Mammutversion: "Xerubian: Aath Lan'tis" von Andreas Hagemann (10. RW)

Seitdem ich die Scheibenwelt für mich entdeckt habe, bin ich gegenüber Parodien oder satirischen Romanen, die sich die Fantasy vornehmen, generell sehr aufgeschlossen und wünsche mir wesentlich mehr Vertreter. Dementsprechend rasch habe ich zu „Xerubian“ gegriffen, hat der Klappentext doch genau das versprochen.

Dalon, ein Inspektor, wird auf den Diebstahl eines Steins aus einer Kathedrale angesetzt. Zusammen mit seinem Dienstdrachen Dalon, dem Boten Martandi, dessen Drachen Dragon und dem fünften im Bunde, dem Winzlingsdrachen Muliks, heftet er sich an die Fersen des Diebs. Die Reise nimmt jedoch eine unerwartete Wendung, als er diesen schließlich einholt, und so muss er an der Seite seiner Freunde um das Überleben einer Spezies kämpfen.

 

Die Version, die ich gelesen habe, ist die bereits überarbeitete und vom Autor selbst herausgebrachte. Nebst einem neuen (und mir persönlich sehr gut gefallendem, aber das kann auch einfach nur an der Farbwahl liegen) Cover haben auch sage und schreibe vier Personen am Korrektorat Schrägstrich Lektorat mitgearbeitet. Dementsprechend faszinierend ist die Tatsache, dass dennoch nach keinen fünfzig Seiten mein Fehlercounter die kritische Grenze erreicht und überschritten hat. Dabei ist von Großschreibung über Zeichensetzung bis zu den Fällen alles dabei. Und das mit vier Korrektoren, sofern die Lektoren nicht nur auf Inhalt und Stilblüten geschaut haben. Das … muss irgendeinen Rekord geknackt haben.

Der Schreibstil ist insgesamt von ausgewogen langen Sätzen geprägt, wobei eine leicht feststellbare Tendenz zu kurzen Exemplaren vorliegt. Ebenfalls erstaunlich sind die Füllwörter, die man an mehreren Stellen problemlos hätte rausstreichen können und die dennoch den Lektoren entgangen sind.

 

Zugutehalten muss man „Xerubian“ den Lesefluss, der leicht aufkommt, und die größtenteils flüssigen Handlungsbeschreibungen, wenn es auch ein paar Aussetzer gibt. Die Umgebung präsentiert sich da schon zwiespältiger: Mal wird detailliert aufs Buschwerk eingegangen, dann wiederum so konfus und minimalistisch geschrieben, dass ich mich überhaupt nicht mehr auskenne – besonders auffällig ist das bei den Szenen in und rund um Lu-Sers Festung.

Die Beschreibungen der Gefühle hingegen verbleiben oberflächlich, wenn auch nachvollziehbar. Persönlich vermute ich, dass das überwiegend am Tell liegt – oftmals wird beispielweise etwas wie „x war traurig“ geschrieben, anstatt dass darauf eingegangen wird, wie sich das äußerst – sei es nun im Verhalten, im Gesagten oder im Gedachten.

Gerade Gefühle kann man gut bildlich beschreiben, und so überrascht es ein wenig, dass das hier nicht passiert, obwohl sonst gerne mal zu Metaphern gegriffen wird. Positiv ist auch hervorzuheben, dass zumindest einige Charaktere eine eigene Sprechweise verpasst bekommen – besonders auffällig natürlich bei Nerol. Allerdings wirken viele der Dialoge zumindest teilweise unnatürlich und gestellt.

Erschwerend kommt hinzu, dass – trotz vierer Lektoren Schrägstrich Korrektoren – noch immer Wörter verschluckt werden oder die Worte aus einem vorherigen Satzentwurf zurückgeblieben sind. Ebenso enttäuschend ist der Verlauf des satirischen Humors, auf den ich weiter unten noch näher eingehen werde.

