Mammutversion: "Der dreizehnte Paladin: Ahren" von Torsten Weitze (11. RW)

Als ich diesen Roman als Lektüre auswählte, war ich nur darauf aus, ein Buch zu finden, das mich tatsächlich interessieren könnte und das ich für meine Juni-Rezension verwenden kann. Dabei habe ich den schweren Fehler begangen, nicht darauf zu achten, wann der zweite Teil rauskommt – und, sagen wir’s mal so, ich weiß jetzt wieder, wieso ich sonst abgeschlossene Reihen bevorzuge.

Ahren hat nicht gerade die besten Chancen, sein Leben in den Griff zu kriegen, als der Waldläufer Falk ihn unter seine Fittiche nimmt. Dank ihm kommt er wieder auf die Beine und es scheint bergauf zu gehen – bis er einen schlafenden Gott auf sich aufmerksam macht. Einen Gott, der vor siebenhundert Jahren unter Mühen verbannt wurde – und der nun wieder erwacht. Ahren muss zusammen mit Falk und einem Magier fliehen, und nur langsam wird ihm klar, welche Aufgabe vor ihm liegt.

 

Erinnert ihr euch noch daran, als ich bei „Lichtsturm: Die weiße Festung“ darüber gelästert habe, dass die Orthographie nicht sitzt und ich deswegen meinen eigenen Regeln folgend einen Stern von einem Roman abziehen muss, den ich ansonsten empfehlen kann? Nein? – Macht nichts, das hier ist dieselbe Situation. Ich kann „Ahren“ verdammt gut leiden, aber das macht die ganzen ausgelassenen Kommata bei Nebensätzen, die ausgelassenen Apostrophe beim Genitiv von „Likis“, die fehlerhaft verwendeten Satzzeichen und viele andere teils sehr einfach zu behebende Fehler nicht wett. Und das macht mich wirklich, wirklich wütend.

 

Denn die positiven Seiten „Ahrens“ beginnen bereits beim Schreibstil, der ausgewogene, aber zu längeren Konstrukten tendierende Satzlängen präsentiert, was mir zusagt. Hinzu kommt ein Lesefluss, der sehr schnell sehr mitreißend wird, und zwei der größten Stärken werden bereits auf den ersten paar Seiten erkennbar: die Gefühls- und die Umgebungsbeschreibungen.

Erstere sind glaubwürdig, mitreißend und einfach nur gelungen. Es gibt vielleicht zwei oder drei Sprünge, die ich nicht wirklich nachvollziehen kann und wo ein überleitender Satz ausgelassen wurde, und wenn mich das auch grämt, so überdeckt es den allgemeinen Eindruck nicht. Mit den handelnden Figuren hatte ich sofort einen Draht und speziell mit dem Protagonisten habe ich mitgefiebert – eine Phrase, die ich nicht sehr häufig verwende, da sie meistens nicht wirklich zutrifft. Als besonders hervorstechendes Beispiel möchte ich den Überfall in den Rittermarschen anführen. Ohne groß zu spoilern – ich möchte euch schließlich dazu bringen, das verdammte Ding zu lesen – sind hier die Gefühlswelt und die Reaktionen Ahrens so gut und glaubwürdig beschrieben, wie ich das sonst nur selten erlebt habe.

Auch das zweite große, mit fettem Stift und in einem satten Grünton geschriebene Plus – die Umgebungsbeschreibungen – kann ich fast durchgehend loben. An einigen Stellen fallen sie etwas rar aus, aber es reicht immer, um sich die Umgebung vorzustellen – das Minimum ist also stets gewahrt – und es gibt sehr viele Stellen, an denen das Bild der Umgebung inklusive Atmosphäre wunderbar rüberkommt.

Die Beschreibungen der Handlungen sind ebenfalls gelungen, stechen aber nicht wirklich hervor und weisen speziell ab der Hälfte einige störende Sprünge auf – ebenso, wie die orthographischen Fehler nach der Hälfte nochmal zulegen. Dennoch hat Torsten Weitze auch bei diesem Bereich insgesamt gute Arbeit geleistet, sodass ich abgesehen von einigen leicht zu korrigierenden (und deswegen umso ärgerlicheren) Schnitzern nichts zu bemängeln habe.

