Mammutversion: "Der dreizehnte Paladin: Die Eherne Stadt" von Torsten Weitze (16. RW)

Nachdem mich der zweite Band der Paladin-Reihe so überzeugt hatte – ich fand ihn tatsächlich ein kleines Bisschen besser als den ersten –, war ich mir ziemlich sicher, dass „Die Eherne Stadt“ keine Enttäuschung sein würde. Und jetzt wisst ihr, warum ich in Bezug auf Reihen ein kleines Vertrauensproblemchen habe.

 

Breaking News: Die Rezension zum dritten Band einer Reihe enthält Spoiler für die vorherigen. Ich war auch überrascht.

 

 

Nach der knapp gelungenen Ernennung Ahrens zum dreizehnten Paladin müssen die Gefährten die restlichen Paladine finden. Einer von ihnen, Bergen, befindet sich in der belagerten Ehernen Stadt, des Verrats angeklagt und vom Sonnenkaiser totgewünscht. Es liegt an Ahren und seinen Begleitern, die Situation zu entschärfen und sich Bergens Loyalität zu sichern.

Fangen wir mit dem ersten Punkt an: Das Korrektorat war nicht effizient genug. Ja, ich habe gesehen, dass im Impressum nun eine Korrektorin angeführt ist, die auch als Lektorin kreditiert wird, und auf beides möchte ich im Folgenden mit je drei Zitaten eingehen. Zu den Grammatikfehlern zählen unter Anderem dass-/das-Fehler und Zeichenfehler, wobei ich damit nicht nur Beistriche meine, sondern auch Fragezeichen und Punkte, die ebenfalls durcheinandergewürfelt wurden.

Ich habe diesem Roman mit etwas weniger als 450 Seiten zwölf Fehler eingeräumt, und während ich theoretisch dreizehn anführen müsste, um meinen Punkt eindeutig zu belegen, lasse ich es bei drei, weil ich auch Zeug zu tun habe. Beginnen wir mit:

„[…] und Ahren streichelte das Fell des Tieres bis der Wolf sich beruhigt hatte.“ (Seite 4)

Beistrichfehler. Vor „bis“ gehört ein Beistrich, da danach ein Nebensatz folgt, was man daran erkennen kann, dass das Prädikat („hatte“) am Satzende, nicht an zweiter Stelle steht („Der Wolf hatte sich beruhigt“ versus „der Wolf sich beruhigt hatte“.)

 „Die Söldnerin wand sich unter dem harten Blick dieser lebenden Legende, die heute früh noch Ziel ihres Hinterhalts gewesen war.“ (Seite 145)

Groß-/Kleinschreibung. „früh“ ist kleingeschrieben das Gegenteil von „spät“, großgeschrieben bezeichnet es „die Früh“, also den Morgen, der hier gemeint ist.

„Wir gehen gemeinsam zu unseren Quartieren zurück und morgen wirken wir ein schön verzweigtes Zaubernetz das ganz langsam und leise die Stadt absucht.“ (Seite 339)

Wieder: Beistrichfehler. „das“ leitet einen Nebensatz ein („absucht“ steht wieder ganz hinten). Und nein, die Fehler sind nicht die ersten drei, die ich gefunden habe, sondern die, die ich auf die Schnelle gefunden habe, da ich mir keine guten markiert hatte. Dementsprechend gibt es einen Stern Abzug von der Gesamtwertung.

Höchst professionelle Skizze eines menschlichen Auges.
Höchst professionelle Skizze eines menschlichen Auges.

Jetzt zum Lektorat:

„Als der Gestank so intensiv wurde, dass Ahrens Augen tränten und er das Gefühl hatte, er würde an einem schwülen Sommertag vor einem Berg aus aufgeblähten Leichnamen an einem schwülen Sommertag stehen, […]“ (Seite 42)

Ich hoffe sehr, ich muss auf das Problem nicht hinweisen. Ebenso sehr hoffe ich, dass der Fehler irgendwann während der Textverarbeitung geschehen ist und nicht während des Lektorats übersehen wurde.

