Mammutversion: "Die Ernennung: Der dreizehnte Paladin" von Torsten Weitze (15. RW)

Eigentlich liebe ich mehrteilige Romane. Ich kann der dadurch möglichen Ausführlichkeit und dem schrittweisen Erschließen einer Fantasywelt sehr viel abgewinnen, aber die Erfahrung zeigt, dass genau dieser zweite Schritt ins Universum des Autors hinein meistens auch mein letzter ist. Dementsprechend war ich gespannt, was „Die Ernennung“ zu bieten hat.

 

Bis zur Wintersonnenwende muss Ahrens Ernennung zum Paladin vollzogen sein, sonst bricht der Krieg mit DEM, DER ZWINGT viel zu früh aus und bringt ein Abschlachten der unvorbereiteten Völker mit sich. Für die Ernennung muss er noch einen letzten Einhan finden, der diese vervollständigen kann – doch der schlafende Gott setzt alles daran, die Ernennung herauszuzögern.


Mal wieder muss ich meinen eigenen Regeln zufolge einen Stern für die Grammatik (und den durcheinandergekommenen Satzzeichen) abziehen und wieder tut mir das im Herzen weh, denn wieder wird dadurch die eigentlich verdiente Wertung in den Dreck gezogen. Regeln sind aber nun mal Regeln und mit Vorschusslorbeeren habe ich bereits schlechte Erfahrungen gemacht.

 

Damit wäre auch schon mein größter Kritikpunkt abgehandelt, denn ansonsten konnte mich „Die Ernennung“ rundum begeistern. Das fängt bereits mit dem Schreibstil an, der das Niveau des ersten hält – vielleicht sogar ein wenig überbietet – und dementsprechend alles fein säuberlich beschreibt, sodass mir nie eine Handlung zu sprunghaft, eine Umgebung zu schleierhaft war. Auch die Gefühlsbeschreibungen sind sehr gut gelungen, wie das auch schon beim Vorgänger der Fall war.

Hinzu kommt, dass man schnell nicht nur in die Geschichte, sondern auch in einen Lesefluss hineingesogen wird, sodass man nur wenige Sätze braucht, um den Roman würdigen zu können. Dieser erinnert am Anfang noch einige Seiten lang an die Ereignisse des ersten Bandes, was ich zunächst nervig fand, da ich mich noch daran erinnern konnte, aber später kamen dann andere Teile der Handlung ins Spiel, für deren Auffrischung ich dankbar war.

„Die Ernennung“ legt auch in puncto Spannung keinen Sturz hin und ist insgesamt sehr angenehm zu lesen. Zu hundert Prozent bin ich aber nicht vom Stil überzeugt – es gibt vereinzelte englische Wörter, die das Gefühl der fremden Welt leicht stören, es wird ein wenig GEBRÜLLT, ab und zu gibt es Wortwiederholungen und die Dialoge wirken nicht immer ganz natürlich. Dennoch kann all das dem Stil nicht wirklich zum Fallstrick werden.

 

Die Handlung ist solide – nicht besonders überraschend, aber auch nicht zu vorhersehbar. Beeindruckender ist der Mangel an Plotlücken, von denen ich genau zwei auftreiben konnte.

Erstens: Wieso verbirgt sich Jelninolan nicht unter einer Illusion und verhindert damit, dass die Menschen sie als Elfe erkennen?

Zweitens: Wieso zaubert Uldini, wenn zwar keine Schwarmkrallen oder ähnliches Getier zur Gruppe gesendet werden können, der Leuchtende Pfad aber sehr wohl noch für Probleme sorgen kann?

 

Und damit zu einer der großen Stärken der Paladin-Reihe: die Charaktere.

Ahren bleibt weiterhin ein geradezu greifbarer Protagonist. Er macht am laufenden Band Fehler, ist weit von Perfektion entfernt und dennoch wirken die ungünstigen Situationen nicht so, als wären sie krampfhaft erzwungen worden, um den Charakter realistischer zu gestalten, sondern als würden sie sich schlicht aus seinen Handlungen ergeben. – Es ist also genau so, wie es sein sollte.

Dementsprechend überrascht es nicht, dass er seine Portion Schwächen hat, sowohl physische als auch charakterliche, die ihm nur allzu oft unter die Nase gerieben werden oder ihm undankbare Mädchen aus dem Ewigen Reich einbrocken. Gleichzeitig gleitet er nie in die Passivität ab; er fühlt sich in der Rolle des Lernenden und Eingreifenden wohler als in der des Beobachters, und das spiegelt sich auch in seinen Handlungen wider.

