Die Inseln der Klingensee (Torsten Weitze) | 24. RW

Bisher konnte mich die Geschichte um den dreizehnten Paladin hauptsächlich aus zwei Gründen überzeugen: höchst interessanter Weltenbau und Ahren als gut durchdachter Charakter. „Die Inseln der Klingensee“ mischen diesen durchaus lesenswerten Trott etwas auf.

 

 

 

Es werden sich Spoiler für die ersten vier Teile finden. Hier geht es zur Kurzfassung für den ersten Band.

 

Ahren, nun ein voll ausgebildeter Waldläufer, und seine Freunde brechen aus dem Dschungel auf und fahren durch die Klingensee, einem weitläufigen Teil des Ozeans, auf dem mehrere Inseln verstreut liegen. Zwei Paladine sollen sie dort finden, Fisker und Aluna. Doch erneut müssen sie sich mit mehr als den üblichen Problemen herumschlagen.

 

 

 

Zum Schreibstil werde ich nicht viele Worte verlieren, da er sich im Vergleich zu den vorherigen Büchern kaum verändert hat. Die Umgebungsbeschreibungen sind in Ordnung, die Gefühle kommen gut beim Leser an und die Handlungen sind immer verständlich geschildert. An einigen Stellen wirkt die Exposition recht plump und Ahren muss dem Leser unbedingt ein paar Dinge vorkauen, bevor man noch selbst auf die Idee kommt, nachzudenken, aber das hält sich in Grenzen. Insgesamt ist der Schreibstil damit gut, aber nicht herausragend.

 

 

 

Ähnliches trifft auch auf die Handlung zu. Die trägt einen durch die Geschichte, wirkt aber an einigen Stellen ein Bisschen sehr zufällig.

 

Die großen Twists waren nicht vorhersehbar – mit einer Ausnahme. Sobald klar war, was Fisker in den letzten Jahrhunderten so getrieben hat, war auch klar, unter welchem Namen Aluna den Protagonisten bekannt ist.

 

Ansonsten gibt es einige Kleinigkeiten, die in meinen Augen keine große Aufregung wert sind. Ich bezweifle beispielsweise, dass Narwale so gut sehen können, dass sie in mehreren Metern Tiefe bei Mondschein die genauen Blautöne eines Steinbruchstücks erkennen können. Außerdem bin ich mir nicht sicher, warum Culhen, der inzwischen Pferdegröße erreicht hat, aufs Schiff kann, aber Selsena, die ebenfalls Pferdegröße hat, soll es nicht können. Sind zwei etwa schon zu viel?

 

Mein größtes Problem liegt darin, wie mit der katastrophalen Beziehung zwischen Fisker und Aluna umgegangen wird. Natürlich haben beide eine Mitschuld, und beide haben furchtbare Sachen getan. Aluna wird aber die meiste Zeit als Fiskers Opfer gesehen und behandelt, als hätten seine Taten sie dazu gezwungen, seine Ausrüstung zu stehlen, sein Vertrautentier zu foltern und mehreren Tausend Menschen zu ermorden. Umgekehrt muss Fisker aber die volle Verantwortung für seine Taten tragen, und dass Aluna auch nicht gerade ein Unschuldslamm ist, spielt dabei interessanter Weise keine Rolle.

 

 

 

Zu den beiden kann ich ansonsten nur sagen, dass sie gute Charaktere sind. Sie schleppen jede Menge Konflikte mit sich herum, wirken aber nicht übertrieben. Beide kann ich irgendwie verstehen und beide sind im Grunde zu Verbrechern der schlimmsten Sorte geworden. Die Frage, die in dem Kontext aufgeworfen wird – Wieviel mehr dürfen sich Paladine herausnehmen, nur weil sie Paladine sind? – ist eine wichtige, und ich fände es interessant, wenn sie weiterhin verfolgt wird.

 

Ahren ist aus seiner rückgratlosen Hormonphase weitestgehend herausgewachsen und ist insgesamt viel reifer als in den vorherigen Büchern, was mir sehr gut gefällt, da mir sein jugendliches Gehabe auf die Nerven ging. Ganz im Reich der Erwachsenen ist er noch nicht angekommen, aber wenn man ihn mit seinem jüngeren Ich des ersten Bands vergleicht, ist ein enormer Unterschied erkennbar.

 

Seine Romanze mit Khara ist inzwischen halbwegs in Ordnung, weil Khara aufgehört hat, sich wie ein Arschloch zu verhalten. Für das, was sie am Ende auf sich nimmt, bringe ich ihr Respekt entgegen. Auch wenn ich diese Ein-Jahr-Warten-Regel für bescheuert halte.

 

Zuletzt noch kurz zu Sven, der wohl im sechsten Band eine ziemlich große Rolle spielen wird. Er ist okay. Er war seit dem ersten Buch als Psychopath angelegt und der Dunkle Gott ist ihm nicht gerade eine Hilfe dabei, seine Rachegelüste zu unterdrücken. Das bisschen Mitgefühl, das ich bei seiner Verbannung hatte, ist inzwischen verflogen, also warte ich einfach mal ab, wie genau er sterben wird.

 

 

 

In Bezug auf den Weltenbau gab es dieses Mal nicht sehr viel Interessantes zu holen. Die Pirateninsel sollte wohl kurz erwähnt werden, da sie ganz nett ist. Am meisten hätte mich interessiert, was Khara am Ende erlebt hat, wie sie es erlebt hat und wie die Kultur des Volkes aussieht und sich jetzt weiterentwickeln wird, aber ich kann verstehen, wieso der Erzähler bei Ahren geblieben ist.

 

Das, was für mich am herausragendsten am gesamten Roman ist, ist der Schwerpunkt auf das Trauma der Paladine. Mehrere Jahrzehnte des Krieges und Jahrhunderte des relativen Friedens gehen nicht spurlos an einem Menschen vorbei, und nur, weil er überlebt hat, heißt das noch nicht, dass er noch einmal in den Krieg ziehen kann oder eine besonders große Hilfe wäre.

 

Diese Einsicht gibt Ahren und seiner Welt eine neue Tiefe, und ich hoffe sehr, dass sie in den Folgebüchern nicht komplett vergessen wird.

 

 

 

Alles in allem ist „Die Inseln der Klingensee“ ein guter Roman, der sich ebenso gut in die Reihe einfügt. Er ist ein wenig anders als die bisherigen, da er einen anderen Schwerpunkt setzt, und ich habe das Gefühl, dass das ein Wendepunkt für die gesamte Reihe sein könnte, wenn er weiter fortgeführt wird. In jedem Fall bin ich gespannt, was diese Geschichte noch alles hergeben wird.

 

Details zum Roman:

 

Titel: Die Inseln der Klingensee: Der dreizehnte Paladin

 

Autor: Torsten Weitze

 

Veröffentlicht über: Amazon Selfpublishing

 

Erscheinungsjahr: 2018

 

ISBN: 9781730978777

 

Genre: High-Fantasy

 

Preis: 15,99€ (s. Datum)

 

Seiten: 420

 

Reihe: ja, 5 von 13 (s. Datum)

 

Bewertung: 4 von 5 Sternen (s. Datum)

 

Stand: 13.01.2019