheifern. :‘D :)

 

Aber um auf die Frage zu antworten, „Die Vermessung der Welt“ gehört zu einem kleineren Teil von Büchern, die nicht mit Anführungszeichen arbeiten. Besonders beeindruckt hat mich die Tatsache, dass es der Autor schafft lange Schachtelsätze zu benutzen. Es macht das Lesen nicht einfach, aber die Herausforderung gefällt mir.

 

 

 

Was hältst du von den historischen Personen, Theorien und Ereignissen, die im Buch verstreut sind?

 

Moritz: Was die Personen angeht bin ich begeistert. Ich finde sie (be-)greifbar. Was ich damit meine ist, man erlebt sie als „normale“ Menschen und nicht als die erfolgreichen Genies dessen Wissen und Geist zu hoch für die Allgemeinheit sind. Das macht das Buch spannend. Gleichzeitig verunsichert mich das, da ich den Rest Zweifel nicht los werde, dass alles nur so ausgedacht ist, um eine gute Geschichte daraus zu machen.

 

Wie auch immer. Ich genieße es mich in den Dunstkreis der schlauen Köpfe zu begeben.

 

Die Theorien klingen plausibel. Amüsant finde  ich, dass sowohl Humboldt als auch Gauß davon träumen in „besseren Zeiten“ – sprich später – zu leben. Ihre Vermutungen zur Widerlegung einzelner Theorien sind ja durchaus richtig. (Was man als „später lebender“ Leser bestätigen kann.)

 

 

 

Was denkst du, wie wird es mit Gauß und Humboldt weitergehen?

 

Moritz: Humboldt ist gerade noch in Amerika. Er hat die Existenz eines Flusses bewiesen. Da er sein Leben nicht unnötig aufs Spiel setzen möchte, schickt er seine Sammlungen nach Deutschland zurück und widmet sich nun den Vulkanen. Darauf freue ich mich sehr, da er wahrscheinlich zu wiederlegen versucht, dass der Erdkern nur festes Gestein ist. Damit bahnt sich gleichzeitig ein Konflikt mit Goethe an, da Goethe der festen Überzeugung ist mit der Theorie richtig zu liegen und mit Humboldt einen „seiner“ Anhänger losgeschickt zu haben. Hier wird also ein Streit aufkommen.

 

Bei Gauß weiß ich es ehrlich gesagt nicht. Er hat sein „Lebenswerk“ bereits vollbracht und gründete eine Familie. Was noch kommt ist nicht abzusehen. Mich würde interessieren, ob sein „Gauß Verfahren“ im Buch eine Rolle spielen wird. Das war die erste Assoziation die ich beim Namen Gauß hatte.

 

Außerdem frage ich mich, ob die Rahmenhandlung, mit der das Buch begonnen hatte noch zuende erzählt wird.