„Ihre Pupillen wirkten regelrecht schwarz im diffusen Licht des dunklen Raums.“ (S. 82)

Sofern „Pupille“ nicht irgendein Dialekt für „Iris“ oder „Auge“ ist, ist diese Angabe schlicht dumm. Sollte es eine Mundart sein, möchte ich an der Stelle darauf hinweisen, dass Mundarten regional begrenzt sind und man sich daher gut überlegen sollte, wann man sie in welcher Dosis einsetzt.

               „Der Effekt war so einfach wie effektiv.“ (Seite 298)

Mein Problem mit dem Satz erklärt sich hoffentlich von selbst.

 

 

Also ja, es gab durchaus die eine oder andere Stilblüte, außerdem eine kleine Dosis WIR SIND ALLE GANZ AUFGEREGT AAAAH und englische Wörter. Um aber zum wichtigeren Teil zu kommen: Der Schreibstil ist, wie auch in den ersten beiden Romanen, flüssig und trägt seinen Teil dazu bei, in die Geschichte zu finden. Im Gegensatz zu diesen ersten zwei ist mir hier ebendies deutlich schwerer gefallen. So wirklich drinnen war ich erst nach ein paar Dekaden Seiten, was wohl auch daran liegt, dass insbesondere die atmosphärischen Beschreibungen einfach … nicht ganz ausgereift sind.

Es möge mich niemand falsch verstehen – sowohl Atmosphäre als auch Gefühle wurden von Anfang an beschrieben, aber während der ersten hundert Seiten sind erstere nicht wirklich zu mir durchgekommen. Ich wusste sehr wohl, was ich jetzt empfinden sollte, habe es aber nicht empfunden – irgendwo ganz am Anfang gibt es eine Stelle, in der Ahren und Culhen durch den Frühlingswald rennen, und obwohl die Umgebungsbeschreibungen verständlich waren – wie auch im Rest des Buches –, die Atmosphäre wollte nicht so recht zu mir durchkommen.

Zu den Gefühlsbeschreibungen muss ich außerdem hinzufügen, dass es kleinere Sprünge gab beziehungsweise Ungereimtheiten – eine größere Sache wäre die, dass Ahren direkt nach seinem Beschluss, Sven nicht mehr zu hassen, ihn nicht mehr hasst. Höchst beeindruckende Kontrolle über die eigenen Emotionen, junger Herr.

Etwas Ähnliches gilt auch für die Handlungsbeschreibungen, die ebenfalls kleinere Sprünge machen, womit ich meine, dass beispielweise jemand die Tür zu einem Haus öffnet und sich im nächsten Moment in einem der anwesenden Sessel niederlässt, aber das ist nur ein kleiner Makel. Ich habe mich immer ausgekannt, wer was gemacht hat. Bei den Umgebungsbeschreibungen habe ich hingegen gar nichts auszusetzen; das Setting war immer klar. Ich habe die Beschreibungen nicht wirklich als besonders in Erinnerung, aber als definitiv ausreichend.

Ich muss Torsten Weitze zugutehalten, dass ich mir zumindest einbilde, dass sein Schreibstil komplexer geworden ist, also mehr Nebensätze und ab und an auch Satzeinschübe aufweist. Etwas nervig war da, dass bei Phrasen mit „zu“ jedes Mal ein Beistrich gesetzt wurde – was nicht grammatikalisch falsch ist, aber es ist etwas nervig, wenn es mehrere Fälle gibt, in denen man den Beistrich hätte weglassen und den Satz damit flüssiger machen können.

Was ich sehr lobenswert finde, ist die Hartnäckigkeit, mit der Weitze den personellen Erzähler durchzieht. Wenn Ahren etwas nicht mitbekommt, wird es nicht geschrieben. Ein recht frühes Beispiel ist die Szene, in der er auf seinem Rachetrip ist und es eben keine Beschreibung gibt im Stile von „er bemerkte nicht, wie sich seine und Culhens Gefühle vermischten und sich gegenseitig aufstachelten“. Ihm wird das erst bewusst, als man ihn darauf hinweist, und genau zu dem Zeitpunkt erfährt es auch der Leser – sehr konsequent, sehr lobenswert, und ja, es gibt noch einige andere Fälle während des Romans, auf die das zutrifft, also nein, ich habe euch nicht das gesamte Buch ruiniert.

