Mammutversion: "Jenseits der Götter" von Daniel Krinke (14. RW)

Ich versuche ja, mich mehr in die Science-Fiction einzulesen. Ab und an kommt mir auch ein interessant klingendes Buch unter die Nase – so auch „Jenseits der Götter“. Bereits im Titel wird klar, dass Religion als Themenkomplex zumindest angeschnitten wird – ebenfalls etwas, in dem ich nicht sehr viel Leseerfahrung habe.

 

David ist ein Kompensator. Nach einer eintausendjährigen Ausbildung wird er die Rolle des JEVs übernehmen, der das Universum davon abhält, unter seiner eigenen Gravitation zusammenzustürzen. Während er sich auf diese Aufgabe vorbereitet, braut sich am Rande des Universums jedoch eine Gefahr zusammen, die selbst den Weltenlenker JEV zu überfordern droht.

Gleich zu Beginn: Es wird, mal wieder, einen Stern Abzug von der Endwertung geben, da die Grammatik- und Interpunktionsfehler deutlich zu viele sind. Bei weitem nicht so viele, dass man in jedem Satz über sie stolpern würde, aber ein Korrektor hätte auch hier wieder geholfen. Am Rande möchte ich an dieser Stelle noch erwähnen, dass die Schriftgröße für wenige Absätze ohne ersichtlichen Grund etwas größer wird.

 

Der Schreibstil ist flüssig und reißt den Leser innerhalb kurzer Zeit in die Welt des Romans. Erzählt wird von mehreren Charakteren, wobei David und die Elitesoldatin Evana die meisten Seiten zugestanden bekommen. Die restlichen Perspektiven dienen zur Erweiterung und sind meiner Meinung nach gut gelungen.

Die Beschreibungen überzeugen zwar über weite Strecken, erlauben sich aber immer wieder mal Aussetzer, sodass ich hier nicht vollends zufrieden bin. Bei den Umgebungsbeschreibungen etwa kannte ich mich an einzelnen Stellen nicht aus, obwohl sie sonst geradezu poetisch anmuten und auch mal etwas ins Detail gehen. Die Handlungen sind meistens nachvollziehbar, aber dann gibt es die wenigen Stellen, die aus dem Lesefluss reißen. Beispielweise tauchen aus dem Nichts gegen Ende des Romans Rieseninsekten in der Biosphäre auf, was in einem simplen Satz genannt wird, den ich mir zweimal durchgelesen habe, weil ich glaubte, etwas falsch verstanden zu haben. Hier hätten wahrscheinlich ein oder zwei ergänzende Wörter („plötzlich“, beispielweise) den Unterschied gemacht.

Bei den Gefühlsbeschreibungen habe ich hingegen nichts zu meckern. Negativ fallen allerdings die Füllwörter und vereinzelten Stilblüten auf, ebenso das GEBRÜLLE und für eine bestimmte Gelegenheit reservierte fette Schrift, die ich noch immer für überflüssig halte. Außerdem wirken die direkten Reden zwar nie wirklich gestellt, aber oft genug auch nicht wirklich natürlich.

Insgesamt wäre der Schreibstil solide bis gut, würden die einzelnen Störfaktoren beseitigt werden – also die vereinzelt missglückten Beschreibungen und die Stilblüten.

 

„Jenseits der Götter“ wartet mit jeder Menge Plottwists auf, die jedoch rechtzeitig erste Vorwarnungen bekommen, sodass sie nicht aus der Luft gegriffen wirken. Das Konzept der Neumenschen wirkt auf mich zwar nicht so wirklich nachvollziehbar, aber ich gestehe dem Roman hier etwas kreative Freiheit zu.

Das einzige Plotproblem, das ich gefunden habe, war das, dass Skremans Tochter doch eigentlich weniger Nanobots im Blut hat als David – wieso funktionieren ihre dann besser? Und woher kann sie kämpfen? Sie hat wahrscheinlich nicht wesentlich mehr Erfahrung darin als David, besiegt ihn aber ohne größere Probleme.

