Der Kampf um Hjalgar (Torsten Weitze) | Verlagsgast

Stufe 3: Viele Spoiler
Stufe 3: Viele Spoiler

Im sechsten Teil der Paladin-Reihe wird die Suche nach den restlichen Paladinen unterbrochen: Hjalgar, Ahrens Heimatland, droht vom Widersacher überrannt zu werden.

Hier der obligatorische Hinweis darauf, dass dies die Rezension zu einem sechsten Band einer Reihe ist und sich Spoiler für die vorherigen fünf Bücher finden können. Die Rezension zum ersten Teil gibt es hier.

 

Des Weiteren: „Der dreizehnte Paladin“ wurde von einem Verlag, Bene Bücher, adoptiert, weswegen die Reihe nicht mehr zum Selfpublishing zählt. Da ich sie aber auf dem Blog zu rezensieren begonnen habe, werde ich die Rezensionen auch hier zu Ende führen – deswegen im Titel der Hinweis „Verlagsgast“.

 

 

 

Unerfreulicherweise habe ich guten Grund, einen Stern von meiner Wertung abzuziehen, denn obwohl es ein Korrektorat gibt, stecken im Text zu viele Fehler. Das reicht von Beistrichen bis zu doppelten Verben oder Wörtern, die beim simplen Drüberlesen herausstechen.

 

 

 

Ebenfalls bedauerlich: Ich kann verkünden, dass der Schreibstil die größte Schwachstelle der Reihe ist.

 

Er ist flüssig und zieht schnell in die Welt, auch wenn ich ein halbes Jahr nichts mehr aus ihr gelesen habe. Dafür finden sich andere Probleme: Füllwörter, Wortwiederholungen, zu viele Kommas, die den Lesefluss aufbrechen (die meisten nicht zwingend falsch gesetzt).

 

Die Beschreibungen hapern ebenfalls. Mit den Handlungen und Umgebungen kommt man gut mit, aber Emotionen und Atmosphäre sind Problemzonen. Einerseits sind die emotionalen Umschwünge zu abrupt, andererseits wirken einige Reaktionen übertrieben.

 

Hinzu kommt, dass die Wirkkraft einiger Szenen quasi nicht vorhandenen ist, da sie zu schnell abgehandelt werden. Ein Beispiel ist der erste Tod eines Nebencharakters durch einen Angriff auf Ahrens Leben: Innerhalb weniger Sätze ist die Todesszene abgehandelt, aber ihr fehlt sämtliche emotionale Strahlkraft, sodass ich nicht besonders mitgenommen von diesem plötzlich Tod bin.

 

Ein weiteres Beispiel ist die Belagerung von Dreiflüsse. Als Ahren dort ankommt, wird die Szenerie in wenigen Sätzen abgehakt, wodurch der Schrecken und die Beklemmung, die man aus diesem Bild hätte gewinnen können, nicht zur Entfaltung kommen. An anderen Stellen baut sich aber Atmosphäre auf; es wäre schön gewesen, wäre das Niveau konsequent hoch geblieben.

 

Ein nächster Punkt sind bedenkliche Wortwahlen, die ich an einem kurzen Zitat demonstrieren möchte:

 

„Falk konnte seine Vorfreude nicht verbergen und blickte die Elfe unverwandt an.“ (S. 35)

 

Na was jetzt? Freut sich Falk oder nicht? Warum schaut er Jelninolan distanziert an, wenn er sich freut? Die beiden Emotionen widersprechen einander, zumindest so knapp hintereinander und mit dem „und“ dazwischen, das keinen Widerspruch impliziert.

 

Solche und ähnliche Malheure ziehen sich durch den Text und mindern seine Qualität. Aber es ist nicht alles schlecht: Bemerkenswerterweise beißt sich der Humor nicht mit den düsteren Ereignissen. Es gibt genug Autoren, bei denen eine solche Kombination nach hinten losgeht, insofern ist hier Lob angebracht.

 

 

 

Während ich mit dem groben Plot des Romans nur ein Problem habe, das auch auf mein Vergessen zurückgeführt werden kann, gibt es einige Kleinigkeiten, die beim Lesen nicht gerade angenehm herausstechen. Es finden sich Kontinuitätsfehler und Ahren scheint an mehreren Stellen langsamer zu Schlussfolgerungen zu kommen als ich. 50 Seiten schneller zu denken als der als schlau porträtierte Protagonist ist weniger knorke.

 

Außerdem gibt es einzelne Instanzen, bei denen die Charaktere sich praktischerweise etwas dümmer verhalten als notwendig, damit ein anderer Plot Point vorangebracht werden kann. Beispielweise sucht Ahren zusammen mit den anderen Paladinen in einer ihm unbekannten Stadt die Stelle, wo er zum ersten Mal kranke Menschen gesehen hat. Freilich erinnert er sich an die Gassen nicht mehr – was nicht nötig ist, da wenige Schritt weiter das Grab der Paladine steht, dessen Position nicht gerade ein Geheimnis ist. Natürlich fällt unserem Helden erst in letzter Minute ein, dass er einfach auf dieses sehr große Monument hinweisen könnte – wobei selbst das noch eine entgegenkommende Darstellung ist. Er erwähnt es, halb in einem anderen Gedanken versunken, und Uldini muss ihm sagen, dass das ihr Orientierungsproblem löst.

 

Da ich gerade bei diesem Teil des Plots bin: Die Auflösung dieses ersten Antagonisten ist mir nicht ganz schlüssig. Woran ist der Kerl gestorben? Uldini hat nichts weiter gezaubert und sollte nicht plötzlich mehr Magie zur Verfügung haben, nur weil er sie jetzt effektiver nutzen kann. – Andererseits könnte sich meine Verwirrung auflösen, wäre mir eine ähnliche Szene mit Jelninolan aus einem der vorherigen Bücher noch besser im Gedächtnis geblieben, von daher könnte das eines der Details sein, das in den vorherigen Büchern erklärt wird.

