Die schlechtesten Bücher 2020 | Lowlights

 

Nachdem 2020 ein erstaunlich gutes Lesejahr war, sowohl was den Sterneschnitt (3,3/5), als auch was die Zahl der 4,5- und 5-Sterne-Bücher angeht, ist es nun Zeit, sich der Schattenseite zuzuwenden. Praktischerweise habe ich genau fünf Bücher, die nur einen Stern bekommen haben.

 

Platz 5: „Das Erwachen des Feuers“ von Ryan Anthony

Eines von zwei Büchern, das ich 2020 abgebrochen habe, aber nur das fünftschlechteste Buch des Jahres. Ich wollte es eigentlich auf Englisch lesen – bin aber mit der extrem formalen Sprache des Berichts am Anfang nicht zurechtgekommen. Erfreulicherweise wurde das Buch dann auf Deutsch übersetzt, und irgendwann im Jänner oder Februar habe ich es gelesen.

 

Der Grund, warum ich es zwar abgebrochen und mit einem Stern bewertet, aber kaum einen Groll gegen den Roman habe: Es hat einfach nicht Klick gemacht. Meiner Meinung nach hätte man mehr aus dem Weltenbau herausholen können, aber er war nicht furchtbar. Die Charaktere waren auch okay, aber ich habe keinen Draht zu ihnen gefunden – und nach ein paar hundert Seiten ist mir allmählich die Leselust ausgegangen.

 

1 Stern: Rezension

 


4. Platz: „Drachenmünzen: Wahrheit“ von Anna Dannbauer

Diesen selbstverlegten Roman habe ich ebenfalls zu Jahresbeginn gelesen, und obwohl das Erlebnis insgesamt ein sehr negatives war, erinnere ich mich hauptsächlich an die paar Lichtschimmer am Horizont: Die Beziehungen zwischen den Charakteren waren sehr gut dargestellt und die Grundidee hatte einiges an Potenzial.

 

Das Buch war aber voller Rechtschreib- und Grammatikfehler, was der Hauptgrund ist, weswegen es nicht doch noch 2 Sterne wurden, und sowohl die Geheimorganisationen als auch die Antagonisten sind nicht so gut umgesetzt, wie ich gehofft hatte. Ebenso wie der fünfte Platz ist „Wahrheit“ jedoch ein Buch, an das ich keine besonders negativen Erinnerungen habe – eher Bedauern.

 

1 Stern: Rezension

 


3. Platz: „Feuer der Leere“ von Robert Corvus

Und damit verabschieden wir uns von den Schlecht-aber-nicht-furchtbar-Büchern und kommen zu denen, die das Papier nicht verdienen, auf dem sie gedruckt sind (bzw. den Speicherplatz des E-Readers).

 

Von Robert Corvus habe ich bereits ein Buch gelesen, „Grauwacht“, das ich damals okay fand – die Charaktere waren aber bereits hier einer der Schwachpunkte des Texts. Was soll ich sagen - abgesehen von einem interessanten Grundkonzept hat „Feuer der Leere“ nichts außer Langeweile, inneren Monologen, Rumphilosophiererei und einer bemerkenswert großen Zahl an Szenen mit nackten Protagonisten (ohne Sex, was es nicht besser macht) zu bieten.

 

Keiner der Protagonisten ist sympathisch, die meisten Eigenschaften direkter Charakterisierung durch andere Figuren können im Text selbst nicht nachgewiesen werden – Gott bewahre, dass man sieht, wie intelligent ein Charakter ist, wenn man es doch auch einfach gesagt bekommen könnte! –, und die ewig langen Monologe werden sehr schnell sehr repetitiv. Zukünftig werde ich es mir zweimal überlegen, ob ich etwas von Corvus in die Hand nehmen möchte.

 

1 Stern: Rezension

 


2. Platz: „Träume aus Nacht und Ewigkeit“ von Kenzie Phoenix

Albträume und Traumwelten, ein poetischer Titel und ein schönes Cover – klingt doch vielversprechend? Leider wurden diese Versprechen nicht wirklich eingehalten.

 

Auch hier finden sich unfassbar repetitive innere Monologe, die Beschreibungen sind umständlich und an so mancher Stelle beinahe nichtssagend, die Protagonistin verhält sich kaum besser als der Antagonist – ich bin mir im Übrigen nicht sicher, ob das beabsichtigt ist, denn thematisch würde es sehr wohl Sinn ergeben –, der Antagonist selbst wirkt in etwa so gefährlich wie ein falsch rum am Boden liegender Reißnagel und das Ende wäre ja beinahe in Ordnung gewesen, hätte es nach der Waldszene tatsächlich geendet. Aber nein, so kann man ein Buch über Albträume nun wirklich nicht enden lassen.

 

1 Stern: Rezension

 


1. Platz: „Ilse Witch“ von Terry Brooks

Hart erarbeiteter erster Platz.

 

„Ilse Witch“ hatte ich mir 2017 auf die Wunschliste gesetzt, nachdem ich die ersten zwei Kapitel gelesen hatte. 2020 habe ich mir die ersten zwei Kapitel durchgelesen und mich ernsthaft gefragt, wie schlecht mein Englisch gewesen sein muss, dass ich die offensichtlichen Probleme im Schreibstil nicht mitbekommen habe.

 

Die Ausgangssituation ist, mal wieder, interessant, aber die Umsetzung ist eine Katastrophe. Der Schreibstil ist dabei nur eines von vielen Problemen: distanziert, tell statt show für beinahe alles, repetitiv (und damit meine ich eine Wiederholung der bisherigen Handlung des Buches auf Seite 40 oder so, weil das kann man ja zwischendurch vergessen, ne?), ineffektiv in Bezug auf die Kommunikation von Informationen und schon wieder mit mehr inneren Monologen, als gut für die geistige Gesundheit sein kann.

 

Die Charaktere waren alle unsympathisch und abgesehen von der Ilse Witch selbst uninteressant; ich hatte keine Ahnung, auf wessen Seite ich laut Text stehen sollte, da alle bereits jede Menge Dreck am Stecken haben und sich nicht darum bemühen, keinen neuen anzusammeln – und es hat mich einfach nicht interessiert, was mit den Charakteren passiert. Aus meiner Sicht hätten sie alle tot umfallen können, das hätte wenigstens das Buch frühzeitig beendet.

So habe ich das selbst in die Hand genommen und es noch vor der zweihundertsten Seite abgebrochen. Von Terry Brooks werde ich zukünftig ebenfalls die Finger lassen – wenn man schon eine zweistellige Zahl an Büchern geschrieben hat und sich der Roman noch immer wie von einem Schreibanfänger liest, spare ich mir weitere Lektüren, vielen Dank.

 

1 Stern: Rezension