 

Die Handlung gestaltet sich durchaus interessant zu lesen, aber gerade die Charakterenthüllungen sind nach etwa fünfzig Seiten bereits ziemlich klar. Vielleicht habe ich aber auch einfach nur schon zu viele Fantasybücher gelesen – irgendwie steht der letzte Satz in fast jeder meiner Rezensionen in irgendeiner Variation …

Aber davon werde ich mich nun auch nicht mehr aufhalten lassen. Dementsprechend: Hütet eure Kreidevorräte, denen geht’s jetzt nämlich an den Kragen.

Beginnen wir mit einem harmloseren Fakt, nämlich dem, dass sich Dalon den Weg zum Fischerdorf, von wo aus er zur sagenumwobenen Stadt Aath Lan’tis reisen möchte, in der er den Dieb vermutet, falsch gemerkt hat. Zweimal. Dabei war die Beschreibung alles andere als kompliziert.

Zum Aufwärmen geht’s weiter mit den beiden großen Drachen Nerol und Dragon, die von Lu-Sers Truppen in metallenen Netzen gefangen werden – und sich daraufhin mehr oder weniger kampflos ergeben. Auf die Idee, ihren verdammten Feueratem zu verwenden, kommen sie jedenfalls nicht.

Generell scheint die Reisegruppe aus Hohlbirnen zu bestehen – auch dazu später mehr – denn einige Kapitel zuvor bekommt jeder eine Art Wunderelixier, das ihnen genau einen Wunsch gestattet und das sie aus einer Notsituation retten kann. Und jetzt ratet mal, was die Genies nicht verwenden, als sie von Soldaten umzingelt werden, die sie in Käfigen und metallenen Netzen zu ihrem König bringen wollen.

Wobei dieses Wunderelixier eine komische Wirkungsart hat. Sie bekommen die Anweisung, dass das erste, an das sie nach der Einnahme denken, Realität werden wird. Um Dalon zu heilen, flößen sie diesem aber das Elixier ein und denken dann alle zusammen – er ist bewusstlos – an seine Heilung. Und es funktioniert.

Noch komischer ist nur noch, wie lange es dauert, bis das Elixier wirkt. Bei den beiden Menschen beträgt diese Zeitspanne lediglich eine halbe Minute im Maximum, die beiden Drachen müssen erstmal durch die Gegend hopsen, bevor was passiert. Begründung: Es hat sich ja noch nicht genug um Körper verteilt.

Wo fange ich da an? Vielleicht damit, dass selbst wenn wir von einer intravenösen Verabreichung ausgehen, es sicherlich mehr als dreißig Sekunden dauert, bevor sich das Zeug gut im Körper verteilt hat. Weiter machen könnte ich damit, dass die Einnahme oral war und der Wundersaft dementsprechend erst einmal im Magen landet, wo er ein paar Stunden lang rumliegen wird, bevor es weitergeht. Es bleibt mir also nur übrig davon auszugehen, dass der Wirkstoff bereits über die Schleimhäute in die Blutbahn gelangt. Und selbst dann ergibt das Ganze keinen Sinn.

Auch seltsam ist, dass die Gefangenen überhaupt noch ihr Zeug bei sich haben und man ihnen das nicht … naja … abgenommen hat. Macht man angeblich so, wenn man jemandem die Freiheit entziehen möchte. Wenigstens können alle gut schlafen. In ihrer Zelle. Mit dem Wissen, dass sie bald sterben werden. Im Sinne von in ein paar Stunden bis Tagen. Ohne irgendeinen Plan.

Und derjenige, der dann mit einem „Plan“ daherkommt, ist Dalon – ja, der Typ, der bewusstlos gewesen ist, als sie die Festung betreten und durchquert haben. Das macht aber nichts, denn dank seines Protagonistenbonus geht sein „Plan“ auf – der daraus besteht, erstmal zu machen, dann zu überlegen, was man nachher macht oder wie man am besten entkommen könnte. Sag mal, Dragon, kannste kurz das Schloss zerstöre? Ich hab zwar keine Ahnung, wo wir genau sind oder wo welche Wachen postiert sind, aber ich werde dieses glühend heiße Schloss dann mit meiner Kleidung auffangen! Wenigstens ich denke hier!

