Downlights 2018

Es ist mal wieder soweit. Die ersten Blätter werden rot, die ersten Kastanien fallen Hunden auf den Kopf, und die Kälte kehrt zurück. Wann war je ein besserer Zeitpunkt, zehn Monate nach Ende eines Jahres die schlechtesten Bücher dieses Jahres ins Rampenlicht zu rücken?

Hier sind sie, mit geringfügiger Verspätung: Die schlechteste Bücher, die ich 2018 gelesen habe.


Platz fünf: „Von den Grenzen der Erde“ (Rebekka Mand)

Der Roman eignet sich sehr gut als Einstieg in diese Liste. Er war definitiv nicht gut, aber es gab genug positive Aspekte, dass er an der Ein-Stern-Wertung knapp vorbeigeschrammt ist, darunter die Auflösung rund um den Schatz und dass man recht gut durch den Text kommt – allerdings erst nach der Hälfte. Die ersten dreihundert Seiten sind furchtbar langweilig und vom Klappentext vollständig gespoilert, und die Charaktere sind entweder dumm oder Arschlöcher höchster Güteklasse.

 

Kurzfassung // Mammutversion

 


Platz vier: „Sin City: Die Stadt ohne Gnade“ (Frank Miller)

Einer meiner ersten Comics (Graphic Novels, wie auch immer man) und gleich eine Vollkatastrophe. Zunächst einmal: Der Zeichenstil ist anstrengend. Durch die hohen Kontraste ist es manchmal schwer zu erkennen, was das Bild darstellen soll. Hinzu kommen jede Menge Gewalt, unliebsame „Protagonisten“ und ebenso unliebsame Antagonisten.

 

Ich habe einfach nichts übrig für derart düstere Welten, in denen alles verloren ist. Warum ich das Ding trotzdem gelesen habe? Pflichtlektüre. Das einzig Positive, das ich dazu sagen kann: Frank Miller weiß, wie man eine Geschichte erzählt. Ich hasse die Geschichte.

 

Rezension

 


Platz drei: „Es war einmal Indianerland“ (Nils Mohl)

Wenn wir gerade bei Pflichtlektüre sind – der erste Treppchenplatz darf natürlich nicht mit einfach irgendeinem Buch gefüllt werden. Oh nein! Denn „Indianerland“ ist eine sehr deepe, sehr kreative, sehr kunstvolle Geschichte über einen Jungen in der Sinnkrise und auf der Suche nach seiner Identität, wie ihr sie noch nie gesehen habt!

 

In erster Linie deswegen, weil sonst keiner auf die Idee gekommen ist, einen vollkommen normalen, pseudo-edgy Texte zu nehmen, einmal durch den Schredder zu jagen und dann dem hyperaktiven Wellensittich aufzutragen, die Schnipsel in eine Reihenfolge zu bringen. Das ist das einzige, das diesen Text hervorhebt, und es ist beschissen, also verdienter dritter Platz der schlechtesten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe.

 

Rezension

 


Platz zwei: „Das Horoskop der Pflanzen“ (Gabriele Hasmann)

Dieses Buch hatte Potenzial, mich dümmer zu machen. Es handelt sich nämlich nicht um einen Fantasyroman – oder um einen Roman – oder um eine Geschichte, sondern um ein „Sachbuch“, das sich gedacht hat: Hm, Astrologie ist nice, und Pflanzen sind nice, also was ist, wenn ich die beiden kombiniere?

 

Ich hatte ja auf ein paar unterhaltsame Details gehofft, die, nicht ernst genommen, vielleicht sogar ganz interessant sind, aber auf diesen zweihundert Seiten steckt so viel falsches „Wissen“, so viele Geschlechterklischees, so viele unbelegte Behauptungen, dass es beim Lesen wehtut, als würde man zusehen, wie ein Kaninchenbaby überfahren wird.


Platz eins: „Die Königin der Schatten: Verflucht“ (Erika Johansen)

Ich muss zugeben, dieses Jahr gab es viel und hartnäckige Konkurrenz um mein beschissenstes Buch 2018, aber das Ding hier hat sich knapp durchgesetzt. Es ist ein zweiter Teil, und ja, ich mochte den ersten Band, auch wenn ich mir inzwischen nicht mehr sicher bin, was das über meinen Geschmack aussagt.

 

Aber Gott, hier läuft alles falsch. Alle paar Absätze gibt es Kontinuitätsfehler, wichtige Aspekte von Charakteren werden mal eben eingebaut oder wieder ausgebaut, Kelsea verhält sich wie eine gottverdammte Idiotin, dessen Hirn man durch eine Amöbe ersetzt hat, und nebenbei werden noch lustige Themen wie SVV oder Verfolgung von Homosexuellen eingebaut.

 

Nichts ergibt einen Sinn, nichts wird mit dem Gewicht behandelt, das er verdient, und innerhalb von zehn Seiten ackert man sich durch „Oh nein, ich bin schöner geworden!“, „Wer ist der Kerl in meinem Zimmer?!“, „Ich will den vögeln!“, „Hau ab, du Kerl!“, „He, Leibwache, willst du mit mir vögeln?“, „Wie kann er es wagen, zu implizieren, ich wäre vorher nicht hübsch gewesen?!“, „Ich möchte mir wehtun“, und das alles, nachdem ein Schwuler für seine Homosexualität verstümmelt wurde.

 

Verdienter erster Platz. Absolut verdient.

 

Rezension