 

Die Handlung – beziehungsweise die Struktur des Buches – ist eines der Probleme, das ich mit der „Ehernen Stadt“ habe. Hier nochmals die Warnung, obwohl dort oben rechts ein schön rotes Warnzeichen prangt: Wer die ersten beiden Bände noch nicht gelesen hat, das vorhat und sich etwas aus Spoilern macht – was zur Hölle machst du überhaupt hier? Lies das Buch!

Für alle anderen: Die ersten einhundert Seiten werden in Tiefstein verbracht, die darauffolgenden einhundert in den Sonnenebenen, und erst ab etwa der Hälfte des Romans kommen die Charaktere überhaupt in die Nähe der Ehernen Stadt. Sobald sie drinnen sind, ist der Roman wieder auf dem Level seiner beiden Vorgänger, und das Ende, zählt man den Epilog weg, ist phänomenal.

Es passiert zwar immer wieder etwas, sowohl in Tiefstein als auch während der Reise, wodurch das Buch nie langweilig wird, aber gerade während der ersten einhundert Seiten hat es sich … ja, gezogen. Obwohl etwas passiert ist. Ich verstehe schon, warum Ahren und Co so lange in Tiefstein bleiben mussten, aber nach dem holprigen Einstieg wurde dann erstmal lange auf der Stelle getreten. Rückblickend würde ich sagen, die Zeit wäre dafür genutzt worden, die Charaktere darzustellen und zu entwickeln, was auch stimmt, aber es wurde nicht besonders gut umgesetzt – was mich bei Torsten Weitze enorm überrascht hat, weil er damit sonst null Probleme hatte, hier eher noch eine seiner größten Stärken hat.

Es passiert etwas (Stichwort Sven), das jede Menge Einfluss auf die Gruppe hat, aber trotzdem konnte es mich nicht wirklich packen. Hinzu kommt die verfluchte Liebesgeschichte, auf die ich bei den Charakteren noch einmal eingehen werde und die bis etwa Seite 220 für mich unausstehlich war.

Dann hebt sich die Leselust mit der Reise durch die Sonnenebenen etwas an, aber von dem Niveau der Vorgänger sind wir noch immer weit entfernt. Ich kann auch hier meinen Finger nicht genau darauf legen, wieso das so ist. Die Welt wurde mal wieder ausgebaut, was ich super finde, und die Ideen mit den Totenhügeln und Wasserherz sind definitiv interessant, aber … so wirklich faszinierend sind sie nicht.

Aber, wie gesagt – sobald die Eherne Stadt erreicht ist, geht’s richtig los, und das Ende kann sich noch immer blicken lassen. Bis auf den Epilog, der mich hauptsächlich deswegen stört, weil Svens „Entwicklung“ als große Überraschung aufgebaut ist, mit Nicht-Namensnennung bis zur letzten Sekunde und dem ganzen Tralala, während ich mir gedacht habe, dass das passieren wird, sobald die Konsequenz seines Handelns in Tiefstein klargeworden ist. Keine Ahnung, vielleicht habe ich einfach schon zu viel Erfahrung mit Fantasy im Allgemeinen, aber ich sehe nicht, wie diese „Wende“ überraschend sein kann. Es ist die logischste Entwicklung und in Bezug auf Charaktere auch sehr ökonomisch, also nein, I’m not impressed.

Nachdem ich jetzt so auf dem armen Ding herumgehackt habe, kurz etwas Positives, bevor ich weiterhacke. Abgesehen von Sven gab es jede Menge Wendungen, die mich überrascht haben – die größte sei mit dem Stichwort „Doppler“ erwähnt, ohne zu viel verraten zu wollen. Die Lösung des Konflikts habe ich auch nicht kommen sehen.

Jetzt zu den Fragen, die ich bezüglich der Handlung (und auch ein wenig des Weltenbaus) habe. Erstens, um mit einem lockerflockigen Thema zu starten: Wieso werden die Leute aus dem hölzernen Käfig zur Zucht verwendet? Die ganze Idee hinter einer Zucht ist die, dass bevorzugte Merkmale selektiert und reproduziert werden, um sie zu verstärken. Der hölzerne Käfig ist aber nur das absolute Minimum; die Leute, die nicht tot sind, aber nicht stark/gewieft genug, um in die anderen Käfige zu kommen. Sobald man mit der Zucht Erfolg hat und auch nur einen normalen Soldaten bekommt, setzt man sich selbst wieder auf den hölzernen Käfig zurück, weil der gesamte Genpool aus diesem einen niedrigsten Käfig stammt. Oder habe ich einfach nur nichts verstanden und es werden Sexsklaven gezüchtet?