Nicht sehr viel später haut Muliks ein paar Wachen k.o. – und eine davon über den Unterkiefer. Äh? Ist mir was entgangen oder ist das Ziel fürs Bewusstlosschlagen nicht mehr das Hirn, sondern die Zähne?

Wir machen einen kleinen Zeitsprung, denn Dalon ist zusammen mit Olaf eine Klippe runtergestürzt und unterhält sich mit dem mal eben ganz nett. Nebst der Tatsache, dass die beiden den Sturz offenbar praktisch unbeschadet überstanden haben – ich meine, angesichts der Tatsache, dass offenbar niemand in Betracht zieht, dass man mal in der Schlucht nach Überlebenden suchen könnte, ist das Ding sicher mehr als zehn Meter tief und hey, zehn Meter tief zu fallen und dann auf Steinboden aufzuschlagen klingt doch nach einer netten Freizeitbeschäftigung, nicht wahr? Zumindest ist das einzige, das Dalon abbekommt, eine geprellte Hüfte. Oder noch weniger –, kann ich nicht nachvollziehen, wieso Olaf so lange bleibt. Das Überleben seiner Spezies hängt von seiner Rückkehr ab, es wäre also nur logisch, sich nicht in ein langes Gespräch mit dem eigenen Feind verwickeln zu lassen.

Einen Zeitsprung später sind beide magischerweise aus der Schlucht wieder heraus – fragt mich nicht, wie sie das geschafft haben – und nochmal etwas später schaffen die beiden Drachen es, die sie zwischenzeitlich wieder gefunden haben, ein fliegendes Schiff zum Kentern zu bringen. Fragt nicht. Es ist bescheuert.

Wie gut nur, dass diese Bruchlandung nicht beschrieben wird, sonst hätte man darauf eingehen müssen, wie die sechs zuerst den Sturz und dann das Versinken im Ozean überstanden haben. Ohne mehr als ein paar Prellungen. Ich hab so das Gefühl, die Charaktere sind eigentlich unsterblich, haben aber ein Problem damit, das dem Leser zu gestehen.

Schlauer sind sie durch den Schiffbruch jedenfalls nicht geworden, denn sie basteln sich zwar ein Floß, aber sie denken erst auf hoher See darüber nach, woher sie Futter bekommen sollen. Dafür haben sie eine magische Lösung und durch eine mir unbekannte Zauberei kommen sie auch ohne Süßwasser aus, an das irgendwie niemand gedacht zu haben scheint.

Auf dem verschollenen Kontinenten angekommen erklärt Olaf, dass die Wälder am Boden – Aath Lan’tis besteht aus hoch aufragenden Türmen – deshalb von so wenigen Tieren bevölkert werden, weil diese bei den Gewässern und höheren Etagen einen besseren Lebensraum gefunden haben. Ich wünsche mir im Stile Golenias eine Bullshit-Karte herbei und räuspere mich, um noch einen Absatz Nice-to-know-Evolutionswissen zu vermitteln.

Es mag sein, dass das Überleben kurzzeitig an Gewässern einfacher gewesen ist, aber dann würde das bedeuten, dass ein florierender Lebensraum – inklusive Nahrung, freie Territorien, leichten Zugang zu Wasser und Verstecken – einfach unbeachtet wird. Was nicht passieren würde; gerade so Viecher wie Vögel, die leicht von A nach B kommen, wird es auch nur rein zufällig mal in dieses unbesetzte Terrain verschlagen haben, das praktisch nur aus ökologischen Nischen besteht, und innert weniger Jahre müssten alle dieser ökologischen Nischen von Tieren besetzt sein. Sehr vielen Tieren.

Ich schließe ab, wie auch die Anhänger des besiegten Mir’ko-Pens abschließen: grundlos hoffnungslos. Keiner von denen steht jedenfalls für seine Überzeugung ein, Mir’ko-Pen sei ein Typ, für den es sich zu kämpfen lohnt, und damit ist unseren Protagonisten ein blutloses Happy End gewiss.