Dennoch gibt es einzelne Stilblüten oder Wörter, die entweder falsch oder schlecht gewählt sind, und der eine Satz, in dem RUMGEBRÜLLT wurde, hat meine Hoffnung zerstört, einmal eine Rezension zu einem selbstverlegten Buch schreiben zu können, in dem ich nicht auf diese Unart hinweisen muss. Zumal es nur ein Satz war. Einer. Bin ich die einzige, die an diesem Buch so ein kleines Bisschen verzweifle?

 

Sogar zur Handlung habe ich ein paar nette Sachen zu sagen, nebst ein paar weniger netten Sachen. Prinzipiell ist diese nämlich kaum vorhersehbar, was hauptsächlich daran liegt, dass man zusammen mit Ahren im Dunkeln gelassen wird, wohin die Reise geht und was genau eigentlich los ist. Umgekehrt gibt es einige Stellen, an denen man bereits ein paar Zeilen zuvor genau weiß, was passieren wird – beispielweise die obligatorische Stümperei eines Jungen, der allmählich zum Mann wird und sich in der Gegenwart potenzieller Fortpflanzungspartner spontan wie ein Idiot verhält.

Fairerweise muss ich hierzu ergänzen, dass ich tatsächlich viele Jugendliche (beiden Geschlechts) kenne, die eine solche oder ähnliche Phase durchgemacht haben, und es wird auch weniger auf die sexuelle Ebene eingegangen, mehr auf die, dass man in der Gegenwart des anderen Geschlechts plötzlich nicht mehr weiß, wie man sich verhalten soll. Meiner Meinung nach ist es noch immer überzogen und recht extrem ausgelegt, und dass es mich genervt hat, kann ich auch nicht bestreiten, aber ich sehe, warum es im Plot inkludiert wurde. Zumal es nur einen sehr kleinen Teil einnimmt, wofür ich sehr dankbar bin.

Es gibt aber auch genug Szenen, die Überraschungen für den Leser bereithalten und die ich ausnahmsweise nicht mit Beispielen anführen werde, weil ich bereits eine davon gespoilert habe und weil ich euch dazu bringen möchte, euch selbst überraschen zu lassen – ja, trotz der Grammatik, Rechtschreib- und Interpunktionsfehler. Nun aber zum lustigen Teil. Meine Kreide ist bereit.

Beginnen wir damit, dass der Hüter Ahrens gebrochene Hand heilt, indem er die Knochen wieder in die richtige Position schiebt. Dazu zwei Dinge. Erstens: Er kann, und darauf wird explizit eingegangen, nur Dinge verschieben. Das bedeutet aber auch, dass der Knochen nicht zusammengewachsen ist und ein großer Teil der Heilung noch aussteht. Zweitens heißt das auch, dass die Verletzungen, die die gesplitterten Knochen verursacht haben (Muskeln, Bindegewebe, Blutgefäße, …) noch immer nicht verheilt sind und sich via Schmerznerven beim Hirn melden sollten.

Positiv hervorzuheben ist, dass die Ausbildung Ahrens sehr glaubwürdig und gut geschildert wird, ohne dass es langweilig wird. Auch erscheint es mir nicht, dass er zu schnell zu gut wird – außer vielleicht gegen Ende, aber das liegt wahrscheinlich daran, dass die zwei Jahre, die zwischenzeitlich vergangen sind, in kaum einhundert Seiten abgehandelt wurden und sich deswegen nicht so „real“ anfühlen wie die ersten paar Wochen.

Dann noch etwas, was ich eigentlich als Detailfehler bei einer Aussage Falks verbuche, aber dennoch hier aufführen möchte. Falk meint nämlich, Ahren würde erst seinen dreizehnten Sommer beginnen – zwei Jahre später ist es der sechzehnte. Da alles andere sonst passt, würde ich mal darauf spekulieren, dass Falk „vierzehnter Sommer“ gemeint hat, denn dann ergibt alles wieder Sinn und alle sind zufrieden.

