Ein Meer auf dem glühenden Stein - Schreibwochenbuch #2

„Mit jedem Schritt fiel es Ronodi schwerer, die Augen offenzuhalten, doch sie fand die Herberge relativ schnell.“ Aus: P.p.

Die zweite Schreibwoche ist dann doch um einiges weniger schreibintensiv ausgefallen. Erneut ist nur bei P.p. etwas weitergegangen, nämlich innerhalb von rund drei Stunden etwa 7.000 Wörter. Geschrieben habe ich an drei Tagen der letzten Woche – womit ich in etwa dort angelangt bin, wohin ich eigentlich mit diesem Projekt wollte: Drei bis vier Stunden wöchentlich mit zumindest 3.000 Wörtern Fortschritt. Insgesamt umfasst P.p. damit 42.000 Wörter, was nur knapp unterhalb der Halbzeit liegt.

 

Aus dem vorgelegten Schema ausbrechend möchte ich kurz – naja, meine Version von kurz – darauf eingehen, wie es mir mit diesem Projekt geht. Wenn man die Tatsache betrachtet, dass es sich um einen Einzelroman handelt, der zur Science-Fantasy gehört und keine der typischen Handlungsaufbauten der beiden Genres wirklich bedient und man hinzunimmt, dass ich nicht einmal versuche, Humor einzubringen, und mich auf so lockerflockige Themen wie der Missbrauch von Ideologien und den Tod konzentriere, kann man dieses Projekt als für mich untypisch zusammenfassen.

Hinzu kommt, dass ich erstmals nicht die Szenen in der Reihenfolge schreibe, in der sie später in der Rohfassung stehen werden, sondern durcheinander – so, wie’s mir gerade passt. Diese Woche habe ich beispielweise die letzte Szene geschrieben.

Normalerweise ist so eine letzte Szene für mich der Antrieb, die letzten fünfzig oder hundert Seiten durchzuhalten, doch dieses Mal war es etwas anders, da das, was die Szene impliziert, mich emotional mehr mitgenommen hat, als es sollte. So gesehen war es eine Notwendigkeit, mir das von der Seele zu schreiben, damit ich mich wieder auf den Rest der Geschichte konzentrieren konnte.

Ich wurde gefragt, wie sich das auf meine Motivation zum Weiterschreiben auswirkt – und bisher lautet meine Antwort: Negativ. Oder meine heiße Flamme hat sich einfach abgekühlt und das in etwa zur selben Zeit, in der ich die Endszene geschrieben habe, das ist nicht auszuschließen.

Ich denke, dass ich jetzt in der Phase des Schreibens angekommen bin, in der ich nicht mehr von Euphorie durchflutet bin und sich Hartnäckigkeit, Selbstdisziplin und Entschlossenheit nützlich machen. Bisher hatte ich bei sämtlichen meiner vorherigen Projekten ähnliche Phasen, nur habe ich hier die Möglichkeit, zu verschiedenen Punkten meiner Geschichte zu springen, wenn mich eine bestimmte Stelle gerade wirklich abschreckt.

Kurzum: Der Motivationsschub, der davon kommt, wenn ich mir vorstelle, wie ich das Ende schreibe und diesen Zeitfresser von Roman mit einem Knall beende, ist nicht mehr da. Gleichzeitig hat sich die Euphorie gelegt und das zusammen ergibt entweder einen Abbruch oder eine Autorin, die sich mit grimmiger Entschlossenheit vor den PC setzt und das verdammte Dokument öffnet.

 

„So kam es, dass Ronodi am Nachmittag die ersten Rauchwolken über den Nadelbäumen sah und kaum eine halbe Stunde später zwischen den dunklen Stämmen hindurch die Gebäude erkennen konnte.“ Aus: P.p.


Kommentar schreiben

Kommentare: 0