Mir leider nicht, denn ich suche noch immer nach einem Indie-Roman, der es auf die fünf Sterne (oder vier. Oder drei) schafft, aber ich geb‘ mein Bestes.

 

Die Protagonisten Xerubians motivieren mich dazu nicht wirklich. Ihre große gemeinsame Eigenschaft ist ihre Dummheit. Bei Dragon und Nerol ist sie ziemlich offensichtlich, Martandi … okay, er ist vielleicht doof, vielleicht auch nicht; wirklich viele eigene Entscheidungen, an denen man das festmachen könnte, trifft er sowieso nicht, und wenn man sich Dalons „Plan“ mal so ansieht, stellt man fest, dass er das Wort „Plan“ mit „Ziel“ oder „Dummheit“ verwechselt.

Sowohl bei ihm als auch bei Martandi ist außerdem bemerkenswert, dass ihr Job absolut null auf sie abfärbt. Erfahrungsgemäß ist es so, dass der eigene langjährige Beruf zumindest kleine Einflüsse auf einen selbst hat – gerade so etwas wie Inspektor oder Bote müsste einen haben. Aber Pustekuchen – sobald die beiden mal nicht in ihrem Berufsalltag drinnen sind, hätten sie jedem anderen nachgehen können, ohne dass ich diesen Bruch als Bruch erkannt hätte.

Zu Dragon und Nerol ist zu sagen, dass sie offenkundig kein Problem damit haben, Leute umzubringen oder ihnen Todesqualen zu bereiten, und zu Muliks möchte ich noch sagen, dass seine Hintergrundgeschichte generisch ist und mich nicht wirklich interessiert. Eigentlich gar nicht, wenn ich es mir recht überlege.

Keiner dieser Charaktere ist einer, der einen nennenswerten inneren Konflikt hätte oder irgendwie anders interessant wäre. Olaf ist da auch keine Ausnahme – er ist einfach nur okay. Besser als der Antagonist, aber auch nur deswegen, weil Mir’ko-Pen wirklich keine Geschichte bekommt. Nur eine leicht nachvollziehbare Motivation, aber das allein macht noch keinen guten Antagonisten.

 

Wie bereits an der Inhaltszusammenfassung ablesbar sind zwei der fünf Charaktere, nämlich Dragon und Nerol, Drachen, die Menschen dienen. Und dafür offenbar einen Monatssold bekommen, oder so. Das „oder so“ deswegen, weil beide intelligent sind, gleichzeitig aber zu einer offenbar vom Aussterben bedrohten Spezies gehören, die gleichzeitig von den Menschen gezüchtet wird, um Variationen wie Botendrachen zu kreieren, die besonders folgsam sind. Gleichzeitig waren die Drachen mal richtig wild drauf und haben ganze Städte zerstört, also … was?

Bemerkenswert ist auch die Rolle der Frauen. Ha, Fangsatz! Die Frauen haben keine Rollen. Mir fallen spontan ein: Dalons Frau, eine keifende Hausfrau, Muliks zwei Frauen, keifende Hausfrauen, Olafs Frau, die nur eine kurze Umarmung gespendet bekommt und ansonsten nie erwähnt wird, und dann ist auch schon Schluss. Nennt mich hypersensibel, aber ich bezeichne das als eine etwas einseitige Geschlechterrollenverteilung.

Jetzt noch zum Humor. Der ist einer der Hauptgründe, wieso ich „Xerubian“ gewählt habe, und während der ersten einhundert Seiten war er auch recht solide – er bestand aus satirischen Elementen, Dialekt (… aka Nerol) und Slapstick (… aka Nerol. Ja gut, etwas Dragon ist auch dabei). Ich habe hier das Problem, dass ich als einzigen Vergleich die Scheibenwelt heranziehen kann, und mit der kann Andreas Hagemann nicht mithalten.

