Kurzfassung: Splitter der Nacht (Katrin Ils) | 33. RW

Spoiler-Warnung, geprüfte Qualität: Stufe 0.
Stufe 0: Keine Spoiler.

Jara lebt in einer Stadt, die von den Machtkämpfen der Magierzirkel zerfressen ist – und als Schattenmagierin, eine der seltensten Magierinnen, steckt sie mitten drin. Ein Diebstahl, der eigentlich ohne Probleme gelingen sollte, entgleist vollkommen, als einer der gefürchtetsten Zirkel der Stadt eingreift – und Jara allmählich hinter die Intrigen ihres Zirkels kommt.

 

Abgesehen von sehr vereinzelten Tippfehlern und einer kleinen Zahl an Sätzen, die ich zwei- oder dreimal lesen musste, um sie zu verstehen, habe ich am Schreibstil nicht auszusetzen. Er vermittelt effizient, was passiert, wer etwas macht und wieso das funktioniert, die Beschreibungen treffen Atmosphäre und Innenleben der Protagonistin gut, und der Lesefluss ist derart mitreißend, dass ich die 190 Seiten an einem Tag durchgelesen habe.

 

Charaktere und Plot lassen ebenfalls wenig bis nichts vermissen. „Splitter der Nacht“ ist eines der offenbar selten gewordenen Bücher, in denen de facto intelligente Charaktere miteinander in de facto Sinn ergebenden Intrigen um Macht ringen, und die Plottwists sind dementsprechend weder vorhersehbar noch überflüssig. Zusätzlich kommen innere Konflikte hinzu, da Jara, ebenso wie alle anderen handelnden Personen, eine Reihe traumatischer Ereignisse durchgemacht hat, was psychisch nicht an ihr vorbeigegangen ist.

 

Der Weltenbau ist ausgesprochen effizient. Als Kurzroman hat der Text nicht die Zeit, absatzlang über das Magiesystem zu schwadronieren. Der Leser wird direkt ins Geschehen hineingeworfen, der gesamte Weltenbau wird in einzelnen Kommentaren, Nebenbemerkungen und nur gelegentlichen expliziten Erklärungen vermittelt, und das derart gut, dass es lediglich einzelne Momente gibt, die sich mir nicht sofort erschließen.

 

Mein größter – und wohl auch – subjektivster Kritikpunkt ist die ausufernde Grausamkeit und der Gore, wobei ich mich hier vor allem auf die Folter im ersten Drittel beziehe. Ich formuliere es mal so: Es wundert mich nicht, dass Katrin Ils inzwischen auch an einer Horroranthologie mitgeschrieben hat. Mir ist allerdings bewusst, dass ich in dieser Hinsicht eher zart besaitet bin, auch wenn ich mit den meisten Folterszenen in der High-Fantasy inzwischen wenig Probleme habe.

 

Mein Fazit lautet: Wer gut mit Gore klarkommt und auf schlaue, schnelle High-Fantasy steht, sollte sich „Splitter der Nacht“ näher ansehen. Wer mit Gore nicht so gut klarkommt, sollte sich das Buch zweimal überlegen – oder die entsprechenden Stellen überblättern.

Details zum Roman:

Titel: Splitter der Nacht

Autor: Katrin Ils

Veröffentlicht über: Tolino Media

Erscheinungsjahr: 2018

ISBN: 9783739432175

Genre: High-Fantasy

Preis: 2,99€ (s. Datum)

Seiten: 190

Reihe: nein (s. Datum)

Bewertung: 4 von 5 Sternen (s. Datum)

Stand: 28.07.2020