Lichtherz (Evelyne Aschwanden) | 34. RW

Stufe 2: Einzelne Spoiler.
Stufe 2: Einzelne Spoiler.

 

Yu und Toby wollten eigentlich nur nach einem Geist in der Schule suchen, als sie unvermutet über einen schwebenden Jungen stolpern – und kurze Zeit später von einem jahrtausendealten Orden gejagt werden. Denn der Junge ist kein einfacher Energiewandler, und der Orden hat mit ihm noch eine Rechnung offen. Yu und Toby finden sich inmitten eines Konflikts wieder, der nichts mit ihnen zu tun hat – zumindest scheint es so.

 

Abgesehen von ein paar Formatierungsfehlern, die zwar recht unerwartet, aber auch von sehr geringer Zahl sind, habe ich fast nichts am Schreibstil auszusetzen. Er ist gut gelungen und zieht in einen angenehmen Lesefluss. Das und die Formatierung der gedruckten Seiten führt dazu, dass man sehr schnell durch das Buch kommt.

Ebenfalls erfreulich sind die Spannungsmomente, die sowohl gelungen aufgebaut als auch gut gehalten werden, sowie die Emotionen, die stellenweise wirklich gut rüberkommen – dazu später mehr. Mein einziger Kritikpunkt bezieht sich auf die Zeitsprünge, die nicht immer eindeutig markiert sind, sodass man ohne Übergang im nächsten Satz plötzlich ein paar Stunden vorgesprungen ist, was den Lesefluss stört.

 

Am Aufbau des Textes habe ich ebenfalls nichts zu meckern. Das Mysterium rund um Yus Vergangenheit und um die phantastischen Elemente wird bereits früh angeteasert und stückchenweise erklärt, sodass Spannung und Interesse erhalten bleiben. Bereits ab etwa der Mitte gibt es Plottwists – mich konnten allerdings erst die am Ende, also in etwa auf den letzten einhundert Seiten, überraschen, aber es waren alle Twists sinnvoll und nicht einfach nur da, damit halt irgendetwas Unerwartetes passiert. Apropos unerwartet: Dazu lässt sich auch das Ende zählen, das mich tatsächlich kurz dazu hinreißen konnte, eventuell doch den zweiten Teil lesen zu wollen.

Ich finde ebenfalls lobenswert – und auch gut umgesetzt –, dass mit zwei Klischees gebrochen wird. Einerseits geht es ausnahmsweise nicht darum, dass die Protagonisten so tief wie möglich in eine neue, magische Welt eintauchen wollen – der Gegenteil ist der Fall. Vielleicht ändert sich das noch im Laufe der Reihe, zumindest in „Lichtherz“ kommt aber wenig Juhu-Magie!-Feeling auf.

Andererseits wird die Problematik einer einzelnen Informationsquelle hervorgehoben, die in diesem Fall die Gestalt von Bonnie annimmt. Es wird auch bearbeitet, wie sich das Selbst- und Fremdbild der beiden konträren Seiten unterscheidet, und wenn ich raten müsste, würde ich mal behaupten, dass die Wahrheit irgendwo zwischen diesen beiden Polen liegt.

 

Bonnie ist im Übrigen mein absoluter Lieblingscharakter in „Lichtherz“. Nicht nur ist er charmant, humorvoll und sehr offenherzig, hinter seinem Charakter verbirgt sich auch ein interessantes Konzept und ein noch interessanterer Konflikt, den ich hier nicht spoilern möchte. Ich habe fast jede Szene mit ihm genossen, und sogar die Liebesgeschichte war erträglich – was auch daran liegt, dass die beiden keine Pappaufsteller sind, Zeit miteinander verbringen und ich zumindest eine vage Ahnung habe, warum sie sich mögen.

Zu der Protagonistin Yu hatte ich zwar keinen so guten Draht, ich finde sie aber sympathisch. Bemerkenswert sind bei ihr die emotionalen Aspekte und auch Traumata, die sehr gut und sehr mitreißend geschildert werden.

Zu den Nebencharakteren kann ich nicht viel sagen, da sie mir überwiegend egal sind, die Antagonisten hingegen sind gut gelungen. Ihre Grausamkeit lässt sich auch mit der Hintergrundgeschichte nicht rechtfertigen und vor allem der Kidnapper wird hervorragend inszeniert – ich verstehe, warum Yu Angst vor ihm hat, und jedes Mal, wenn er eine Szene betritt, steigt automatisch die Spannung, da er tatsächlich als Bedrohung rüberkommt. – Falls sich jemand wundert, wieso ich das so sehr betone: Mir ist aufgefallen, dass in sehr vielen Geschichten die Antagonisten nicht wirklich als Bedrohung verstanden werden, zumindest von mir nicht, weil ihre Inszenierung schlecht umgesetzt ist. Deswegen finde ich es umso erfrischender, dass das hier nicht der Fall ist.

Zum Twist Villain möchte ich aufgrund von Spoilern nicht viel sagen, er ist aber vielschichtig und der Plot Twist ergibt Sinn.

Was ich noch besonders loben möchte, sind die Beziehungen zwischen den Charakteren. Das ist noch ein Punkt, der ähnlich wie die Inszenierung der Antagonisten selten wirklich gut umgesetzt wird: Es wird gesagt, dass Protagonist A seine Eltern B und C sehr, sehr lieb hat, aber das wird kaum dargestellt. Yus Beziehung mit ihrem Vater hingegen ist so eindeutig liebevoll, dass ich ihren Wunsch, ihren Vater vor dem ganzen Mist zu schützen, tatsächlich nachvollziehen kann.

 

Insgesamt habe ich nicht furchtbar viele Kritikpunkte, weswegen ich „Lichtherz“ auch jedem empfehle, der sich für Urban Fantasy interessiert. Der Grund für meine vergleichsweise niedrige Wertung von drei Sternen liegt darin, dass ich trotz all dieser gelungenen Aspekte einfach nicht in die Geschichte hineingefunden habe – beziehungsweise nur stellenweise, wenn etwa Yus Trauma eine Rolle spielt oder Bonnie irgendetwas anstellt. Das ist auch der Grund, weswegen ich den zweiten Teil nicht lesen werde – trotz der vielen positiven Aspekte.

Details zum Roman:

Titel: Lichtherz: Die Energiewandler-Chroniken Band 1

Autor: Evelyne Aschwanden

Veröffentlicht über: epubli

Erscheinungsjahr: 2020

ISBN: 978-3-7529-4993-3

Genre: Urban Fantasy

Preis: 12,99€ (s. Datum)

Seiten: 415

Reihe: ja, 1 von 3 (s. Datum)

Bewertung: 3 von 5 Sternen (s. Datum)

Stand: 15.11.2020