Das zeigt sich auch beim Umbruch zum ernsteren Ton etwa ab der Stelle der Gefangennahme durch Lu-Sers Krieger – dieser Umbruch allein ist ausgesprochen ruppig und unglaubwürdig, da hier ein Mischmasch aus Satire und Ernst bemüht wird. Plus und plus ergibt doch nicht immer plus, zumindest nicht in Romanen, denn diese Überleitung ist geradezu qualvoll missgestaltet.

Nach dieser geht es überwiegend ernst weiter, die satirischen Elemente reduzieren sich auf ein Minimum und was bleibt, ist Nerol. Dessen Dialekt und Ein-Mann-Witzchen bilden eine Säule des Humors, die andere besteht aus Slapstick-Einlagen wie etwa der Verfressenheit der beiden Drachen oder einem Ausflug ins Dornengebüsch.

Was ich sehr schade finde, denn das Satirische hätte man noch deutlich mehr ausbauen können. Es gab mehrere Stellen, bei denen ich mir gedacht habe, dass genau hier ein kleiner satirischer Stich nicht geschadet hätte. (Unter anderem Muliks Hintergrundgeschichte.) Und nein, ich behaupte nicht, es wäre einfach, Satire und Ernst zu balancieren oder sie im selben Buch reibungslos unterzubringen – besser macht es „Xerubian“ aber auch nicht.

Zum Schluss möchte ich noch ein wenig loben. Die Stadt Aath Lan’tis an sich empfinde ich nämlich als sehr interessantes Setting, wenn man mal von dem Dragonshit mit den Waldtieren absieht.

 

Als kleine Randanmerkung möchte ich noch loswerden, dass die Seiten teilweise eine Zeile zu früh enden, aber das wie geschrieben nur am Rande.

 

Was bleibt ansonsten zu sagen? „Xerubian“ bemüht sich um Satire und vernachlässigt sie doch sehr rasch, was dem Buch ordentlich Wind aus den Segeln nimmt. Die Handlung ist von Fehlern geprägt und an den wichtigen Stellen vorhersehbar, die Charaktere weisen keine nennenswerte Konflikte auf, die Welt ist … da, schätze ich mal, denn selbst die beste Satirevorlage muss genutzt werden, damit sie lustig ist. Empfehlen kann ich „Xerubian: Aath Lan’tis“ unterm Strich nicht; die beiden Nachfolger werde ich nicht lesen.

 

Details zum Roman:

Titel: Xerubian: Aath Lan’Tis

Autor: Andreas Hagemann

Veröffentlicht über: Books on Demans

Erscheinungsjahr: 2015

ISBN: 978-3-7386-1668-2

Genre: Fantasy

Preis: 13,40€ (s. Datum)

Seiten: 364

Reihe: ja, Band 1 von 3 (s. Datum)

Bewertung: 2 von 5 Sternen (s. Datum)

 

Stand: 30.03.2017


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Kommentare: 3
  • #1

    Andreas Hagemann (Mittwoch, 31 Mai 2017 18:45)

    Hallo Awen,

    jetzt fühle ich mich doch genötigt etwas zu einigen der Punkte zu sagen, weil sie schlicht falsch wiedergegeben werden. Da wir uns ja austauschen wollen, nehme ich das einfach mal als Startpunkt :)