Die übrigen Charaktere sind ebenfalls, sofern sie mehr als nur eine Randerscheinung sind, vielschichtig und gut durchdacht, selbst die Nebencharaktere. Insgesamt ist die einzige Schwäche unverändert der Antagonist der Reihe – DER, DER ZWINGT. (Im Buch ist der Name des Gottes in der Formatierung mit dem Namen „Kapitälchen“ verfasst, nicht in Großbuchstaben.) Im ersten Band bekam der Gott zwar so etwas wie einen möglichen Grund für sein Handeln, für seine Boshaftigkeit, aber gerade im Kontrast zu den sonst sehr gut ausgearbeiteten Charakteren fällt auf, dass ich mir ihn dennoch nur schwer als Protagonisten seiner eigenen Geschichte vorstellen kann.

Aber auch hier: Noch ist der letzte Teil der Reihe nicht erschienen, und wenn mich „Die Ernennung“ etwas gelehrt hat, dann dass ich etwas Vertrauen ist Torsten Weitzes Fähigkeiten setzen darf.

 

Der gesamte Roman ist zusätzlich durch einer Prise Humor unterstützt, der teils vollkommen überraschend zuschlägt, teils erwartet in Form von gewissen spitzzüngigen Charakteren. Er ist zwar nicht tragend, trägt aber zu der guten Unterhaltung bei.

Dieser zweite Teil der Paladin-Reihe hat mir auch in Bezug auf sein Setting erneut gezeigt, was an Reihen alles so wundervoll sein kann. Es wurde sehr gut auf die Zwerge eingegangen, die ich trotz meiner Befürchtungen als gelungen und ebenso wie die Elfen zwar nicht als etwas Grundneues, aber auch nicht als besonders klischeehaft und auf jeden Fall als gut umgesetzt ansehe, und die Beziehungen zwischen den einzelnen Völkern wird ebenfalls sehr schön dargestellt.

Generell habe ich in diesem Band bemerkt, wie detailliert die Welt ist und wie viele verschiedene Kulturen sie bevölkern. So treffen im Silbernen Kliff, einer der Heimaten der Zwerge, Ahrens Lebensrealität und die der Elfe auf die der Zwerge, es wird an einem Punkt an eine Schmiedin aus dem ersten Band erinnert, die wiederum aus einer eigenen Kultur stammt, und gleichzeitig gurkt Khara herum, die aus dem Ewigen Reich mit seinen Eigenheiten stammt.

Hinzu kommt, dass der Roman, wenn er Weisheiten raushaut, tatsächlich auch gute vermittelt. (Meine Lieblingsweisheit Falks lautet übrigens: „Sei. Kein. Idiot!“) Er streift auch eine ganze Menge Themen, darunter auch ethische Fragen, die zwar nur vereinzelt wichtig für Ahren und damit für den Plot sind, die sich aber gut ins Gesamtbild einfügen.

 

Also ja – ein hervorragendes Beispiel für einen zweiten Teil, der mir Vertrauen in eine Reihe gibt, die hoffentlich noch viele ebenso unterhaltsame Romane hervorbringen wird. Der Schreibstil ist sehr gut mit kleineren Störungen, die Charaktere wunderbar ausgearbeitet, die Welt facettenreich, die Handlung solide und der Hauptgrund für die „schlechte“ Wertung ist das fehlende Korrektorat.

 

Dennoch: Auch „Die Ernennung“ hat sich seine drei Sterne mit Auszeichnung verdient, wie ihr am goldenen Hintergrund beim Bildchen unten sehen könnt.

Details zum Roman:

Titel: Die Ernennung: Der dreizehnte Paladin

Autor: Torsten Weitze

Veröffentlicht über: Independently published (Amazon)

Erscheinungsjahr: 2017

ISBN: 9781522094081

Genre: Fantasy

Preis: 15,99€ (s. Datum)

Seiten: 490

Reihe: ja, Band 2 von ?* (s. Datum)

Bewertung: 3 von 5 Sternen (s. Datum)

Stand: 31.08.2017

 

 

*: Ich konnte diesbezüglich noch immer keine Informationen auftreiben, aber einen weiteren Band wird es wohl sicher noch geben.


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