Wunschbücher: Fünf unerzählte Geschichten | 12. Minute

Es heißt zwar, wenn man gerne ein Buch lesen würde und es nicht existiert, soll man es selbst schreiben, aber auch für einen Autor hat der Tag nur vierundzwanzig Stunden. Dennoch gibt es Geschichten oder Themen, die ich gerne lesen würde und die mir nicht oder nur sehr selten begegnet sind, und die ich gerne als Buch antreffen würde.

 

Solltet ihr euch bei einem der Punkte denken: „Ja, aber das gibt es doch!“, wäre ich ausgesprochen glücklich, würdet ihr mir den Titel verraten.

Grünzeug mit Braunzeug. Bildquelle: Pixabay.
Grünzeug mit Braunzeug. Bildquelle: Pixabay.

1. Mythensammlung zum Grünzeug

Der einzige Punkt, der nur so halb zur Fantasy passt. Das Buch, die mich auf diesen Wunsch gebracht hat, ist „Das Horoskop der Pflanzen“ von Gabriele Hasmann. Ich hatte es mir gekauft, weil ich Horoskope, wenn sie nicht ernst genommen werden, sehr unterhaltsam finde – und weil ich Pflanzen mag. Letztlich war es ein von Geschlechtsstereotypen und schlechter Quellenlage durchzogenes Buch, das mich aber auf den Gedanken gebracht hat:

Wie cool wäre es bitte, wenn es ein Buch gäbe, das sich eine oder mehrere Pflanzen herausnimmt und Mythen und Sagen aus verschiedenen Kulturkreisen zu ihnen sammelt – und das mit solider Quellenlage?

 

Meine Favoriten wären wohl Eiben, Birken und Ginkgos, aber anderes Grünzeug würde mich auch ziemlich glücklich machen.

 

2. Gestaltwandler, die weder verknallt sind noch ausschließlich ans Knallen denken

Ich habe einen sehr großen Faible für Gestaltwandler/-wechsler, wobei ich darunter alles verstehe, bei dem sich Menschen in ein, seltener mehrere Tiere verwandeln können. Ob das an äußere Bedingungen wie dem Vollmond bei Werwölfen gebunden ist oder vollkommen der eigenen Kontrolle unterliegt, ist mir egal.

Dabei sollte ich anmerken, dass ich mit Werwölfen nicht wirklich etwas anfangen kann und sehr düsteren, blutigen Geschichten abgeneigt bin, weswegen mir das Horror-Genre nichts zu bieten hat. Was bleibt, ist überwiegend Low-Fantasy, und mir fällt spontan keine Gestaltwandler-Geschichte ein, die nicht primär eine Liebesgeschichte ist.

 

Das Problem an Liebesgeschichten ist, dass sie mich zu Tode langweilen (mit zwei oder drei Ausnahmen). Eine Geschichte, die sich um einen Typen dreht, der sich in einen Kranich verwandeln kann und nicht versucht, das Mädchen von nebenan rumzukriegen, wäre nett.

 

3. Gruselige Löwen und goldige Schlangen

Beim Tiermotiv bleibend gilt es festzuhalten, dass es ein paar klassische Tiere, oft Wappentiere gibt, die den Protagonisten oder den Antagonisten zugeschrieben werden. Schlangen, Spinnen, Insekten (mit wenigen Ausnahmen wie Libellen und Schmetterlingen), oft genug auch Ratten und Krähen gehören den durchgeknallten Wissenschaftlern und Bösewichten, die die Weltherrschaft an sich reißen wollen, wohingegen Löwen, Adler, Hirsche, Schwäne den Leuten gehören, die das Mädchen von nebenan knallen wollen – oder dem Mädchen von nebenan.

 

Mir ist klar, dass diese Motive und Konnotationen kulturell gewachsen sind, aber ich wünsche mir, dass man mal den Spieß umdreht: Das blutrünstige Ekel führt das Wappen des Schwans, die Familie, die es als ihre Pflicht erachtet, gerechte Herrscher zu sein, versammelt sich unter dem Zeichen der Spinne. Oder Kellerassel, aber das wäre weniger episch.

Fragt sich, wieso ausgerechnet er alles wieder geradebiegen muss. Bildquelle: Pixabay.
Fragt sich, wieso ausgerechnet er alles wieder geradebiegen muss. Bildquelle: Pixabay.

4. Der König ist tot, lang lebe ... ja, wer eigentlich?

Eines der Themen in der Fantasy- und Science-Fiction-Literatur ist die Rebellion. Man nehme einen Bauernjungen, gebe ihm ein Schwert, das coole Lichteffekte drauf hat, einen Typen, der rumsteht und ein guter Freund ist, eine unendliche Liebe und einen erzbösen Gegner, und schon hat man das Rezept für eine konfliktvolle Geschichte, die dementsprechend das Potenzial hat, den Leser nicht zu Tode zu langweilen, sondern nur ins Wachkoma.

Sobald das mit der Rebellion geschafft ist, hören die meisten Geschichten auf. Ein Beispiel, das mir sofort in den Sinn kommt: „Eragon“ von Christopher Paolini. Wenn man sich aber Rebellionen und Revolutionen unserer Welt ansieht, wird schnell klar, dass mit dem Sieg der Rebellen nur der erste von vielen Schritten getan ist – und wenn man die restlichen Schritte nicht schafft, hat man gleich die nächste Diktatur.

 

Eine im SFF-Bereich spielende Geschichte, die sich darum dreht, was nach der Rebellion an Kräften und Winkelzügen notwendig ist, um die Ideale dieser Rebellion aufrechtzuerhalten und ein zum Selbsterhalt fähiges Land zu erschaffen, wäre eine interessante Lektüre, die ebenfalls jede Menge Konfliktpotenzial bereithält. Von einem actionlastigen Thriller bis zu einer detaillierten Charakterstudie ließe sich alles machen.

 

5. Der König ist tot, und jemand sollte ihn wiederbeleben

Wenn es aber schon eine Rebellion sein muss, dann wenigstens eine, die im Unrecht ist. So sehr die Protagonisten auch dem System vertrauen – leben sie in einem SFF-Roman und begegnen sie einer Gruppe Rebellen, haben diese Rebellen prinzipiell Recht und den moralisch höheren Boden. Das System ist scheiße und muss besiegt werden, und ein Versagen ist eines der schlimmstmöglichen Szenarien.

 

Nicht auszudenken, welche Geschichte entstehen könnte, würde man diese Grundregel in Frage stellen. Am Ende wäre das beschissene System nur das kleinere Übel. Oder das bestehende System ist sogar besser als das, das die Rebellen haben möchten. Und wenn sie dann am Ende siegen, ist der Protagonist mitschuldig am Tod und Elend vieler Menschen und nachfolgender Generationen – oder ist gar der Begründer eines neuen Systems, gegen das eine Rebellion mehr als angebracht wäre.