    - ein Lektor ist nicht immer nur ein Lektor, sondern umfasst auch Testleser, die letztendlich das Gleiche tun, nur aus einem anderen Blickwinkel. Deshalb sind es so viele.
    - Dalon merkt sich den Weg nicht falsch. Er folgt ihm sogar exakt, wird nur durch andere kurzzeitig davon abgebracht.
    - die Drachen nutzen beim Angriff im Wald durchaus ihre Flammen. Allerdings zu spät, weil sie sich überlegen fühlen. Es gibt sogar eine Stelle, wo Nerol einen der Angreifer zum Glühen bringt.
    - Wie sollten sie denn das Elexir in den Käfigen nutzen, wenn sie sich nicht abstimmen können, geschweige denn nicht einmal aufrecht sitzen können, zudem beobachtet und in der Unterzahl sind? Auch schockst sie Dalons Zustand. Unbedachte Handlungen sind da erst einmal nicht sinnvoll.
    - zum Sturz in der Schlucht wird nur gesagt, dass sie darin verschwinden. Dalon war zunächst bewusstlos, also durchaus verletzt. Und wie sie das überleben konnten? Olaf hat Flügel ;)
    - die Bruchlandung des Schiffes wird sogar sehr detailliert beschrieben, sogar wie die einzelnen Charaktere den Sturz überleben
    - Mir'Kor-Pen hat sogar eine sehr bildreiche Geschichte. Damit fängt das Buch sogar an. Die Wandmalerei in der Kathedrale.
    - das die Drachen gezüchtet werden oder Sold beziehen, steht nicht im Buch. Stattdessen wird deren Koexistenz beschrieben und wie sie sich mit Gesetzen ihren Lebensraum abstecken. Siehe Gesetz zur Landung auf Märkten, als auch das Drachenmuseum.
    - Du hast angemerkt, dass die Satire und der Humor nach der Gefangenschaft abgenommen haben. Kann ich so nicht sehen: Areal 51, das Sonnenblumenfeld, die Möwen auf dem Floß usw.. Es zieht sich nach wie vor konsequent durch.
    - der Preis ist falsch. Das Buch kostet 12,99€. Auch wenn das jetzt Korinthenkackerei ist :D

    Man merkt sehr deutlich, dass du keine Freude am Buch hattest. Ich bin ein großer Freund von Sarkasmus, vermisse aber die sachlich, kritische Formulierung in deiner Rezension. Es macht eher den Eindruck als müsstest du unbedingt Frust abbauen.
    Ich finde es übrigens toll, dass es keine Serie außer der Scheibenwelt gibt, mit der man Xerubian vergleichen kann. Darum ging es. Etwas eigenes Schaffen. Ich kenne die Scheibenwelt zwar, habe aber nie eines der Bücher gelesen. Sogar bewusst.
    Danke für deine Einblicke.

    Viele Grüße
    Andreas

  • #2

    Awen Eibner (Mittwoch, 31 Mai 2017 20:42)

    Hallo, Andreas,

    Ich antworte in der Reihenfolge, in der du deine Punkte vorbringst.