Ein etwas größeres Problem habe ich mit der Behauptung, Ahren müsse, wenn er für die drei Götter kämpfen wolle, es wirklich freiwillig tun und könne nicht dazu gezwungen werden. Die Ausgangssituation ist übrigens folgende: angepisster Gott will Schöpfung der drei anderen Götter zerstören – mit Ahrens Hilfe kann das aufgehalten werden – wenn er es nicht tut, wird’s sehr, sehr unangenehm für alle, für ihn, für die, die er liebt, … Nö, ich sehe hier natürlich überhaupt keinen Zwang zur Selbsterhaltung – ich meine, zum freiwilligen Handeln für die „gute“ Sache. Ich meine, so eine Weltuntergangskiste ist jetzt nicht wirklich etwas Bedrohliches …

Verwirrt bin ich auch, weil angeblich ein Zeichen der drei Götter, das man bei sich trägt, in vielen Fällen ausreichen soll, um den Geist des gegnerischen Gottes von dem Träger abzulenken. Wirklich? Ein simples Symbol reicht dafür aus? Es ist nicht mal magisch oder irgendetwas? Wie?

Wenn der gegnerische Gott dann aber mit seinem Geist umherschweift und Leute berührt, passieren zwei verschiedene Dinge, je nach Aussage. Hypothese A: Er kann nur die willensschwachen Menschen unter seinen Knüppel bringen. Hypothese B: Man stirbt, wenn er einen berührt, es sei denn, man ist ein Paladin oder … irgendetwas. Äh. Hä? Wie funktioniert das jetzt genau? Wenn man willensschwach ist, stirbt man nicht, muss sich ihm aber unterwerfen, wenn man willensstark ist, stirbt man aber? Wieso bewegt dieser faule Gott seinen Geist nicht einfach zu all den Leuten, die ihm gefährlich werden können und die nicht gegen ihn geschützt sind, und tötet sie einfach, wenn eine simple Berührung dafür ausreicht?

Ebenfalls anzukreiden habe ich, dass die Wunden (nicht Selsenas) beneidenswert schnell, unkompliziert und schmerzlos abheilen. Ich verstehe, dass sie Heilkräuter haben, aber dass die so gut sind, dass es nie zu einer Entzündung kommt, die Wunden selten schmerzen oder hinderlich sind und alles immer schön abheilt, glaube ich nicht.

Bevor ich zum letzten Kritikpunkt komme, möchte ich die Spannung loben, die viele Stellen des Buches auszeichnet – und selbst, wenn es gerade nicht spannend ist, wird es nicht langweilig. Das ist zumindest teilweise auch dem Humor geschuldet, der zwar nur leicht ausgeprägt ist, dafür aber nicht erzwungen wirkt und das Buch teilweise spürbar auflockert:

„Immergrün ist eine derart krude Übersetzung [aus der elfischen Sprache], als würde ein Elf statt ‚Tiefstein‘ ‚schweres Ding, das Klonk macht und weit nach unten reicht‘ sagen. Es ist nicht nur ungenau und wenig ästhetisch, es lässt dich in ihren Augen wie einen Idioten klingen.“ (Seite 100)

Und jetzt zum letzten Punkt, der hoffentlich in der Fortsetzung aufgeklärt wird: Am Ende wollen Ahren, Falk, der Magier und eine Elfe zu einem Zwerg, den sie auf der anderen Seite des Kontinents finden. Um zu ihm zu gelangen, wollen sie quer durch ein für sie ungeschütztes Gebiet gehen – obwohl sie einen Großteil der Strecke im Elfenwald zurücklegen könnten, in dem sie vor ihren Feinden geschützt wären.