 

Es findet sich auch deutlich mehr Politik. Einerseits mag ich ihre Darstellung – die Allianzen und Gruppenbildungen während der Konklave sind gut durchdacht –, andererseits gibt es auch hier Probleme. Eines der größten war die Entscheidung, ob Hjalgar aufgegeben werden soll oder gerettet:

 

Uldini, der Oberste der Magier, ist unentschlossen. Jelninolan, die in der Rangordnung etwas unter Uldini steht, ist für die Rettung. Sie stellt ihn öffentlich vor die Wahl: Entweder er stimmt im Namen der Magier für die Rettung, oder sie fordert ihn zum Duell um den Platz des Obersten heraus. Die Situation wird dadurch aufgelöst, dass Trogadon Uldini einen Krug gegen den Schädel hämmert. (Fragt nicht.)

 

Letztlich stimmt Uldini für die Rettung und alle tun so, als wäre nichts passiert. Er erklärt Ahren, dass er sich zum Kampf hätte entscheiden müssen, hätte Jelninolan ihn herausgefordert, weil sonst seine Autorität untergraben worden wäre. Klitzekleines Problem: Das wurde sie schon.

 

Um zu verdeutlichen, was in dieser Szene geschehen ist: Uldini hat sich nicht von Argumenten umstimmen lassen, sondern weil ihn Jelninolan unter Druck gesetzt hat. Die freundlichste Interpretation dieser Situation: Er hat ein Herz für die Elfe. Die realistische Interpretation: Er mag zwar der Oberste sein, aber er lässt sich von jemandem seine Handlungen vorschreiben, solange ihn dieser andere nur zum Duell herausfordert.

 

In einem besseren Buch hätte das ernsthafte Konsequenzen gehabt. Jelninolan hätte mit dieser Aktion einen Machtkampf unter den Magiern heraufbeschwören können, da Uldini eindeutig Schwäche gezeigt hat und sich lieber vor einem Kampf drückt, als zu seiner Meinung zu stehen. Was seinem Job als Oberster widerspricht.

 

Abgesehen davon habe ich noch zwei Anmerkungen: Sämtliche Truppenzahlen in diesem Kooperationsakt mehrerer Länder sind im vierstelligen Bereich, meistens im niedrigen. Nur zum Vergleich: Das geht geradeso als Legion durch, nimmt man die reine Truppenstärke römischer Legionen als Vergleich, von denen es mehrere gab, womit man schnell in die Zehntausender kommt. Aber sicher, ein halber Kontinent ist derart schlecht auf den Krieg vorbereitet, dass alle Truppen zusammengerechnet vielleicht fünfstellig sind.

 

Zweite Anmerkung und ausnahmsweise mal ein Lob: Kharas Zustand ist sehr gut dargestellt.

 

 

 

Da ich mich so sehr auf die negativen Aspekte konzentriert habe, hier ein paar positive: Der Weltenbau steht zwar nicht im Vordergrund, aber die Hungerleichen (= Zombies) und die Kentauren sind gut dargestellt und passen hervorragend in die etablierte Welt. Der Bogen von den unschuldigen Anfängen Ahrens zu den düsteren Tagen des Krieges ist ebenfalls sehr gut geschlagen worden.

 

In dieser Hinsicht muss ich den Aufbau der Reihe loben. Derzeit sind etwa die Hälfte der Paladine sind versammelt, die anderen fehlen noch, aber durch das Erscheinen des Ersten wird die bisherige Prämisse der Bücher (ein bis zwei Paladine finden und dabei in einen neuen Teil der Welt reisen) aufgelockert, da die Prämisse dieses Buches „rettet mein Heimatland vor dem dunklen Gott“ lautet. Zwar vermute ich, dass Teil sieben bis zwölf wieder Paladin-Suchen sein werden, aber zumindest der nächste Band verspricht andere Rahmenbedingungen für diese Suche. Gleichzeitig gibt dieser sechste Teil, in dem die Kämpfe und der Beginn des Krieges im Zentrum stehen, einen Einblick in das, was spätestens zum Finale auf den Leser zukommt, und ich formuliere es mal so: Ich traue Weitze vollkommen zu, eine dreizehnbändige Reihe zufriedenstellend und gut zu beenden. Nicht gerade etwas, das ich von jedem Autor behaupten würde.

 

 

 

Zusammenfassend ist „Der Kampf um Hjalgar“ eine etwas andere, aber gute Fortsetzung der Reihe, die den Kriegsbeginn behandelt, einen düsteren Ton anschlägt und gröbere Probleme beim Schreibstil hat. Dennoch ist der Roman sehr unterhaltsam; er lässt sich schnell lesen, die Spannung hebt und senkt sich an passenden Stellen, und das mangelhafte Korrektorat ist der Hauptgrund für die mittelmäßige Wertung.

 

 

Details zum Roman:

 

Titel: Der Kampf um Hjalgar

 

Autor: Torsten Weitze

 

Verlag: Bene Bücher

 

Erscheinungsjahr: 2019

 

ISBN: 978-3-947515-76-9

 

Genre: Fantasy

 

Preis: 15,99€ (s. Datum; deutscher Preis)

 

Seiten: 470

 

Reihe: ja; 6 von 13 (s. Datum)

 

Bewertung: 3 von 5 Sternen (s. Datum)

 

 

Stand: 21.09.2019