    - Laut Definition nicht, soweit ich das ergooglen konnte. Zumindest in meinem Sprachgebrauch verwende ich "Lektor" nicht synonym mit "Testleser". Das erklärt allerdings die vielen Nennungen :)
    - Ich gebe zu, es ist ein paar Wochen her, dass ich das Buch gelesen habe, und die Nerven, diese kleinen Stellen rauszusuchen, habe ich nicht. Ich bilde mir ein, überprüft zu haben, ob sein Weg stimmt, kann aber nicht ausschließen, mich geirrt zu haben.
    - Die Flammen bezogen sich auf den Abschnitt, als die beiden Drachen gerade in Netzen und gleich darauf Käfigen gefangen werden. Da scheinen sie mit dem Flammenatmen zu stoppen. Vielleicht hätte es die Ereignisse nicht umgekrempelt, aber es hätte es den Soldaten schwieriger gemacht, sie wegzubringen, oder ihnen erhebliche Verluste beigebracht.
    - Der Schock Dalons ist als Pluspunkt (für die Handlungen der Charaktere) zu betrachten, aber dieser Zustand trifft nicht ein, ehe sie die Hälfte des Weges hinter sich gebracht haben, oder täuscht mich meine Erinnerung? Persönlich sehe ich keinen Grund, wieso nicht zumindest einer von ihnen es probieren hätte sollen, zumal ein Aufeinander-Abstimmen nicht unbedingt nötig gewesen wäre, lediglich viel Phantasie, was einen möglichen Lösungsweg betrifft.
    - Flügel sind ein guter Punkt. Daran hätte ich denken können ^^
    - Möglich, dass ich hier etwas übersehe, aber wenn ich das richtig gelesen habe, stürzt das Schiff auf Seite 300 ab und da wird kein Wort zu den Charakteren und deren genaues Überleben geschrieben. Wenn es erst später geschrieben wurde, muss ich es überlesen haben.
    - Der Prolog ist doch aus Olafs Sicht geschrieben? Und dass die Wandmalerei zu seiner Geschichte gehört, ist mir nicht entgangen. Mit "Geschichte" meinte ich in erster Linie eine Motivation, all die Erfahrungen, die ihn dazu verleitet haben, das zu tun, was er getan hat.
    - Die Stelle, die mich hat annehmen lassen, dass Drachen gezüchtet werden, ist diese auf Seite 81: "Wahrscheinlich gehört er der Gattung der Mirav-Drachen an, denkt Dalon. Gezähmte Langstreckenreisedrachen, die ewig treu, weitestgehend gehorsam und mit ihrem freundlichen Wesen besonders pflegeleicht sind." Meiner Meinung nach impliziert dieser Absatz stark eine Zucht - dadurch, dass die Beschreibung des Drachen irgendetwas zwischen einem Hund und einem gutmütigen Pferd ist, und dadurch, dass sie "gezähmte Reisedrachen" sind. Nicht nur bezweifle ich, dass Reisedrachen etwas sind, das sich über Evolution entwickeln würde - wenn dann Drachen, die ähnlich wie einige Zugvögel lange Strecken zurücklegen -, mit Zähmung geht meistens auch früher oder später Zucht einher. Ganz abgesehen davon verlangt eine Zähmung außerdem, dass das betroffene Individuum vorher wild war, und da sich das "ungezähmt" auf die Gesamtheit der Reisedrachen bezieht, wird diese Zähmung - immerhin ein vom Zähmenden aktiv geführter Prozess, der nicht nebenbei passiert - wohl schon vor einigen Generationen stattgefunden haben. Zum Sold habe ich keine Stelle gefunden, da ich nicht mehr weiß, wo ich sie gelesen haben will, es kann aber sein, dass das ein Witz war, den ich zu wörtlich genommen habe.

  • #3

    Awen Eibner (Mittwoch, 31 Mai 2017 20:43)

    - Einige der Parodien werde ich wohl nicht mitbekommen haben, andere empfand ich als nicht herausragend. Dass gar keine vorhanden sind, war eine Hyperbel und ist so nicht korrekt, das stimmt schon. Persönlich habe ich es einfach nur so erlebt, dass sie stark abnehmen - und mit "sie" ist in dem Fall auch das Maß impliziert, in dem ich sie amüsant fand.
    - Bei Thalia ist das aber nicht so. Vielleicht solltest du mal einen Blick drauf werfen. Überall sonst ist es 12,99. Komisch.

    Keine Freude ist übertrieben. Die erste Hälfte (bis zu der Sache mit Lu'Ser) hat mir gut bis sehr gut gefallen. Danach hat sich der Fokus des Buches - meiner Interpretation nach - verlagert.
    Stimmt, ich bin weder sachlich noch objektiv. Per Definition sind beide schwer bis unmöglich zu erreichen, deswegen verwende ich lieber unsachliche Stilmittel, um die Rezension unterhaltsam zu gestalten. An kritischen Formulierungen sollte es jedoch nicht mangeln - zumindest habe ich mich kritisch mit dem Buch auseinandergesetzt.
    Das mit dem Frust trifft soweit auch zu. Ich würde das "unbedingt" aus dem Satz streichen, aber ja, wenn mein Fazit zu einem Buch negativ ausfällt, habe ich keine Scheu, das auch auf den Ton meiner Rezension übergreifen zu lassen. Ich versuche dennoch, meine Behauptungen argumentativ zu halten, und sollte mir das nicht gelingen/sollte es irgendwo dringend nötig sein, finde ich es super, wenn man mich darauf aufmerksam macht. (Das war nicht sarkastisch gemeint.)
    Etwas Eigenes ist es geworden, das kann ich dir versichern. Viel Fantasysatire gibt es in Romanform nicht, daher das geringe Vergleichsmaterial ^^.

    Gerne und danke für deine Reaktion.
    Freundliche Grüße,
    Awen