 

Damit komme ich zu dem nächsten Grund, weswegen ich die Lektüre so genießen konnte – die Charaktere. Allgemein kann ich zusammenfassen, dass die Hintergründe glaubhaft wirken, wenn sich das Potenzial auch noch nicht zur Gänze entfaltet hat, und es wirkt nicht so, als wären die Figuren nur Schablonen, sondern mehr, als hätten sie tatsächlich eine Vergangenheit, Erfahrungen, Wünsche, Ziele und Ängste, die sie verfolgen würden.

Das beginnt bereits bei der Hauptfigur Ahren. Seine Geschichte ist eine, die es so oder so ähnlich schon sehr oft gegeben hat – er ist mitschuldig an dem Tod seiner Mutter, da seine Geburt diese geschwächt hat, woraufhin sein Vater zu trinken beginnt, ihn für das Ableben verantwortlich macht und ihm nichts mehr gönnt. Die dargestellten Erziehungsmethoden sind auch … suboptimal und obwohl das unterm Strich ziemlich generisch klingt, kann ich guten Gewissens sagen, dass es interessant zu lesen ist.

Denn einer der Gründe, wieso ich Ahren so mag, ist nicht nur, dass er sich plausibel verhält, sondern auch, dass er aktiv ist und um seine Zukunft kämpft, selbst wenn die Chancen auf einen Sieg noch so gering sind. Er ist nicht der kleine verängstigte Junge, der sich selbst unendlich bemitleidet, jedem auf die Nerven geht und letztlich auch den Leser abschreckt, sondern er ist ein misshandeltes Kind, das die Stärke findet, so lange um ein gerechteres Leben zu kämpfen, bis er selbst nicht mehr an diese Möglichkeit glaubt.

Obwohl Ahren im weiteren Verlauf der Geschichte eine sehr prominente Rolle bekommt und auch das weder neu noch innovativ ist, behält er sich Schwächen und Fehler bei, ist und handelt nicht perfekt, macht einen Haufen Dummheiten, die teils etwas überzogen wirken, überwiegend aber nur dazu beitragen, dass er menschlich bleibt – kurz, man kann ihn als einen Charakter im eigentlichen Sinne des Wortes bezeichnen.

Sein Lehrmeister Falk ist ein ganzes Stück brummiger, distanzierter und pessimistischer, und über ihn kann ich dasselbe sagen wie über Ahren. Er ist nicht perfekt, sondern eine Figur, die sich darum bemüht, irgendwie mit den ihr gegebenen Umständen fertig zu werden und das Beste daraus zu machen.

Ähnliches trifft auf Uldini zu, wenn er auch einen anderen Charakter hat und sich selbst mehr in der aktiven Rolle sieht. Selsena ist die einzige Schwachstelle bei den Protagonisten, und selbst bei ihr kann ich so etwas wie eine eigene Motivation mit eigenen Meinungen und Gedanken sehen. Es würde mich sehr freuen, wenn sie im nächsten Buch etwas mehr Aufmerksamkeit geschenkt bekommt, aber beschweren kann ich mich nicht.

Selbst den Antagonisten geht es gut, wenn sie auch diejenigen mit dem meisten Verbesserungspotenzial sind. Die Dunkelwesen beispielweise sind zwar die Urbösen, aber vor dem ersten Neumond sind sie normale Tiere, ehe sie von dem, der zwingt unter Kontrolle gebracht werden.

Dieser wiederum – der angepisste Gott von vorhin – hat, man glaube es kaum, eine eigene Geschichte, die meiner Meinung nach ausgesprochen tragisch ist, ohne dabei pathetisch zu wirken. Wenn man im Hinterkopf behält, unter welchen Umständen der Krieg zwischen ihm und der Schöpfung der drei Götter ausgebrochen ist, kann man ohne weiteres sagen, dass auch er als Charakter etwas taugt.