In höchst chronologischer Reihenfolge meine zweite Frage: Wieso wird Bergen vom Sonnenkaiser gefangen genommen? Hatte man sich nicht darauf geeinigt, dass alles ein Missverständnis war, oder habe ich etwas verpasst?

Als nächstes frage ich mich, wieso Khara, keine zwei Jahrzehnte alt, jemandem, der über achthundert Jahre Erfahrung hat, auch nur ansatzweise das Wasser beim Kampf reichen kann. Wenn ich ihre kleine Trainingssession richtig verstanden habe, hätte er auf dem Schlachtfeld ernsthafte Probleme gehabt, sie zu töten, die sie keine zwanzig ist und sicher nicht seit ihrer Geburt trainiert hat.

Um noch einmal auf Bergen zurückzukommen – wieso versorgt ihn sein Göttersegen mit Schlafresistenz, aber Ahren und Falk nicht? Wieso ist der geteilte Göttersegen da effektiver als ein ganzer?

Zum Abschluss dieses Teils zwei biologischere Anmerkungen. Erstens wird es für Fahlfrösche verdammt umständlich werden, irgendein Licht aufzunehmen, wenn sie fast das ganze wieder zurückwerfen und sich dabei auch noch eindeutig bemerkbar machen. Ich meine, selbst ein ultraböser Gott müsste das wissen. Zweitens reicht Wasser allein nicht, um zusammen mit Erde irgendetwas wachsen zu lassen, dafür bedarf es nämlich Pflanzenembryonen a.k.a. Samen. Mit der Zeit würden die durch Zufall auf die bewässerte Erde fallen, aber es wäre effizienter, wenn man sie per Hand anbauen würde. Kann sein, dass das gemacht wird, aber an einem recht frühen Punkt der Totenhügel-Reise behauptet Jelninolan, die Erde würde nur Wasser brauchen, dann wäre alles wieder super. That’s not how it works.

 

Aber, seien wir ehrlich, weder der Schreibstil noch die Handlung haben die Paladin-Reihe für mich bisher besonders gemacht, sondern die Plastizität der Charaktere und der Weltenbau. Also – wie haben die Charaktere abgeschnitten?

Ähm. Ja. Ich bin hier ein wenig in einer Zwickmühle, denn einerseits würde ich nicht behaupten, die Charaktere wären schlechter als im ersten Band oder im zweiten – aber auf der anderen Seite sind sie auch kein Stück besser und wirken nicht einmal besonders. Vielleicht habe ich mich einfach schon zu sehr an sie gewöhnt und merke deswegen nicht mehr wirklich, dass sie noch immer sehr gut sind, oder die Liebesgeschichte hat mich irritiert, aber der Reihe nach.

Ich weiß nicht, es fühlt sich so an, als wäre mein Verhältnis zu Ahren etwas distanzierter – obwohl, soweit ich das noch in Erinnerung habe, nichts anders gemacht wird als in den Vorgängerbänden. Vielleicht geht es mir mehr auf die Nerven, dass dadurch, dass wir halb in seinem Kopf drinnen sind, fast nichts dem Leser nicht vorgekaut wird. Gleichzeitig scheint Ahrens Interpretation immer richtig zu sein – und wenn sie es doch mal nicht auf Anhieb ist, korrigiert er sich fast sofort selbst oder wenige Absätze später wird er korrigiert.

Gleichzeitig ist er in gewisser Weise rückgratlos. Versteht mich nicht falsch, er macht eine Charakterentwicklung durch, gerade zum Ende hin, aber das – und das spielt hier für mich vielleicht die entscheidende Rolle – ist das dritte Buch in Folge, in dem wir einen heranwachsenden Lehrling haben, der keinen Plan hat. Oder nur ein oder zwei Pläne, aber im Vergleich zu den anderen Charakteren noch immer keinen Plan. Dass Khara gegen Mitte eine etwas ähnliche Rolle zugeschrieben wird, hilft zwar, ihn weniger dumm wirken zu lassen, aber es verstärkt den Eindruck, dass er eben noch ein Kind ist, das keine Ahnung von irgendetwas hat. – Was nicht einmal per se schlecht oder falsch sein muss, aber ich denke, das ist einer der Gründe, warum ich von ihm ein wenig genervt war.

