Literatur ist dem Wandel der Zeit unterworfen. Mit ihr verändern sich nicht nur die Worte, die Grammatikregeln und die Themen der Texte, sondern auch das Medium, das die Sätze zum Leser bringt. Diese Sätze können, müssen aber nicht mit großer Sorgfalt aufgezeichnet und bearbeitet worden sein, ehe sie veröffentlicht werden. 

In den letzten Jahren hat sich zum Medium Buch ein neues gesellt – das E-Book. Dadurch, dass ein solches deutlich weniger aufwendig zu produzieren ist, ist es für viele Autoren leichter geworden, ihr Werk an den Markt zu bringen – ganz ohne Verlag. Doch ein Verlag ist dazu da, die Texte zu korrigieren, zu überprüfen, zu optimieren, zu verpacken und das Ganze schließlich dem Leser vorzusetzen. 

Selbstverleger hingegen müssen kein Korrektorat oder Lektorat hinter sich bringen, sind nicht dazu verpflichtet, ein professionelles Cover zu verwenden, und müssen auch nicht zwingend jemanden gegenlesen lassen, um Probleme im Inhalt oder mit der Logik herauszufiltern. Gleichzeitig sind sie nicht um jeden Preis daran gebunden, finanziell Erfolg haben zu müssen, ihr Werk muss der Masse nicht gefallen und sie können Themen in ihren Büchern aufgreifen oder Romantypen entwerfen, vor denen die meisten Verlage zurückschrecken würden, da sie zusehen müssen, dass sie finanziell gut über die Runden kommen. 

Kurz gesagt: Ein Buch eines Selbstverlegers zu lesen kann eine ebenso gute, teilweise auch bessere Entscheidung sein, als das eines Verlages zu bemühen – es kann aber auch auf allen Ebenen nach hinten losgehen. Daher steht die Frage im Raum: Sind Selbstverleger nun die Goldgrube der Literatur, die örtliche Müllentsorgungsstelle oder mal dies, mal jenes? Können E-Books und Bücher von Selbstverlegern mit denen von Verlags-Autoren mithalten? 

Um diese Frage zu beantworten, werde ich mir möglichst jeden Monat ein selbstverlegtes Buch oder E-Book herausnehmen, es mir durchlesen und anschließend eine Rezension dazu schreiben. Jedes gelesene Buch erhält von mir ein bis fünf Sterne, deren Mittelwert ich berechne und mit dem der Bücher vergleiche, die ich von Verlagen gelesen habe. 

So wird über die Monate und Jahre hinweg ein Wert herauskommen, der widerspiegelt, ob E-Books von Selbstverlegern qualitativ mit Büchern von Verlagen mithalten können. Diesen Wert versuche ich in den „Rezensionsartigen Wortkonstrukten“ zu finden und mitzuteilen. 

Pro Roman wird es zwei Rezensionen geben: Einmal die Kurzfassung, in der ich meine Punkte knapp vorbringe und mein Urteil fälle, und einmal die Mammutversion, in der ich mich nicht vor mehreren tausend Wörtern scheue und meine Kritik ausführlicher gestalte. Zum Schluss nenne ich erneut meine Wertung. 

Am Ende der Rezension wird die genaue Quelle sämtlicher Zitate (zumeist das rezensierte Buch) genannt.

 


Neueste Rezensionen

Kurzfassung: Vor dem Abgrund (Michael Hirtzy) | 35. RW

 

Ein Studententeam soll ein neues Produkt testen, kurz bevor es auf den Markt kommt: Das NanoTool, das aus Nanorobotern besteht, die in der Masse jede beliebige Form annehmen können. Als sie Probleme nicht nur mit den Nanobots selbst, sondern auch mit der Software finden, werden sie vor eine Entscheidung gestellt, die über den Verlauf der Geschichte entscheiden wird.

 

Am Schreibstil habe ich nichts zu bekritteln; ich finde ihn im Gegenteil sehr angenehm, sehr mitreißend und auch sehr interessant. Zwar habe ich wenig Erfahrung, was apokalyptische SF-Thriller angeht, aber ich bin es nicht gewohnt, dass zwischen normaler dritter Person-Erzählperspektiven, Zeitungsartikeln, Tagebucheinträgen und Protokollen gewechselt wird, um die Geschichte in Szene zu setzen. Diese stilistischen Entscheidungen haben die Erzählung für mich interessanter gemacht, als sie im üblichen Format gewesen wäre.

 

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Buch des Monats | Februar 2021

Diesen Monat habe ich zwar kein neues Jahreshighlight entdeckt, das fünf Sterne verdient hätte - ein Buch, das gegenüber den anderen hervorgestochen ist, hat es aber dennoch gegeben.

 

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Im Herzen des Wutwaldes (Torsten Weitze) | Verlagsgast

Warnstufe 2: Spoiler.
Warnstufe 2: Spoiler.

Zwei Monate nach Erscheinen des neunten Teils der Reihe habe ich das „Herz des Wutwaldes“ endlich gelesen – und bin leider nicht besonders beeindruckt.

 

Ahren und Co haben sich entschieden, zuerst dem Wutwald zuhilfe zu kommen, danach erst dem Grünen Meer. Sobald sie im Wald angekommen sind, wird ihnen aber klar, dass mehr als nur der Widersacher den Wald negativ beeinflusst – und wie verzweifelt die Lage seiner Bewohner tatsächlich ist.

 

Einen Stern Abzug gibt es für die Fehler im Bereich der Zeichensetzung, vor allem bei den Beistrichen. Schade, sonst hätte es vielleicht für drei Sterne ausgereicht.

 

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