Er hat in diesem Roman zwar nur eine passive Rolle und kommt persönlich nicht vor, aber ich setze darauf, dass Torsten Weitze seinen wichtigsten Antagonisten nicht verschandeln wird – und ihn vielleicht sogar dazu nutzt, den Dualismus, in dem auch seine Figuren oft genug den Kopf verstecken, aufzuzeigen. Es ist schließlich nicht so, dass es diesen Krieg grundlos gibt, die eigene Seite hat daran eine gewisse Mitschuld und der Widersacher ist ebenfalls jemand mit einer Vergangenheit – etwas, das die Charaktere gerne vergessen, wenn sie von seiner Vernichtung sprechen. Gleichzeitig: Er nutzt seinerseits jede Möglichkeit, ihren Tod herbeizuführen.

Die teils recht philosophischen Fragen, die sich aus dieser Situation ergeben, wurden bisher nur gestreift. Wie gesagt, ich hoffe da auf die Fortsetzung(en).

 

Bevor ich nochmal ins Lob verfalle noch zwei kritischere Anmerkungen. Zunächst einmal fand ich es überraschend (auf eine gute Art und Weise), wie das Bildungssystem mit Blick auf die Geschlechter ausgeprägt ist, aber die Verteilung der Götter zollt dem keinen Respekt. Von den drei Göttern, von denen einer ist, der andere formt und die letzte fühlt, ist natürlich diejenige mit den Emotionen weiblich.

Ich find’s super, dass es eine Göttin unter den Dreien gibt, aber die Verteilung ist dann doch etwas sehr klassisch ausgefallen. Zumal der, der zwingt – der angepisste Gott – ebenfalls männlich ist. Allerdings muss ich mich hier gleich wieder ein wenig einschränken – hätte Torsten Weitze diesen angepissten Gott zu einer angepissten Göttin gemacht, hätte er leicht unter den Vorwurf geraten können, Frauen prinzipiell als hasserfüllte Kreaturen zu betrachten, was eine ungerechtfertigte Verallgemeinerung wäre. Ich finde es nach wie vor ziemlich ausgelutscht, der einzigen Göttin Emotionen als Schwerpunkt zuzuschreiben, aber an der Stelle möchte ich auch betonen, dass „Ahren“ nicht sexistisch ist – den Bechdel-Test würde das Ding wahrscheinlich nicht bestehen und sowohl die Elfe als auch Selsena sind als Schöpfung von der, die fühlt sehr empathische Wesen, aber Selsena zu unterstellen, sie sei auf dieses eine Merkmal reduziert worden, würde davon zeugen, dass man an den falschen Stellen ein paar Seiten übersprungen hat.

Zumal es genug Nebenfiguren gibt, die ebenso gehandhabt werden wie die männlichen. Es würde mich zwar freuen, wenn noch eine nicht-elfische weibliche Person eine prominentere Rolle spielen würde, aber wie gesagt: als sexistisch würde ich den Roman nicht bezeichnen.

Mein zweiter Kritikpunkt richtet sich an die Zwerge, bei deren Volk brav alle Klischees abgegrast wurden: rumpelnde Sprache, leben im Gebirge (überwiegenderweise), mögen Edelsteine und -metalle, haben für Schmiedekünste ein natürliches Gefühl … Was mir hingegen Hoffnung gibt, ist die Sache mit den Nichtzwergen am Ende, und da im nächsten Buch dieses Volk näher ergründet werden soll, bleibe ich gespannt, ob nicht doch noch ein paar neue Aspekte hinzukommen.

Bei den Elfen war das letztlich auch der Fall. Tatsächlich habe ich hier das Gefühl, dass die Art, wie sie sich verhalten und wie sie leben, zwar althergebracht und absolut nichts Neues ist, aber die Begründung dahinter habe ich in der Form noch nicht gesehen. Ähnliches, ja, aber nicht in dieser Ausprägung.

Nur am Rande: Dass trotz der Geschichte der Elfen alle in Immergrün friedlich zusammenleben und die soziale Ordnung wahren, glaube ich nicht. Es interessiert mich sehr, was die elfische Gesellschaft mit diesen paar Ausreißern macht, die sich dem etablierten System nicht beugen wollen.