Jetzt habe ich glatt vergessen, das mit dem Rückgrat zu erklären. Kurz gesagt: Er lässt sich von jedem herumschubsen (ja, Charakterentwicklung ist vorhanden, noch einmal). Von seinem Meister, okay, geschenkt, von zwei mächtigen Alten, okay, geschenkt, das gehört schon irgendwie dazu, aber beispielweise von Khara müsste er sich nicht fertig machen lassen.

Gleichzeitig denke ich, dass eine zu starke Abwandlung davon schnell unsympathisch werden würde. Khara ist bis zur Hälfte des Buches einfach ein Miststück, war sie von Anfang an, und Ahren hat keinen Plan, wie er damit umgehen soll. – Ich beschreibe hier die ganze Zeit über einen gutherzigen, durchschnittlichen Jugendlichen, nicht wahr? Okay. Das könnte es sein. Nur noch drei oder vier Bücher und das sollte auch überstanden sein.

Bevor ich mich auf Khara und die Liebesbeziehung stürze, sei angemerkt, dass die Nebenfiguren nach wie vor klasse sind. Auch ich habe Trogadon ins Herz geschlossen und mag die Tiefe, mit der auch die Alten und Mächtigen ausgestattet sind. Auf der anderen Seite sind die Antagonisten dieses Mal stark unterentwickelt. Bezüglich des schlafenden Gottes weiß man noch immer nicht mehr als im ersten Buch, was auch an Ahrens Perspektive liegen kann, und genau aufgrund derer hat man auch keinen Einblick in Sven. Ich bilde mir ein, er zeigt recht eindeutige Zeichen einer Psychopathie, was das Verständnis nun mal schwieriger macht, aber das ist nur meine Küchenpsychologie und etwas Wikipedia-Wissen.

Und damit zu Khara. Ach, Khara. Miststück seit der ersten Seite an und Miststück bis zu ihrem Freikauf, nach dem sie plötzlich ne Andere ist. Nein, ich mochte sie schon im zweiten Buch nicht, aber ihre Rolle hat sich darauf beschränkt, ab und zu Ahren fertig zu machen, ihn zu demütigen und auf ihn herabzublicken, und er hat sie ebenso wenig gemocht wie ich, daher habe ich sie nicht weiter erwähnt.

Jetzt aber ist sie plötzlich sauer auf ihn, weil er mal ein schönes Mädchen geküsst und ihm das gefallen hat, während es noch immer etwas Positives ist, wenn sie ihn nicht niedermacht. Mit seinen Freunden lacht sie, kein Problem, und selbst findet sie es auch voll okay, muskelbepackte Sänftenträger anzustarren, aber Gott bewahre, dass er sein eigenes Leben lebt.

Sie ist wortwörtlich nur zu ihm ein derartig großer Arsch. Gegenüber Fremden ist sie verschlossen, aber das zählt nicht, denn es sind Fremde, die sie nicht fertigmacht, sondern einfach nicht an sich heran lässt. Aber während sich Ahren quasi jedes Mal, wenn er mit ihr interagiert, nachher schlechter fühlt als vorher, glaubt sie allen Ernstes, da könnte was zwischen ihnen werden?

Und noch einmal bemerkenswerter – nach einiger Zeit entwickelt Ahren Gefühle für sie, ohne dass sie ihr Verhalten ändert. Ich verstehe diesen Jungen nicht. Sind das die Hormone? Ist das, weil sie die einzige mit einer Vagina und in seiner Altersklasse in seiner Nähe ist? Ist es ihm wirklich so egal, wie man ihn behandelt? Ihr versteht jetzt hoffentlich, was ich mit „rückgratlos“ meinte.

Ab etwa Seite 220 wird es besser, weil Khara aufhört, sich wie eine Arschgeige zu verhalten, und auch ihm gegenüber mal nett ist. Das korreliert mit ihrem Freikauf, aber solange es keine Regel in ihrem Ehrenkodex gibt, die besagt, dass sie als entflohene Sklavin ihren potentiellen Love Interest nur wie einen Fußabtreter behandeln darf, ist sie für mich weiterhin ein Miststück und dieser Verhaltenswandel vollkommen übergangslos.

