Downlights 2017: Die schlechtesten Bücher

Oh, da war dieses Jahr einiges dabei. Ich möchte an der Stelle darauf hinweisen, dass ich zwar letztes Jahr versprochen hatte, „Erellgorh“ würde hier Eingang finden, ich das aber inzwischen nur noch halb nachvollziehen kann und die Sache einfach ruhen lassen möchte. Hier also die fünf schlimmsten Klogriffe meines Lesejahres 2017. Und nein, ich möchte nicht darüber sprechen, dass die korrekte Version von „Downlight“ „Lowlight“ lautet.


Platz fünf: „Die Unwandelbaren: Pharos“ von Laura Labas

Verdienter fünfter Platz. Absolut. Hier haben nicht die Ideen, der Weltenbau oder der Plot versagt, sondern die Protagonistin und, wesentlich schlimmer, der Schreibstil. Die Hauptfigur glänzt durch unbestechliche Dummheit, Ignoranz und der Eigenschaft, alles und jedem auf die Nerven zu gehen, abgesehen offenbar von den Personen im Buch, die ihr wichtig sind. Das wesentlich größere Problem hingegen sind die unzähligen Stilblüten, von denen es mindestens einmal alle drei Seiten eine gibt. Und die sind teilweise nicht einfach simple stilistische Fehlgriffe, sondern oft genug geradezu lustige Exemplare, insbesondere, wenn man sich visualisiert, was tatsächlich da steht, und nicht das, was die Autorin gemeint hat.

 

Rezension: Kurzfassung // Mammutversion


Platz vier: „Parzifal“ von Wolfram von Eschenbach

Ebenso wie die meisten anderen Leute stehe ich mit großen Teilen meiner Pflichtlektüre auf Kriegsfuß. Der Versroman „Parzifal“ ist meine diesjährige Nemesis. Der beste Teil war der Anhang mitsamt Kommentar, der die Literaturforschung von der theoretischen Seite aus betrachtet und etwas zu der Lebensrealität im Mittelalter erzählt, aber die eigentliche Geschichte ist Mist. Der Plot ergibt keinen Sinn, der Spannungsbogen ist nicht existent, die Charaktere praktisch alle gleich und letztlich alle gut, sodass es auch keinen Antagonisten gibt, und über den Schreibstil brauche ich wohl nichts zu sagen. Die meisten jahrhundertealten Dinge sind nun mal nicht besonders angenehm zu lesen.

 

Rezension: „Parzifal Teil eins“, „Parzifal Teil zwei“


Platz drei: „Die Legende von Enyador“ von Mira Valentin

Der Grund, warum dieser Roman die Bronzemedaille der furchtbarsten Bücher 2017 erhält, ist hauptsächlich der, dass dank des nicht reflektierten Verhaltens der Protagonisten, einen Menschendrachen wortwörtlich wie ein Besitztum, wie ein Eigentum zu behandeln, der Lesespaß gegen Null tendiert ist. Dabei waren die ersten einhundert Seiten sehr vielversprechend – gute Beschreibungen insbesondere der Atmosphäre und ein interessantes Konzept: Was wäre, wenn vier verschiedene Völker vier verschiedene Eigenschaften aufgeben würden, um Macht über die anderen zu erhalten? – Die Idee wurde nicht konsequent durchgezogen, was eine ordentliche Enttäuschung war, und plus der Implikationen bezüglich der Drachen war der Roman ein ordentlicher Reinfall.

 

Rezension: Kurzfassung // Mammutversion


Platz zwei: „Flammenwüste“ von Akram El-Bahay

Die Silbermedaille geht an den Reihenauftakt, der abgesehen von einem recht soliden Schreibstil nicht viel vorzuweisen hat. Die ersten hundert Seiten sind – mal wieder – gut gelungen, aber ab dem Sandsturm geht es mit allem bergab. Die Charaktere enthüllen ihre Naivität bis Dummheit, die Emotionen kommen nur oberflächlich rüber, die Antagonisten müssen unbedingt ihre Pläne erklären und der Plot wirkt generell eher uninspiriert. Und viele gelangweilte Kamele.

 

Rezension: „Flammenwüste


Platz eins: „Die Töchter des Drachen“ von Wolfgang Hohlbein

Das ist es also, das Schlechteste, das ich im gesamten Jahr gelesen habe. Absolut verdienter erster Platz.

Wie ich in der Rezension geschrieben habe, war das Buch ein Geschenk, ansonsten hätte ich es nie gelesen, weil ich bereits zuvor eher … suboptimale Erfahrungen mit Hohlbein-Büchern gemacht habe. Das hier war keine Ausnahme. Das Grundkonzept der Antagonisten Nummer eins war fehlerhaft und logiklöchrig bis zum Gehtnichtmehr, Antagonist Nummer zwei war nicht ganz so schlimm, aber auch alles andere als ein Paradebeispiel für das Konzept "gelungen", und warum die Protagonisten ihm am Ende helfen, ist mir mehr als nur schleierhaft. Um meinen Zustand in Bezug auf diesen Umstand zu beschreiben, bräuchte ich mindestens drei Augenbinden, herausgepickte Augen, beschädigte Sehnerven, ein fünffach verletztes Sehzentrum und am besten gar kein Gehirn, dann kommen wir dem, was ich für dieses Ende empfinde, so halbwegs nahe.

Die emotionale Entwicklung der Protagonistin ist in etwa so faul, wie der Mariannengraben tief ist, und sprunghaft wie ein Flummi, und ich habe noch nicht einmal mit den Weltenbaufehlern begonnen, was mich wieder zu diesem furchtbaren, dümmsten Ende aller dümmsten Enden bringt. Also ja, ich bereue es, meine Zeit mit dem Ding verschwendet zu haben, und werde nie wieder etwas von Wolfgang Hohlbein lesen.

 

Rezension: „Die Töchter des Drachen