Zum Schluss möchte ich noch kurz die moralischen Botschaften beziehungsweise die philosophischen Kratzer anreißen, die einer der Gründe sind, wieso ich „Ahren“ als Anwärter auf die fünf Sterne (ohne orthographische Fehler) sehe, aber eben nur als Anwärter. Genauer gesagt gibt es zwei Botschaften, die teils sehr offensichtlich präsentiert werden.

Die erste: Das einzige, das Ahren nicht machen darf (so zumindest sein Meister Falk), ist aufgeben. Ob man es unbedingt als ein nicht dürfen formulieren sollte oder nicht, darüber kann man sich streiten, aber die Kernbotschaft, immer dranzubleiben, sich nicht in sein vermeintliches Schicksal zu ergeben, so widrig die Umstände auch sein mögen, ist eine, die wohl die meisten Menschen als wertvoll erachten werden – und ich bin keine Ausnahme.

Die zweite bezieht sich auf die ewige Diskussion der Erziehung versus der biologischen Determinierung. Falk beispielweise vertritt die Auffassung, dass die Menschen nicht schlecht geboren werden, sondern dass die Erziehung, die Sozialisation, ihre Umgebung sie zu dem macht, was sie sind. Zumindest momentan ist man sich beispielweise in den Erziehungswissenschaften recht sicher, dass es letztlich ein Zusammenspiel beider Faktoren ist, aber gerade der eine oder andere Fantasyautor könnte sich an diesem Denken eine Scheibe abschneiden.

 

Zusammenfassend kann man sagen, dass „Ahren“ alles andere als innovativ ist – und trotzdem funktioniert der Roman. Getragen von Spannung und einem leichtfüßigen Humor, mehrschichtigen Charakteren und einem angenehmen Schreibstil, einer durch ein paar neue Variationen geschmückte Welt und einigen philosophischen Anrissen kann man sich ein paar schöne Stunden machen, wenn man über die nicht zu verzeihende Tatsache hinwegsieht, dass das verdammte Wasser im Nudelsalat gelassen wurde. (Hier könnt ihr eure Bildungslücke schließen, wenn ihr das mit dem Salat nicht verstanden habt.)

 

Und weil ich „Ahren“ als ein sehr empfehlenswertes Buch betrachte, es dennoch den vierten Stern gemäß meinen selbstauferlegten und zu Zwecken der Fairness ins Leben gerufenen Regeln nicht verdient hat, werde ich ab sofort eine Art Trostpreis einführen. Wenn mir ein Buch besonders gut gefallen hat, die Sternewertung jedoch über viele der positiven Aspekte hinwegzutäuschen droht, werde ich die Sternedrachen auf einem goldgelben Hintergrund präsentieren – als Zeichen dafür, dass es noch Luft nach oben gibt, ihr euch aber von drei Sternen nicht abschrecken lassen solltet.

 

Das nächste Buch Torsten Weitzes erscheint im Herbst dieses Jahres und mit etwas Glück gehört es zur Ahren-Reihe. Ich werde mich bis dahin in Geduld üben und versenke mich in Vorfreude, die ja angeblich die schönste Freude sein soll.

Details zum Roman:

Titel: Der dreizehnte Paladin: Ahren

Autor: Torsten Weitze

Veröffentlicht über: Amazon CreateSpace Independent Publishing Platform*

Erscheinungsjahr: 2017

ISBN: 99781520599762

Genre: Fantasy

Preis: 14,99€ (s. Datum)

Seiten: 432

Reihe: ja, Band 1 von ?** (s. Datum)

Bewertung: 3 von 5 Sternen (s. Datum)

Stand: 08.04.2017

 

*Bei Amazon steht „independently published“, laut der letzten Seite im Buch wurde es aber von Amazon gedruckt. Ich denke daher, dass es sich um Amazon CreateSpace handelt, stehe aber für Korrekturen offen.

 

**Zur Zahl der geplanten Bücher habe ich keine Angaben gefunden. Fest steht, es soll eine Fortsetzung geben. (Die „1“ auf dem Cover ist da ein kleiner Wink mit dem Zaumpfahl.)


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