Nach ihrem plötzlichen Wandel ist die Liebesgeschichte zwar erträglicher geworden, aber ich finde es wirklich bemerkenswert, dass die zumindest dreihundert Seiten, in denen sie Ahren wie wertlosen Abschaum behandelt, einfach so vergeben und vergessen sind. Stellt euch mal vor, ihr würdet diese eine Person, die euch als Kind in der Schule mit gehässigen Kommentaren bedacht hat, als Freund ansehen. In etwa davon reden wir hier.

Was ich beinahe vergessen hätte: Ich mag Culhens Charakter nicht wirklich. Er ist eitel, verfressen und hat Uldinis Humor. Bei Uldini funktioniert Uldinis Humor, aber wenn das Vertrautentier einen mit so bissigen Kommentaren bedenkt … Ich meine, ich weiß, er ist herzensgut und liebt Ahren, und er zeigt das auch mehrmals, aber die Vorstellung, jemanden in meinem Kopf zu haben, der mich bei jeder dritten Gelegenheit runterputzt, finde ich ehrlich gesagt nicht so prickelnd.

 

Fehlt noch der Weltenbau, der zweite große Pluspunkt der Paladin-Reihe. Wie ich bereits erwähnt hatte, finden sich hier noch immer gute und interessante Ideen, aber die Faszination ist weg. Es tut mir leid, aber es lässt sich nicht anders beschreiben. Die einzige Stelle, an der ich sie kurz erhascht habe, ist die, in der darüber gesprochen wird, wie lange die Dunklen Tage eigentlich gedauert haben – und genau diese Szene ist auch der Grund, warum ich nach wie vor denke, dass diese Welt unfassbar viel Potenzial hat, und warum mir noch immer bewusst ist, wie vielschichtig sie eigentlich aufgebaut ist. Hinzu kommt, dass das Setting des vierten Bandes interessant zu werden verspricht, insofern freue ich mich schon auf die nächste Reise.

 

Bei dem ganzen Gemeckere könnte der eine oder andere glauben, mir hätte „Die Eherne Stadt“ nicht gefallen. Oder dass ich Gefallen daran finden würde, eine meiner Lieblingsreihen auseinanderzunehmen. Es sei beiden gesagt: Das ist nicht der Fall. Durch den schwachen Einstieg und dem, nun ja, mittelmäßigen Mittelteil würde ich dem Ganzen drei Sterne geben, wären da nicht die Grammatikfehler. Vielleicht, würde ich auch in halben Sternen bewerten, würde ich sogar dreieinhalb Sterne vergeben, weil das Ende wirklich großartig war – aber für die vier Sterne reicht es einfach nicht aus.

Ich weiß selbst nur bedingt, warum mir dieser Band schlechter gefallen hat als die anderen beiden, und das, was ich weiß, wisst ihr jetzt auch. In jedem Fall werde ich den nächsten Teil lesen, der im Sommer erscheinen soll. Es ist gut möglich, dass bei einer dreizehnbändigen Reihe mal ein oder zwei Fehltritte passieren oder die Bücher mal etwas schwächer sind, daher mein Entschluss. Was ich mache, wenn mich auch der vierte Band mit ähnlichen Gefühlen zurücklässt wie „Die Eherne Stadt“, weiß ich noch nicht, und darüber möchte ich mir jetzt auch nicht den Kopf zerbrechen.

 

Alles in allem ist der dritten Teil der Paladin-Reihe deutlich schwächer als die beiden Vorgänger, wird aber stetig besser und hat mich nach den ersten einhundert Seiten unterhalten. Also ja, zumindest aktuell kann ich euch die Reihe definitiv noch immer empfehlen.

Details zum Roman:

Titel: Der dreizehnte Paladin: Die Eherne Stadt

Autor: Torsten Weitze

Veröffentlicht über: Independently published (Amazon)

Erscheinungsjahr: 2017

ISBN: 9781973500773

Genre: Fantasy

Preis: 15,99€ (s. Datum)

Seiten: 444

Reihe: ja, Band 3 von 13 (s. Datum)

Bewertung: 2 von 5 Sternen (s. Datum)

Stand: 20.01.2018