Sternenjäger 2020

 

2019 hat es keinen Sternenjäger-Artikel gegeben – diejenigen, die mir auf Twitter folgen, werden wissen, dass das an einem Mangel geeigneter Kandidaten gelegen hat. Deswegen war mein Vorsatz für dieses Jahr, wieder mehr selbstverlegte Bücher zu lesen – und mich mehr auf die zu konzentrieren, die mit mehr Anspruch auf Professionalität verlegt wurden.

 

Das mit dem Fokus auf mehr Professionalität hat ganz gut geklappt, nachdem die „alten“ Hasen am Jahresanfang, die noch nicht unter diese neue Regelungen gefallen sind, erledigt waren – mit „mehr Professionalität“ meine ich hauptsächlich ein tatsächlich durchgeführtes Korrektorat, vielleicht sogar ein Lektorat, und ein tolerierbares oder gar schönes Cover. Kurzum: Etwas, das man auch in einer Buchhandlung finden könnte.

Das mit dem „mehr Bücher lesen“ hat jedoch weniger gut geklappt – im Sinne von: 2019 waren es noch sage und schreibe 5 Selfpublisher, 2020 waren es – vier. Schande über mein Haupt.

 

Erfreulicherweise war jedoch ein wirklich gutes Buch unter diesen vier, das ich wirklich nur weiterempfehlen kann:

 

1. Platz: „Splitter der Nacht“ von Katrin Ils

Das beste SP-Buch 2020: Splitter der Nacht (Katrin Ils). Die Coverrechte liegen bei der Autorin.
Das beste SP-Buch 2020: Splitter der Nacht (Katrin Ils). Die Coverrechte liegen bei der Autorin.

Der einzige Grund, warum das Buch von mir nicht fünf Sterne bekommen hat, ist der Gore in der einen Folterszene (vielleicht beschreibt „Body Horror“ das besser, mit den Begriffen kenne ich mich nicht wirklich aus). Obwohl ich in den letzten Jahren etwas gegenüber dergleichen abgehärtet bin, war das dann doch etwas mehr, als ich eigentlich haben wollte. Meine Empfehlung lautet also: Wer etwas empfindlich auf Horror reagiert, sollte das Buch nicht lesen oder zumindest die eine Folterszene nicht (ohne zu viel zu spoilern – nicht die Protagonistin wird gefoltert, sondern ihre Freundin; die Szene ist im ersten Drittel).

 

An alle anderen, die auch nur ein wenig Interesse an Fantasy haben: Lest das Ding, es ist unfassbar gut geschrieben. Als Kurzroman kann es nicht zu viel Zeit darauf verschwenden, Informationen ständig zu wiederholen, und obwohl es der High-Fantasy zugerechnet wird, geht es nicht um ein grandioses Epos, sondern wirklich nur um diese eine Geschichte in dieser einen deprimierenden Stadt.

Die Intrigen sind gut aufgebaut und umgesetzt, die Plot Twists ergeben tatsächlich Sinn, jeder Charakter hat seine eigenen Motive und verfolgt diese auch, sämtliche Handlungen haben Konsequenzen, und obwohl kaum ein Charakter einen moralischen Kompass zu besitzen scheint, will man die Protagonistin dennoch nicht verlieren sehen.

 

Nochmal: Wäre diese eine Folterszene nicht gewesen, wäre „Splitter der Nacht“ das erste selbstverlegte Buch gewesen, dem ich fünf Sterne gegeben hätte. Schaut es euch an, wenn ihr irgendwas mit Fantasy anfangen könnt.

 

4 Sterne, Rezension