Ansonsten kann ich nur darüber klagen, dass einzelne Teile des Plots überhastet wirken. Beispielweise die Beziehung zwischen David und Evana, die innerhalb von zwei Tagen ohne größere Reibereien zu einer von zwei Jahren geworden zu sein scheint – ich meine, wieso sollte man sich sonst so intime Details über Wünsche, Vergangenheit und Ängste erzählen? Ich persönlich würde damit länger als zwei Tage warten, aber gut.

 

Während des Lesens fand ich die beiden Protagonisten – David als derjenige, der letztlich eine große Rolle spielt, und Evana quasi als unterstützender Protagonist – als gute Charaktere mit ihren Stärken und Schwächen. Nachdem ich jetzt aber zehn Minuten lang ratlos durch die Luft gestarrt habe, fallen mir zu David noch immer keine negativen Charaktereigenschaften ein. Er zweifelt, seine Gefühle sind nachvollziehbar beschrieben, aber so wirklich viel, das ihm im Weg liegt, gibt es nicht.

Evana hat immerhin den Vorteil, dass ihre Vergangenheit, die sich auch noch auf ihren jetzigen Charakter auswirkt, einiges an Interesse generiert, aber ansonsten ist die Situation hier ähnlich. Dennoch: Während der Lektüre ist mir das nicht aufgefallen und es kann gut sein, dass mir dementsprechend etwas durch die Lappen gegangen ist, als ich meine Notizen angefertigt habe.

Die Antagonisten sind jedoch anstandslos durchdacht. Der einzige, bei dem die Hintergrundgeschichte an einigen Stellen etwas … nicht direkt löchrig, aber noch nicht ausgeschöpft wirkt, ist der Henoch-Anführer, aber selbst ihm kaufe ich seine Motivation ab. Lediglich die Insektendinger bekommen keinen Grund für ihren Angriff, aber das ergibt insofern Sinn, als dass nicht einmal JEV den kennt und sie es nicht mehr erklären können. Aber auch bei ihnen glaube ich auf Anhieb, dass sie die Helden ihrer eigenen Geschichten sein könnten.

 

Wie bereits im Titel angerissen wird, beschäftigt sich „Jenseits der Götter“ mit Religion – jedoch weniger mit einer spezifischen, auch wenn das Christentum unter anderem durch die Kapiteltitel angesprochen wird, sondern am Beispiel erfundener Religionen, die sich mehr oder weniger natürlich gebildet haben.

Jeder Charakter kommt in Bezug auf Götter zu seiner eigenen Ansicht, sodass abgesehen vom religiösen Wahn wirklich alles abgedeckt ist. Wobei – hier könnte man Skremans Tochter dazuzählen, die als Antagonistin, wie oben angesprochen, durchaus ihre eigene Geschichte erzählen könnte.

Ich denke, wenn man möchte, kann man in „Jenseits der Götter“ in Bezug auf Standpunkte zur Religion einiges hineininterpretieren. Das Lesevergnügen wird aber nur an wenigen Stellen durch langwierige Gespräche unterbrochen – spontan fällt mir nur das gegen Ende vonseiten JEVs ein, insofern brauchen Interessierte, die sich lediglich unterhalten lassen wollen, nicht deswegen davor zurückzuschrecken.

Das einzige, das ich sonst zu kritisieren habe, ist dass der letzte Mord vor dem Epilog doch sehr auf die leichte Schulter genommen wird, was ich von diesen Charakteren nicht erwartet hätte.

 

 

Insgesamt ein gelungener Ausflug ins Genre der Science-Fiction und definitiv ein sehr eigener Vertreter, dem ich einiges abgewinnen kann, obwohl ich nicht vollkommen von ihm überzeugt bin.

Details zum Roman:

Titel: Jenseits der Götter

Autor: Daniel Krinke

Veröffentlicht über: CreateSpace Independent Publishing Platform

Erscheinungsjahr: 2014

ISBN: 978-1-5006-2154-4

Genre: Science-Fiction

Preis: 8,56€ (s. Datum)

Seiten: 349

Reihe: ja, Band 1 von 2 (s. Datum)

Bewertung: 2 von 5 Sternen (s. Datum)

 

Stand: 28.08.2017


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